Einleitung Eine problematische Nutzung sozialer Medien (problematic
social media use, PSMU) in der Adoleszenz zeigt eine zunehmende Relevanz in
klinischen Settings. Der Zusammenhang zwischen elterlichen Risikofaktoren im
Zusammenhang mit Suchtverhaltensweisen von Kindern und Jugendlichen ist gut belegt,
allerdings gibt es hier keine ausreichenden längsschnittlichen Erfassungen
in Bezug auf die problematische Nutzung sozialer Medien. Die vorliegende Studie
erfasste daher psychosoziale und erzieherische Faktoren sowie elterliches
Mediennutzungsverhalten im Hinblick auf PSMU bei Kindern und Jugendlichen.
Material und Methodik Bei der vorliegenden Studie handelt es sich um
eine längsschnittliche repräsentativen Online-Befragung. Es wurden
bei Eltern und je einem zugehörigen Kind im Alter von 10 bis 17 Jahren
psychosoziale, erzieherische und mediennutzungsbezogene Merkmale der Eltern sowie
die Nutzungsmuster sozialer Medien der Kinder mittels standardisierter Verfahren
erhoben. Zur Baseline wurden Nbaseline = 1221 und zum Follow-up nach einem
Jahr Nfollow-up = 659 Eltern-Kind-Dyaden erreicht. Relevante
Prädiktoren wurden anhand der Baseline-Daten regressionsanalytisch
identifiziert und ihr prospektiver Vorhersagewert für kindliche PSMU mittels
logistischer Regression errechnet.
Ergebnisse Mediennutzungs- und erziehungsbezogene Faktoren der Eltern
liefern einen bedeutsamen Beitrag zur Varianzaufklärung kindlicher PSMU.
Hierzu gehören längere Mediennutzungszeiten, problematischere
Nutzungsmuster sowie eine geringer erlebte Selbstwirksamkeit in der allgemeinen und
medienbezogenen Erziehung. Ein weiterer wichtiger Prädiktor für eine
PSMU der Kinder ist ein problematisches Mediennutzungsverhalten der Eltern.
Zusammenfassung Anhand der vorliegenden Studie kann erstmalig die
Bedeutsamkeit elterlicher Mediennutzungsmuster sowie erzieherischer Faktoren im
Zusammenhang mit problematischen Nutzungsmustern von sozialen Medien der Kinder im
Längsschnitt gezeigt werden. Dadurch können Erkenntnisse zur
Ätiologie von PSMU gewonnen werden und Implikationen für
Prävention und Therapie abgeleitet werden. Um die Stabilität der
Effekte sowie potentielle Moderatoren zu erfassen sind weitere Untersuchungen mit
zusätzlichen Messzeitpunkten notwendig. Zudem sind
randomisiert-kontrollierte Studien zu familienbasierten Interventionen, die
elterliches Medien(erziehungs-)verhalten unter Berücksichtigung von
Rollenmodellen und Medienkompetenz beinhalten, wünschenswert.