Einleitung Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und
Substanzkonsumstörungen (SUDs) treten häufig simultan in
jugendlichen psychiatrischen Patienten auf. Bisherige Forschungsergebnisse zeigen,
dass diese doppelbelasteten Patienten sich von SUD Patienten ohne PTBS in ihrem
Substanzkonsum unterscheiden. In der vorliegenden Studie, inwiefern dieser
unterschiedliche Substanzkonsum durch ein Selbstmedikationsmotiv erklärt
werden kann.
Material und Methodik N = 111 (43 % weiblich) Deutsche
jugendliche SUD Patienten (Alter 13-18 Jahre) füllten einen Fragebogen zu
Substanzkonsummotiven und einen PTBS Fragebogen aus und wurden mit einem
standardisierten psychiatrischen Interview befragt. Probanden wurden als
"kein Traume (noTE)", "Trauma aber kein PTBS (TE)"
oder "PTBS" klassifiziert. Es wurden mit nicht-paramterischen
Verfahren Unterschiede in Substanzkonsum ausgewertet und eine Mediationsanalyse
bezüglich dem Einfluss von Selbstmedikationsmotiven berechnet.
Ergebnisse In der "PTSD" Gruppe war der MDMA Konsum
signifikant erhöht (H (2) = 7.2, p = .027, η2
= .058), während keine Unterschiede in Tabak, Alkohol, Cannabis oder
Stimulanzienkonsum festgestellt wurde. Die "PTSD" Gruppe zeigte
ebenfalls einen signifikant erhöhten Wert bezüglich des Motivs der
Selbstmedikation (F (103) = 5.77, p = .004, η2 =
.101). Die Mediationsanalyse indiziert einen indirekten Effekt vom
Selbstmedikationsmotive auf die Beziehung zwischen Gruppenzugehörigkeit
(noTE, TE, PTSD) und MDMA Konsumfrequenz (b = 0.61, 95% CI [0.29,
1.58]).
Zusammenfassung Wir haben in jugendlichen SUD Patienten einen
erhöhten MDMA Konsum festgestellt, der teilweise durch ein
Selbstmedikationsmotiv erklärt werden kann. Dieses Ergebnis gibt Hinweise
darauf, dass der Konsum von MDMA in Jugendlichen teilweise durch Selbstmedikation
motiviert ist. Es ist noch unklar, ob MDMA Konsum tatsächlich
psychopathologische Symptome reduziert oder sogar verstärken und
verschlimmern kann.