Zusammenfassung
Hintergrund und Fragestellung Ungeachtet der ungeklärten Ätiologie der Erkrankung ist die Bedeutung psychosozialer Faktoren für die Entstehung einer Hyperemesis gravidarum (HG) unbestritten.
Material und Methodik Vor dem Hintergrund der an unserer Klinik gewonnen Erfahrung sowie einer Literaturübersicht werden psychosoziale Einflussfaktoren und therapeutische Möglichkeiten dargestellt.
Ergebnisse Als prädisponierende Faktoren gelten u. a. Stress, inadäquate Informationen über Schwangerschaft und Geburt und partnerschaftliche Probleme. Bei der Entstehung einer HG sind Ambivalenzgefühle, eine verzerrte Realitätswahrnehmung, die unbewusste Ablehnung einer gewünschten Schwangerschaft und die Sorge um Wechselwirkungen zwischen der Ernährung des Kindes und der eigenen Erkrankung relevant. Darüber hinaus kommen dem sozialen Umfeld, insbesondere der Beziehung zur Mutter und der Partnerbeziehung, Bedeutung zu, ebenso wie der Erwartungshaltung für das Auftreten einer HG. Der sekundäre Krankheitsgewinn kann zur Entwicklung einer HG weiter beitragen.
Als therapeutische Maßnahmen neben den bekannten somatischen Verfahren werden Akupunktur, elektrische Vestibularisreizung, und verschiedene Formen der Psychotherapie ggf. mit Integration des Partners oder anderer Bezugspersonen diskutiert. In Einzelfällen kann eine intensivierte Psychotherapie unter stationären Bedingungen den Verlauf einer HG günstig beeinflussen.
Diskussion Psychosoziale Faktoren haben neben der Wirkung bei der Entstehung einer HG Einfluss auf die Dauer und Ausprägung der Symptome sowie auf die Resistenz insbesondere gegenüber rein somatischen therapeutischen Ansätzen.
Schlussfolgerung Psychosoziale Faktoren sollten bei der ursächlichen Abklärung und der Behandlung einer HG im Sinne einer erfolgreichen und möglichst langfristig anhaltenden Wirkung der Therapie berücksichtigt werden.
Background Although Hyperemesis gravidarum (HG) is still a disease of unknown aetiology psychosocial aspects are involved in the genesis of this disease.
Materials and methods Based on experiences in our department and on actual literature psychosocial aspects and therapeutic approaches of HG are presented.
Results Predisposing factors of HG are stress, inadequate information about pregnancy or delivery and problems in the marital relationship. Feelings of ambivalence towards pregnancy, a distorted perception of reality, the unconscious refusing of a wanted child and the worry about a relation between nutrition of the foetus and the HG have influence on the development of the HG. The role of the social context, especially the mother, of expectations towards vomiting and of secondary gain in the genesis and the evaluation of HG is explained.
Therapeutical approaches beside the known somatic therapies are acupuncture, the electric stimulation of the N. vestibularis and different methods of psychotherapy, which can include the partner or other persons from the social context. In some cases an intensified therapy under in-patient conditions can improve therapeutic results.
Discussion Psychosocial factors are involved not only in the genesis of HG, but also in the duration and intensity of symptoms as well as in the resistance especially towards isolated somatic therapeutical approaches.
Conclusions When psychosocial factors are taken into account in the search for a cause and the treatment of HG results of treatment are more successful and persist over a longer time.
Schlüsselwörter
Hyperemesis gravidarum - Psychosomatik - Ätiologie - psychosomatische Therapie
Key words
Hyperemesis gravidarum - psychosomatic - aetiology - psychosomatic therapy