Einleitung
Einleitung
Tierhaare sind eine wichtige Quelle für Inhalationsallergene. In 37 % aller deutschen Haushalte werden Tiere gehalten [[6]]. Die Angaben über die Häufigkeit von Haustier-Allergien variieren aber stark je nach untersuchter Bevölkerungsgruppe und Diagnosekriterien. Fast 30 % aller Atopiker reagieren mit allergischen Sofortreaktionen auf Katzen- und Hundekontakt [[5]]. Eine schwedische Umfrage bei 40 000 Schulkindern zeigte eine Häufigkeit von 5,3 % Haustier-Allergien [[1]]. In einer anderen schwedischen Studie an 110 asthmatischen Schulkindern betrug die Häufigkeit der Sensibilisierungen gegenüber Katzenepithelien 30 %, die gegenüber Hundehaaren 15 % [[4]].
Während die Häufigkeit von positiven Hauttesten gegenüber häufig gehaltenen Haustieren wie Hunden und Katzen gut untersucht ist, gibt es in der internationalen Literatur keine Angaben zur Sensibilisierung gegenüber Chinchillas. Überraschenderweise wird in Ratgebern in Zoohandlungen Allergikern von der Anschaffung der Tiere abgeraten [[2]].
Chinchillas erfreuen sich in den letzten Jahren als Heimtiere zunehmender Beliebtheit. Wegen ihres dichten und feinen Fells werden die aus Südamerika stammenden Tiere in großen Pelztierfarmen gezüchtet. Sie sind nachtaktiv und werden deshalb bevorzugt von Berufstätigen zu Hause gehalten. Die niedlichen, großäugigen Tiere eignen sich nicht als Kuscheltiere, auch wenn die Kinder sie attraktiv finden.
Die im Zoofachhandel erhältlichen Tiere sind Mischtypen aus Kurzschwanz- und Langschwanzchinchilla. Sie gehören zu den Nagetieren und sind mit dem Meerschweinchen, Nutria oder Eichhörnchen verwandt (Tab. [1]).
Wir prüften, ob bei Personen mit Chinchilla-Exposition im eigenen Haushalt Sensibilisierungen und allergische Rhinokonjunktivitiden auftreten.
Tab. 1Zoologische Einordnung des Chinchilla (Hasenmaus)
Ordnung | Nagetiere (Rodentia) |
Unterordnung | Stachelschweinähnliche (Hystricomorpha) |
Familie | Hasenmausartige (Chinchillidae) |
Gattung | Chinchilla (Chinchilla) |
Art | Kurzschwanz-Chinchilla (Chinchilla chinchilla boliviana) Langschwanz-Chinchilla (Chinchilla laniera) |
Patienten und Methode
Patienten und Methode
Untersucht wurden 6 Patienten, die sich wegen ganzjähriger Rhinokonjunktivitis oder Asthma bronchiale in der Ambulanz vorstellten und anamnestisch zu Hause mit Chinchillahaaren exponiert waren. Es wurden Zeitpunkt und Umstände der Anschaffung und Anzahl der Tiere, Ort der Tierhaltung, Freilauf im Zimmer und die Nikotinexposition in der Wohnung erfragt. Der Atopiestatus der Patienten wurde mit Hilfe der Familienanamnese, Pricktestung und Gesamt-IgE-Bestimmung (PRIST) erhoben. Die Pricktestung führten wir mit Chinchillaepithelienextrakt der Firma MASER durch; als positiv galt ein Quaddeldurchmesser über 5 mm. Im Nasentest mit Rhinomanometrie wurde die klinische Aktualität der Sensibilisierungen gegenüber Chinchilla eruiert.
Allen Patienten gaben wir die Empfehlung, die Haustiere abzuschaffen. Nach einem Jahr wurden die Patienten gefragt, ob sie noch Chinchillas in der Wohnung halten.
Ergebnisse
Ergebnisse
In der Pricktestung wurde bei 2 Kindern (5 und 10 J.) und 4 Erwachsenen (20 bis 30 J.) eine Sensibilisierung gegenüber Chinchillaepithelien nachgewiesen. Die Familienanamnese war bei 4 Patienten negativ. Bei 5 Patienten wurden 1 - 2 Tiere im Wohnzimmer, bei einem 10-jährigen Mädchen im Kinderzimmer gehalten. Alle Tiere hatten regelmäßigen Freilauf im Zimmer. In zwei Familien wurde im Wohnzimmer geraucht (Tab. [2]).
Von drei Patienten konnten Informationen zu den Umständen der Anschaffung gesammelt werden. Bei 2 Patienten stand die Nachtaktivität der Tiere im Vordergrund. Sie hatten zum damaligen Zeitpunkt keine bekannten Allergien. In der Familie eines 5-jährigen Jungen war das Chinchilla ein Ersatz für ein Meerschweinchen, dessen Kontakt bei dem Kind zu Hautausschlag geführt hat. Kein Patient wusste von der Möglichkeit der Entstehung einer Chinchillahaarallergie und wurde auch nicht durch Verkäufer darauf hingewiesen.
Bei drei Patienten konnte mittels Nasentest eine klinisch aktuelle Chinchillasensibilisierung nachgewiesen werden. Eine 30-jährige Frau hatte gleichzeitig klinisch stumme Sensibilisierungen gegenüber Hausstaubmilben und Pferdeepithelien. Eine 20-jährige Patientin litt an Pollinose und Bäckerasthma. Das 10-jährige Mädchen hatte neben der Chinchillahaarallergie auch klinisch aktuelle Sensibilisierungen gegenüber Pollen und Meerschweinchenhaaren.
Die Patienten mit negativen Nasentests wiesen eine Pollenallergie bzw. klinisch stumme Sensibilisierungen gegenüber Katzen- und Pferdehaaren auf. Bei einem 5-jährigen Jungen fanden sich keine weiteren Sensibilisierungen.
In 5 Familien wurden Chinchillas nach einem Jahr weiter gehalten. Die Familie des 5-jährigen Jungen hatte inzwischen die Chinchillas abgeschafft und berichtete seitdem über Beschwerdefreiheit.
Tab. 2Patientenprofil
Alter, Geschlecht | Familien-anamnese | Gesamt-IgE (kU/l) | Pricktest Chinchilla | Nasentest Chinchilla | Beschwerden |
30 J., w | negativ | 195 | positiv | positiv | ganzjährig RCA |
27 J., m | negativ | 285 | positiv | negativ | ganzjährig Asthma |
24 J., w | negativ | 291 | positiv | negativ | saisonal RCA |
20 J., w | n. b. | 1209 | positiv | positiv | ganzjährig Asthma und RCA |
10 J., w | positiv | Nicht geprüft | positiv | positiv | ganzjährig Asthma |
5 J., m | negativ | Nicht geprüft | positiv | negativ | ganzjährig Asthma und RCA |
RCA = Rhinoconjunctivitis allergica |
Schlussfolgerungen
Schlussfolgerungen
Sowohl im Kindes- als auch im Erwachsenenalter kann es bei Chinchillakontakt im Haushalt zu Sensibilisierungen mit der Möglichkeit der Entwicklung einer allergischen Chinchilla-Rhinokonjunktivitis kommen.
Chinchillas sollten bei atopischer Disposition nicht als Haustiere gehalten werden.
Bereits beim Kauf der Tiere sollte eine Aufklärung über das Allergierisiko erfolgen.
Auch bei nachgewiesener Allergie gegen Chinchillahaare ist die Bereitschaft der Patienten, sich von dem Tier zu trennen, gering.