Die Behandlung von Vorhofflimmern beinhaltet im Wesentlichen
drei Aspekte: die Prävention thromboembolischer Ereignisse,
die Frequenzlimitierung sowie die Wiederherstellung und Erhaltung
eines Sinusrhythmus.
Thromboembolieprophylaxe
Thromboembolieprophylaxe
Die Antikoagulation ist ein essenzieller Bestandteil in der Behandlung
von Patienten mit Vorhofflimmern, da Morbidität und Mortalität
bei Vorhofflimmern entscheidend durch thromboembolische Ereignisse
bestimmt werden. Patienten mit einem rheumatischen Klappenvitium
haben das höchste Risiko für thromboembolische
Komplikationen. Das Embolierisiko ist bei diesen Patienten nach
den Daten der Framingham-Studie um das 17,6Fache erhöht [11]. Etwa 75 % aller Thromboembolien
betreffen das zerebrale Stromgebiet. Aber auch Patienten mit nicht-valvulärem
Vorhofflimmern haben ein 4-6 %iges Risiko,
innerhalb eines Jahres einen zerebralen Insult bedingt durch eine
kardiale Embolie zu erleiden. Besonders gefährdete Patienten
können durch klinische und echokardiographische Risikoparameter
identifiziert werden. Als Risikoparameter kommen in erster Linie
ein höheres Lebensalter, eine stattgehabte Embolie bzw.
TIA oder zerebraler Insult, eine arterielle Hypertonie, eine linksventrikuläre
Funktionseinschränkung und das Vorliegen einer Herzinsuffizienz in
Betracht. In Abhängigkeit vom Lebensalter der Patienten sind
weitere Risikomarker wie die koronare Herzerkrankung oder der Diabetes
mellitus von zunehmender Bedeutung. Zu den echokardiographischen
Risikofaktoren zählen neben der linksventrikulären
Funktionseinschränkung der Nachweis atrialer Thromben bzw.
eine atriale Dysfunktion.
Tab. 1 Thromboembolieprophylaxe
bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern.
Antithrombotische Therapie
|
Patientengruppe
|
Keine Therapie oder ASS 325 mg/d
|
Alter <60 Jahre, keine strukturelle Herzerkrankung
|
ASS 325 mg/d
|
Alter < 60 Jahre, Herzerkrankung, aber
keine Risikofaktoren*
Alter ≥ 60 Jahre, keine
Herzerkrankung, keine Risikofaktoren*
|
Orale Antikoagulation (INR 23)
|
Alter ≥ 60 Jahre, Diabetes mellitus
oder KHK
Alle Patienten mit Risikofaktoren*
Stattgehabte
Embolie Hyperthyreose
|
Orale Antikoagulation (INR 2)
|
Alter ≥ 75 Jahre
|
* Herzinsuffizienz,
linksventrikuläre Ejektionsfraktion < 35 %,
arterielle Hypertonie; KHK = koronare
Herzerkrankung
|
In zahlreichen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine
orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten das jährliche
Risiko thromboembolischer Ereignisse um 47-86 % reduziert [4]
[6]
[14]
[19-21]
.
Dies gilt sowohl für Patienten mit chronischem als auch
mit paroxysmalem Vorhofflimmern. Die kardiologischen Fachgesellschaften
empfehlen bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern bei Vorliegen
mindestens eines Risikofaktors eine orale Antikoagulation mit einer
INR (international normalized ratio) von 2-3 [7]. Bei valvulärem Vorhofflimmern
bzw. nach Herzklappenersatz ist eine intensivere Antikoagulation
erforderlich (INR 2,5-3,5 oder höher). Die Entscheidung
zur oralen Antikoagulation muss individuell getroffen werden. Hierbei
gilt es, den Nutzen der oralen Antikoagulation gegen das individuelle
Blutungsrisiko abzuwägen. Das Blutungsrisiko hängt
von der Intensität der Antikoagulation und dem Alter der
Patienten ab. Bei einer INR von 2-3 beträgt die
jährliche Inzidenz an schweren Blutungskomplikationen etwa
1 %. Bei Patienten in höherem Lebensalter
(> 75 Jahre) sollte aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos
die Intensität der oralen Antikoagulation bei einer INR
von 2 gehalten werden.
Die Daten zur Gabe von ASS zur Prävention thromboembolischer
Ereignisse sind nicht überzeugend, so dass ASS lediglich bei
Patienten mit einem niedrigen Risiko für thromboembolische
Ereignisse [Tab. 1] oder bei Kontraindikationen für
eine orale Antikoagulation eingesetzt werden sollte. Nur bei Patienten
unter 60 Jahren ohne strukturelle Herzerkrankung und ohne Risikofaktoren
kann auf eine antithrombotische Therapie ganz verzichtet werden.
Daten zur Anwendung neuerer Thrombozytenaggregationshemmer wie beispielsweise
Ticlopidin oder Clopidogrel bei Vorhofflimmern liegen derzeit nicht
vor.
kurzgefasst: Die Indikation zur Antikoagulation
besteht bei rheumatischem Klappenvitium (Ziel-INR 2,5-3,5)
und bei Patienten mit nicht-valvulärem Vorhofflimmern mit
mindestens einem Risikofaktor (Ziel-INR 2-3). Die Gabe
von ASS kommt nur bei Niedrigrisikopatienten oder bei Kontraindikationen
für Vitamin-K- Antagonisten in Betracht.
Frequenzkontrolle
Frequenzkontrolle
Die Akutbehandlung von Vorhofflimmern beinhaltet neben der Einleitung
einer Antikoagulation die Frequenzlimitierung als erste symptomatische
Therapie. Die Normalisierung der Herzfrequenz basiert auf einer
Hemmung der AV-Überleitung. Dies kann durch die Gabe von β-Rezeptorenblockern, Calciumantagonisten
vom Verapamil- oder Diltiazem-Typ und durch Digitalisglykoside erreicht
werden. Digitalis greift indirekt über einen vagomimetischen
Effekt am AV-Knoten an, so dass eine ausreichende Frequenzlimitation
unter sympathikotonen Einflüssen wie z. B. bei
körperlicher Belastung oft nicht erzielt werden kann. Aus
diesem Grunde werden Digitalisglykoside häufig mit Betablockern
oder Calciumantagonisten kombiniert. Im klinischen Alltag wird zur
Frequenzlimitation eine mittlere Kammerfrequenz unter 90 Schläge
pro Minute angestrebt. Die Effektivität einer frequenzlimitierenden
Therapie kann mittels Belastungsuntersuchungen und im 24-Stunden-Langzeit-EKG überprüft
werden. Bei Patienten mit nicht mehr konvertierbarem, so genanntem
permanentem Vorhofflimmern, die trotz einer frequenzlimitierenden Therapie
weiterhin häufig tachyarrhythmische Episoden aufweisen
oder die Medikation aufgrund unerwünschter Wirkungen nicht
vertragen, bietet die Radiofrequenzstromablation des AV-Knotens
mit nachfolgender Implantation eines frequenzadaptiven Herzschrittmachers
eine etablierte therapeutische Option [13].
Die Antikoagulation muss auch nach einer AV-Knoten-Ablation weitergeführt
werden, da das Thromboembolierisiko bei permanentem Vorhofflimmern
unverändert weiterbesteht.
kurzgefasst: Zur
Frequenzkontrolle stehen Digitalisglykoside, β- Rezeptorenblocker
und Calciumantagonisten vom Verapamil- bzw. Diltiazemtyp zur Verfügung.
Die Katheterablation des AV- Knotens mit nachfolgender Schrittmacherversorgung
kommt bei Patienten mit permanentem Vorhofflimmern und ineffektiver
Frequenzlimitation zum Einsatz.
Kardioversion von neu aufgetretenem Vorhofflimmern
Kardioversion von neu aufgetretenem Vorhofflimmern
Bei neu aufgetretenem Vorhofflimmern mit einer Dauer von weniger
als 24-48 Stunden kommt es in bis zu zwei Dritteln der
Fälle zu einer Spontankonversion in Sinusrhythmus [3]. Auf die Rate dieser spontanen
Rhythmisierung hat die Art der eingesetzten frequenzlimitierenden
Medikation keinen Einfluss. Die Rate thromboembolischer Komplikationen
ist in den ersten 3-4 Wochen nach Wiederherstellung des
Sinusrhythmus besonders groß. Dies wird auf eine mechanische
Dysfunktion der Vorhöfe nach Kardioversion zurückgeführt
(»atrial stunning«), die bis zu einigen Wochen
persistieren kann. Dieses Phänomen tritt unabhängig
von der Art der Konversion (spontan, medikamentös oder
elektrisch) in einen Sinusrhythmus auf. Die Dauer der atrialen Dysfunktion
korreliert mit der Dauer der Vorhofflimmerepisode, d. h.
je länger der Zeitraum ist, über den das Vorhofflimmern
besteht, desto länger ist nach Kardioversion mit einer
atrialen Pumpfunktionsstörung zu rechnen.
In der Praxis wird unterschieden, ob die Arrhythmie länger als
48 Stunden besteht oder nicht. Bei einem erst seit weniger als 48
Stunden bestehenden Vorhofflimmern kann eine sofortige Kardioversion
ohne vorausgehende Antikoagulation durchgeführt werden.
Bei Vorhofflimmern unklarer Dauer bzw. einer Dauer von mehr als
2 Tagen wird eine effektive orale Antikoagulation über
mindestens 3 Wochen vor und 4 Wochen nach Kardioversion empfohlen.
Diese Empfehlungen gelten unabhängig von der Art der Kardioversion
(medikamentös oder elektrisch). Der Zeitraum bis zur Kardioversion kann
durch den Einsatz der transösophagealen Echokardiographie
(TEE) verkürzt werden, weil damit kardiale Thromben ausgeschlossen
werden können. Die Vorteile liegen hierbei in der rascheren
Wiederherstellung des Sinusrhythmus, was insbesondere bei Patienten
mit ausgeprägten Beschwerden von Bedeutung ist. Weiterhin
kann die Effektivität der Kardioversion und die Rezidivrate
von Vorhofflimmern nach Kardioversion durch eine möglichst
frühzeitige Wiederherstellung des Sinusrhythmus günstig
beeinflusst werden. Letztlich wird durch eine Verkürzung
des Zeitraumes der Antikoagulation das Risiko von Blutungskomplikationen
vermindert [12]. Zum Zeitpunkt der
TEE muss eine therapeutische Heparinisierung etabliert sein. Die
Antikoagulation muss bis zur Kardioversion und bei stabilem Sinusrhythmus über
4 Wochen hinaus beibehalten werden. [Abb. 1] zeigt die Vorgehensweise bei Kardioversion
von neu aufgetretenem Vorhofflimmern.
Abb. 1 Vorgehensweise
bei der Kardioversion von neu aufgetretenem Vorhofflimmern (TEE:
transösophageale Echokardiographie).
Vergleichende Untersuchungen zur Sicherheit und Effektivität
einer medikamentösen oder elektrischen Kardioversion liegen
nicht vor. Die medikamentöse Kardioversion hat ihren Stellenwert in
der Behandlung von Vorhofflimmern, das erst seit wenigen Tagen besteht,
da die Konversionsraten bei einer medikamentösen Kardioversion
ganz wesentlich durch die Dauer der aktuellen Arrhythmieepisode
bestimmt werden. Klasse-IC-Antiarrhythmika scheinen hierbei hinsichtlich der
Konversionsrate den Klasse-III-Antiarrhythmika überlegen
zu sein [15]. Durch die Gabe relativ
hoher oraler Dosen z. B. von 600 mg Propafenon
oder 200 mg Flecainid oder nach intravenöser Injektion
in einer Dosierung von 1-2 mg/kg Körpergewicht
können beide Substanzen Konversionsraten von 60-80 % erreichen [8]
. Das früher häufig
eingesetzte Chinidin wird heute aufgrund seiner hohen Inzidenz an
proarrhythmischen Effekten nicht mehr empfohlen [2]. Die Akutgabe von Sotalol führt
in etwa 25-35 % zur Konversion in einen
Sinusrhythmus. Amiodaron kommt insbesondere in der Intensivmedizin
bei rezidivierend auftretendem Vorhofflimmern zum Einsatz. Für
dieses Medikament werden Konversionsraten zwischen 37 und 73 % beschrieben.
Die Auswahl des Antiarrhythmikums zur medikamentösen Kardioversion
muss nach individuellen Gesichtspunkten unter Berücksichtigung
der kardialen Grunderkrankung oder eventuell vorhandener Begleiterkrankungen
getroffen werden. Als akuter proarrhythmischer Effekt bei der Gabe
von Klasse-IC-Antiarrhythmika ist in 3,5-5 % mit
einem Übergang von Vorhofflimmern in Vorhofflattern mit
rascher ventrikulärer Überleitung zu rechnen.
Bei der Akutgabe von Klasse-III-Antiarrhythmika stehen im Wesentlichen
Torsade-de- pointes-Tachykardien als Proarrhythmie im Vordergrund.
Ihre Inzidenz liegt bei Sotalol zwischen 1 und 2 %.
Die Anwendung dieses Verfahrens sollte daher durch einen in der
medikamentösen Kardioversion erfahrenen Arzt erfolgen.
Eine medikamentöse Rhythmisierung sollte unter stationären
Bedingungen mit Monitorüberwachung durchgeführt
werden, um neben etwaiger proarrhythmischer Effekte eine bei Konversion
in Sinusrhythmus auftretende pathologische präautomatische
Pause oder bradykarde Rhythmusstörungen erfassen und therapieren
zu können. Bei frustranem pharmakologischem Kardioversionsversuch
wird in aller Regel eine elektrische Kardioversion angeschlossen. Die
elektrische Kardioversion kann auch primär zur Rhythmisierung
von akut aufgetretenem Vorhofflimmern eingesetzt werden. Sie sollte
insbesondere bei Patienten mit ausgeprägter struktureller
Herzerkrankung aufgrund der höheren Proarrhythmierate der
medikamentösen Rhythmisierung vorgezogen werden.
kurzgefasst: Die Rhythmisierung eines
akut aufgetretenen Vorhofflimmerns kann mittels medikamentöser
oder elektrischer Kardioversion erfolgen. Klasse-IC-Antiarrhythmika
sind den Klasse-III-Antiarrhythmika hinsichtlich ihrer Konversionsrate überlegen.
Die Art der Kardioversion und die Auswahl des Antiarrhythmikums
muss nach individuellen Gesichtspunkten getroffen werden.
Vorgehen bei persistierendem Vorhofflimmern
Vorgehen bei persistierendem Vorhofflimmern
Ob die Wiederherstellung des Sinusrhythmus mit nachfolgender
Rezidivprophylaxe mit einer besseren Prognose einhergeht als eine
reine Frequenzkontrolle, ist derzeit nicht bekannt. Diesbezüglich
müssen laufende Studien abgewartet werden [22]. Hinsichtlich Lebensqualität
und Symptomfreiheit scheinen sich diese beiden Strategien nicht
zu unterscheiden [10]. Die Entscheidung
für eine Rhythmisierung muss daher individuell getroffen
werden. Insbesondere bei Patienten mit symptomatischem Vorhofflimmern
besteht die Indikation zur Rhythmisierung. In aller Regel kommt
hierbei die Gleichstromkardioversion zum Einsatz, da bei länger
anhaltender Dauer der aktuellen Arrhythmieepisode die Konversionsrate bei
pharmakologischer Kardioversion lediglich bei 10-30 % liegt.
Sinusrhythmus kann mittels elektrischer Kardioversion unter Verwendung
optimaler Techniken in etwa 95 % der Fälle wiederhergestellt
werden [5]. Zu den Einflussfaktoren,
die den Akuterfolg und die Rezidivrate im Langzeitverlauf negativ
beeinflussen, werden z. B. Arrhythmiedauer und Vorhofgröße gerechnet,
wobei die Wertigkeit dieser Parameter unterschiedlich beurteilt
wird. Bei entsprechender klinischer Symptomatik sollte daher auch
bei einer ungünstigen Konstellation nicht zwingend auf
einen Kardioversionsversuch verzichtet werden. Die Kontraindikationen
zur Kardioversion sind in [Tab. 2] zusammengefasst. Vor Durchführung
der Kardioversion muss entsprechend den oben aufgeführten
Empfehlungen eine ausreichende Antikoagulation etabliert sein.
Tab. 2 Kontraindikationen
zur Kardioversion.
-
Dauer
der aktuellen Arrhythmieepisode > 36 Monate
-
Kurzfristige Arrhythmierezidive von persistierendem
Vorhofflimmern trotz adäquater Rezidivprophylaxe
-
Persistierende Faktoren, die das Vorhofflimmern unterhalten
(z. B. Elektrolytentgleisungen, Hyperthyreose, dekompensierte
Herzinsuffizienz, akute Infektionen etc.)
|
kurzgefasst: Die Indikation zur Kardioversion
bei Patienten mit persistierendem Vorhofflimmern muss entsprechend
der Symptomatik und den individuellen Begleitumständen
gestellt werden.
Rezidivprophylaxe
Rezidivprophylaxe
Nach Kardioversion ist in den meisten Fällen zur Aufrechterhaltung
des Sinusrhythmus eine medikamentöse Rezidivprophylaxe
notwendig. Bei erstmalig aufgetretenem Vorhofflimmern kann zunächst
der Spontanverlauf abgewartet werden. Bei rezidivierenden Episoden
wird die Entscheidung zur rezidivprophylaktischen antiarrhythmischen
Therapie und die Auswahl des Medikamentes individuell getroffen.
Hierbei fließen neben klinischer Symptomatik und genauer
Arrhythmieanamnese, Art und Ausmaß der kardialen Grunderkrankung
und eventuell bestehender Begleiterkrankungen sowie das Vorhandensein
von Triggerfaktoren ein [Tab. 3]. Empfehlenswert ist häufig
zunächst ein Therapieversuch mit einem konventionellen
Betablocker, bevor ein spezifisches Antiarrhythmikum verabreicht
wird.
Tab. 3 Auswahl
des Antiarrhythmikums zur Rezidivprophylaxe.
Kardiale Grunderkrankung
|
Antiarrhythmikum
|
Keine oder minimale
|
Betablocker, Flecainid, Propafenon, So talol,
Amiodaron, Disopyramid, Chinidin
|
Vagal induziertes Vorhofflimmern
|
Flecainid, Disopyramid
|
Koronare Herzerkrankung
|
Betablocker, Sotalol, Amiodaron
|
Hypertensive Herzerkrankung (LVH <14 mm)
|
Betablocker, Flecainid, Propafenon, Amiodaron,
Sotalol, Disopyramid, Chinidin
|
Hypertensive Herzerkrankung (LVH 14 mm)
|
Betablocker, Amiodaron
|
Herzinsuffizienz
|
Betablocker, Amiodaron
|
LVH = Linksventrikuläre
Hypertrophie; modifiziert nach [7]
|
Die Effektivität einer rezidivprophylaktischen antiarrhythmischen
Therapie im Langzeitverlauf ist limitiert und bei den einzelnen
Substanzen kaum unterschiedlich. Amiodaron scheint Propafenon oder
Sotalol hinsichtlich dem Erhalt eines Sinusrhythmus überlegen
zu sein, wobei auch unter Amiodaron nach einem Jahr mit Rezidivraten
zwischen 31 und 44 % zu rechnen ist [10]
[16].
Aufgrund des Nebenwirkungsprofils von Amiodaron wird diese Substanz
in der Praxis meist nach Versagen einer rezidivprophylaktischen
Therapie mit anderen Substanzen eingesetzt. Aufgrund der hohen Rezidivrate
trotz medikamentöser Langzeittherapie werden bei einem
großen Teil der symptomatischen Patienten im Langzeitverlauf
serielle Kardioversionen einhergehend mit einer jeweiligen Modifikation
der rezidivprophylaktischen Therapie erforderlich. Man kann davon
ausgehen, dass nach seriellen Kardioversionen über einen
Zeitraum von 4 Jahren nur noch etwa ein Drittel der Patienten im
Sinusrhythmus bleibt [23]. Als Einflussfaktoren
auf die Effektivität der Rhythmuskontrolle im Langzeitverlauf
konnten die Dauer der Arrhythmie, das Patientenalter und eine fortgeschrittene
Herzinsuffizienz identifiziert werden [23].
Bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern kann, falls durch
eine rezidivprophylaktische antiarrhythmische Therapie keine effektive
Arrhythmiesuppression gelingt, zumindest die Häufigkeit
und Dauer der Arrhythmieepisoden und damit die Symptomatik des Patienten
günstig beeinflusst werden. Die Einleitung einer antiarrhythmischen
Therapie kann bei Patienten mit normaler linksventrikulärer
Funktion, fehlender Sinusknoten- oder AV-Knotenerkrankung und normaler QRS-Dauer
und QT-Zeit auch unter ambulanten Bedingungen durchgeführt
werden. Vor der Gabe von Klasse-IC-Antiarrhythmika sollte eine Therapie
mit einem β-Rezeptorenblocker oder einem Calciumantagonisten
vom Verapamiltyp etabliert sein, um einem Übergang von
Vorhofflimmern in Vorhofflattern mit 1 : 1 atrioventrikulärer Überleitung
vorzubeugen. Mit einem erhöhtem proarrhythmischen Risiko
von Sotalol muss bei Patienten mit linksventrikulärer Hypertrophie, einer
Nierenfunktionseinschränkung und bei Frauen gerechnet werden.
Generell sollte eine antiarrhythmische Therapie mit niedrigen Tagesdosen
begonnen werden und die Dosistitration langsam erfolgen. Unabdinglich
sind regelmäßige EKG-Kontrollen unter Berücksichtigung
von PQ-Zeit (Klasse-IC- und Klasse-III-Antiarrhythmika), QRS-Dauer
(Klasse-IC-Antiarrhythmika) und QT-Intervall (Klasse-III-Antiarrhythmika), die
insbesondere nach jeder Dosissteigerung wiederholt werden müssen.
Bei Patienten mit struktureller Herzerkankung und Herzinsuffizienz
sollte eine Einstellung auf Antiarrhythmika nur unter stationären
Bedingungen erfolgen. Hierbei ist vor allem bei Patienten mit hohem
Proarrhythmie-Risiko (z. B. fortgeschrittene Herzinsuffizienz
oder Überleitungsstörungen) eine Monitorüberwachung
erforderlich.
kurzgefasst: Die Indikation zur Rezidivprophylaxe
von Vorhofflimmern und die Auswahl des Antiarrhythmikums erfolgt
nach individuellen Gesichtspunkten.
Medikamentenrefraktäres Vorhofflimmern
Medikamentenrefraktäres Vorhofflimmern
Als etabliertes nicht-pharmakologisches Therapieverfahren bei
hochsymptomatischen Patienten mit medikamentenrefraktärem
Vorhofflimmern kommt die AV-Knoten-Ablation mit nachfolgender Schrittmacherversorgung
in Frage [13]. Bei Patienten mit paroxysmalem
Vorhofflimmern und einer Indikation zur Schrittmachertherapie führt
der Einsatz eines vorhofbeteiligten Schrittmachersystems im Vergleich
zu einer rein ventrikulären Stimulation zu einer Reduktion
von Episoden mit Vorhofflimmern. Der Stellenwert präventiver
Stimulationsalgorithmen insbesondere auch bei Patienten mit Vorhofflimmern
ohne klassische Indikation zur antibradykarden Stimulation wird
in derzeit laufenden Studien untersucht. Die Maze-Operation als
chirurgisches Therapieverfahren von Vorhofflimmern kommt insbesondere
bei Patienten mit Indikation zur Mitralklappenchirurgie zum Einsatz.
Durch die intraoperative Hochfrequenzstromablation im Rahmen einer
modifizierten Maze-Prozedur konnte das Verfahren wesentlich vereinfacht
werden [9]. Bei Patienten, die unter
einer rezidivprophylaktischen Therapie mit Klasse-IC-Antiarrhythmika bzw.
Amiodaron typisches Vorhofflattern entwikkeln, kann durch eine Katheterablation
im Sinne einer »Hybridtherapie« dauerhaft Sinusrhythmus
wiederhergestellt werden [17]. Die antiarrhythmische
Medikation muss dann jedoch im Anschluss an die Ablation weitergeführt
werden. Bei Patienten mit Vorhofflimmern, das sich aus einer regelmäßigen
Tachykardie (z. B. AV-Knoten-Reentrytachykardie oder atriale
Tachykardie) entwickelt, sollte eine Katheterablation durchgeführt
werden, da sie hiervon auch hinsichtlich ihres Vorhofflimmerns profitieren
können. Die Katheterablation als kurativer Ansatz bei Vorhofflimmern
ist derzeit noch eine experimentelle Therapie, die insbesondere
bei Patienten mit medikamentenrefraktärem, fokal getriggertem
Vorhofflimmern in Betracht kommt [1]
[18]. Unter Einbeziehung von Wiederholungseingriffen
wird über Erfolgsraten von bis zu 70 % berichtet.
Das Verfahren ist derzeit jedoch noch mit einer relativ hohen Rate
an z. T. schwerwiegenden Komplikationen (neurologische
Defizite in 1-2 %, Perikardtamponaden
in 1 %, Pulmonalvenenstenosen in 20-30 % z. T.
mit konsekutiven Verschlüssen) behaftet und sollte daher
nur im Rahmen klinischer Studien durchgeführt werden.