Die prospektive Studie von Muller et al. zeigt, dass die Erfolgsaussichten der venös-arteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung (vaECMO) im Rahmen eines kardiogenen Schocks durch einen Score abgeschätzt werden können.
Die Autoren erfassten den Langzeitverlauf (32 Monate) von 138 ECMO-Patienten. Diese mussten die Kriterien eines therapierefraktären, kardiogenen Schocks im Rahmen eines akuten Myokardinfarkts erfüllen (z. B. Ejektionsfraktion < 25 %, Cardiac Index < 2,2 l/min/m2).
Primäres Ziel der Studie war die Erfassung der mortalitätsassoziierten Risikofaktoren. Diese wurden dann in einem Score kombiniert (ENCOURAGE = prEdictioN of Cardiogenic shock OUtcome foR AMI patients salvaGed by vaECMO). Dessen Validität prüften die Autoren retrospektiv anhand des Datensatzes der Studie.
Die sekundären Studienziele umfassten neben dem Mortalitätsverlauf auch psychologische Parameter zur Quantifizierung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität, zur Belastung durch depressive Symptome und zu den Zeichen einer posttraumatischen Stressbelastung.
Insgesamt 47 % der Patienten überlebten und konnten von der Intensivstation entlassen werden. Nach 6 Monaten lag die Überlebensrate bei 41 %. Das kardiale Ereignis und die anschließende Intervention hinterließen erhebliche psychische Belastungen. So klagten 34 % im weiteren Verlauf über Angststörungen, 20 % über Depressionen, und bei 5 % zeigten sich die Symptome eines posttraumatischen Stresssyndroms (PTSD). Für den präinterventionellen Prognosescore (ENCOURAGE) waren 7 initiale Parameter signifikant:
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Alter > 60 Jahre
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weibliches Geschlecht
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ein BMI > 25 kg/m2
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ein reduzierter Glasgow-Coma-Scale (< 6)
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ein Kreatininanstieg (> 150 µmol/l)
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ein erhöhter Laktatwert
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eine um mind. 50 % verminderte Prothrombinaktivität
Bei optimalen ENCOURAGE-Score-Werten lag die Überlebenswahrscheinlichkeit (6 Monate) bei 80 %. Ein max. ungünstiger Score war mit einer Überlebenswahrscheinlichkeit von 7 % verbunden.
Fazit Trotz Einsatz der venös-arteriellen ECMO beim kardiogenen Schock im Rahmen eines Myokardinfarkts bleibt dessen Mortalität hoch. Der neu entwickelte ENCOURAGE-Score bietet die Option, die Indikationsstellung zur ECMO an der Prognose zu orientieren. Dabei muss beachtet werden, dass der Score noch einer prospektiven, klinischen Validierung bedarf. Die Betreuung der Überlebenden muss, wie sich ebenfalls zeigte, die ausgeprägte psychische Folgemorbidität mit berücksichtigen.
Ein neu entwickelter Score soll die Indikation der venös-arteriellen extrakorporalen Membranoxygenierung (VA-ECMO) abschätzen und so die Überlebenswahrscheinlichkeit nach kardiogenem Schock erhöhen.
Bildnachweis: KH Krauskopf