Interdisziplinäre Arbeitsgruppe
„Infektionsprävention in der gastrointestinalen
Endoskopie”
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe
„Infektionsprävention in der gastrointestinalen
Endoskopie”
L. Bader, München; U. Beilenhoff, Mainz; B. Birkner,
München; G. Blumenstock, Tübingen;
T. Brümmer, Hamburg; F.
Daschner, Freiburg; K. Euler, Erlangen;
M. Exner, Bonn; F.
Hagenmüller, Hamburg; J. Heesemann,
München; R. Hohner, Stuttgart;
O. Leiß, Wiesbaden; W.
Londong, Berlin; T. Pracht, Hamburg;
J.F. Riemann, Ludwigshafen; T. Rösch, München; H.
Rüden, Berlin; H.-K. Selbmann,
Tübingen; M. Strauch, München
Einleitung
Einleitung
Endoskopische Untersuchungen und Eingriffe sind heute für
Diagnostik und Therapie von Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
unverzichtbar. Angesichts der klinischen Bedeutung, der häufigen Anwendung
und der technisch-methodischen Weiterentwicklung insbesondere der
interventionellen endoskopischen Verfahren ist die Qualität der
Geräteaufbereitung von besonderer Relevanz, um Infektionen von Patienten
durch kontaminiertes endoskopisches Instrumentarium zu vermeiden
[1 5 ]. Die Übertragung von
Infektionserregern durch mangelhaft aufbereitete flexible Endoskope und
Zusatzinstrumente wurde in Kasuistiken und Übersichtsarbeiten beschrieben
[6 ]
[7 ]. Eine 1997 erschienene
Publikation über Hepatitis-C-Infektionen bei Koloskopie mit
molekularbiologischem Nachweis der Virusübertragung von Patient zu Patient
wies erneut auf Mängel bei der Aufbereitung hin [8 ].
Leit- bzw. Richtlinien zur Endoskopaufbereitung wurden von
nationalen und internationalen Fachgesellschaften und Institutionen vorgelegt
und werden laufend aktualisiert [9 15 ]. Zur
Umsetzung solcher Anweisungen in der arbeitstäglichen Routine in
Krankenhäusern und Praxen niedergelassener Ärzte wurden bisher nur
wenige Studien veröffentlicht [16 19 ]. Auch
zur mikrobiellen Belastung von Endoskopen, die zum Einsatz am Patienten
bereitgehalten werden, liegen nur wenige Untersuchungen vor
[20 22 ]. Dabei wurden jedoch unzulässige
bakterielle Kontaminationen an bis zu 60 % der geprüften
flexiblen Endoskope festgestellt.
Um die Qualität der Aufbereitung in Endoskopie-Einrichtungen
unter den Bedingungen des Arbeitsalltags im Rahmen einer Pilotstudie (HYGEA:
Hygiene in der Gastroenterologie - Endoskopaufbereitung) zu erheben und
auszuwerten, bildete sich eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe aus
Mitgliedern folgender Fachgesellschaften und Institutionen:
Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS)
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)
Deutsche Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie
(DGHM)
Deutsche Gesellschaft für Endoskopie-Assistenzpersonal
(DEGEA)
Berufsverband Deutscher Internisten - Sektion
Gastroenterologie (BDI)
Nationales Referenzzentrum für Krankenhaushygiene
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung der
Universität Tübingen
Max von Pettenkofer-Institut (Lehrstuhl Bakteriologie) der LMU
München (MvP)
Im Studienprotokoll der HYGEA-Studie wurden folgende Ziele
definiert:
Beschreibung der Ergebnisqualität der Endoskopaufbereitung
in Kliniken und Praxen durch mikrobiologische Prüfung (Phase 1)
einsatzbereiter Gastroskope, Koloskope und Duodenoskope. Befundbeurteilung
jeweils unter Einbeziehung von Angaben zu organisatorischen und apparativen
Voraussetzungen sowie zum Verfahren und zur Durchführung der Teilschritte
der Endoskopaufbereitung.
Intervention bei zu beanstandendem mikrobiologischen Ergebnis
durch Empfehlungen zur Mängelbeseitigung im Befundbericht unter Bewertung
des nachgewiesenen Keimspektrums nach diagnostischem Algorithmus. Information
aller Einrichtungen über die Gesamtergebnisse der ersten
Untersuchungsphase, Analyse und Mitteilung charakteristischer Schwachstellen
der Aufbereitung. Angebot von schriftlichen Verfahrensanweisungen und einer
Schulungsveranstaltung mit praktischen Demonstrationen zur Verbesserung der
Endoskop-Aufbereitung.
Nachweis von Qualitätsveränderungen durch Wiederholung
der mikrobiologischen Prüfung (Phase 2) von Endoskopen. Einbringung von
Resultaten der HYGEA-Studie bei Überarbeitung von nationalen Leitlinien
zur Endoskopaufbereitung.
Material und Methodik
Material und Methodik
Auswahl der teilnehmenden Endoskopieeinrichtungen
in Klinik und Praxis
Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte per geschichteter
Zufallsstichprobe entsprechend den Kriterien „Versorgungsstufe”
für Kliniken und „Endoskopiehäufigkeit” für
Praxen. Für den niedergelassenen Bereich war Grundlage der
Stichprobenziehung eine von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB)
erstellte pseudoanonymisierte Aufstellung aller Praxen im Bereich München
Stadt und Land mit Angaben zur Häufigkeit gastrointestinaler Endoskopien
in 1999. Die ausgewählten Praxiskodes wurden der KVB-Bezirksstelle
München mitgeteilt, die die ärztlichen Praxisleiter/innen daraufhin
mit Bitte um kostenfreie Teilnahme an der HYGEA-Studie anschrieb. Im Falle der
erklärten Nichtteilnahme erfolgte - wie auch im Klinikbereich
- eine entsprechende Nachziehung. Auf Basis einer von der Bayerischen
Krankenhausgesellschaft überlassenen Klinikadressliste wurden von der
Studienleitung alle Krankenhäuser im Stadt- und Landkreis München um
Nennung ihrer Endoskopieeinheiten mit unabhängiger Endoskopaufbereitung
(Nennung mehrerer Einheiten pro Krankenhaus war möglich) gebeten, aus
denen die Stichprobe gezogen wurde.
Entsprechend der lokalen Versorgungssituation wurden im
Klinikbereich 25 und im Praxisbereich 30 Endoskopieeinrichtungen für die
Studie rekrutiert. Von den anfänglich 55 Teilnehmern stellte eine Praxis
(vollautomatische Aufbereitung, Phase 1: ohne Beanstandung) die
Endoskopietätigkeit nach Phase 1 ein und wurde in Phase 2 nicht mehr
untersucht.
Aufbau und Ablauf der Studie
Die HYGEA-Studie wurde als Interventionsstudie mit zweimaliger
Prävalenzuntersuchung der Keimbelastung von einsatzbereiten Endoskopen
durchgeführt. Zwischen Phase 1 und 2 der mikrobiologischen Prüfungen
wurden den teilnehmenden Einrichtungen Maßnahmen zur Individual- und
Gruppenintervention empfohlen bzw. angeboten.
Jeder Teilnehmer erhielt über die bakterielle Belastung von
in seiner Einrichtung untersuchten Endoskopen schriftliche Befundberichte.
Darin wurden die quantitativen und qualitativen Keimnachweise vom gleichen
Befundersteller nach einheitlichen Kriterien beschrieben und bewertet. Bei zu
beanstandenden mikrobiologischen Ergebnissen wurden Empfehlungen zur
Beseitigung von Mängeln in Teilschritten der jeweils praktizierten
Endoskopaufbereitung gegeben. Zusätzlich erhielt jeder Teilnehmer die
zusammengefassten Resultate der Gesamtgruppe als Profil mit Kennzeichnung der
eigenen Position. Zur Gruppen- Intervention wurden für die
unterschiedlichen Prinzipien
(„manuell”/„teilautomatisch”/„vollautomatisch”)
der Endoskopaufbereitung Verfahrensanweisungen („Leitfäden”)
und eine Beschreibung der Ursachen häufiger Mängel mit
Verbesserungsvorschlägen („Schwachstellenanalyse”) erstellt
und allen Teilnehmern zugeschickt. Die genannten Leitfäden wurden in
Orientierung am „Erlanger Hygieneplan für die gastroenterologische
Endoskopie” [23 ] erarbeitet und bei einer
Schulungsveranstaltung erläutert, bei der die korrekte
Endoskopaufbereitung von Fachkräften auch praktisch demonstriert wurde
(„Workshop”). Dabei wurden die Ergebnisse der Untersuchungsphase
1 nochmals zusammenfassend vorgestellt und diskutiert.
Vor Untersuchungsphase 1 wurden mittels Fragebogen Angaben der
Teilnehmer zu räumlich-funktionellen Bedingungen (z. B. Inventar,
Gerätebestand) und betrieblich-organisatorischen Gegebenheiten
(z. B. Aufbereitungsprinzip, Prozesseinzelheiten wie verwendete
Reinigungs- und Desinfektionsmittel, früher durchgeführte
mikrobiologische Endoskopkontrollen) in der eigenen Einrichtung eingeholt. Vor
Untersuchungsphase 2 erfolgte zu Änderungen der Aufbereitung und zur
Beurteilung des bisherigen Studienverlaufs eine weitere Fragebogenerhebung.
Nicht eindeutige Angaben der Teilnehmer in den Fragebogen wurden bei den
Probenahmen in den Einrichtungen vor Ort abgeklärt und auf Richtigkeit
geprüft.
Der zeitliche Ablauf der Studie stellte sich wie folgt dar:
5-12/1999: Teilnehmerauswahl, Fragebogenerhebung 1,
Untersuchungsphase 1
1-4/2000: Individual- und Gruppenintervention,
Schulungsveranstaltung 10.4.00
5-12/2000: Fragebogenerhebung 2, Untersuchungsphase 2,
Abschlussauswertung.
Durchführung der Probenahme und mikrobiologische
Labormethodik
Die Probenahmen erfolgten durch eingewiesene und geübte
Mitarbeiter des MvP-Instituts. Der Termin zur Probenahme wurde nicht
längerfristig angekündigt; lediglich kurz vor Besuch eines
Studienteilnehmers wurde telefonisch nach der Verfügbarkeit des
Endoskops/der Endoskope am Untersuchungstag gefragt. In den
Endoskopieeinrichtungen wurden in Untersuchungsphase 1 und 2 zum Einsatz am
Patienten bereitgehaltene Endoskope des Gerätebestandes geprüft. Die
Auswahl der Endoskope zur Probenahme erfolgte dabei zufällig. Von jeder
verwendeten Art (Gastroskop, Koloskop, Duodenoskop) wurde mindestens 1 Endoskop
untersucht. Waren mehrere Endoskope vorhanden, wurden mindestens 2 mit gleichem
Verfahren aufbereitete Endoskope beprobt, wenn möglich dabei 2 Koloskope
und insgesamt bis zu 4 Endoskope.
An jedem zu prüfenden Endoskop wurden getrennt
Instrumentier-, Luft/Wasser- und Absaugkanal unter Vermeidung von Kontamination
und Probenvermengung mit je 20 ml Flüssigkeit durchspült.
Instrumentier- und Absaugkanal wurden mit steriler NaCl-Lösung
0,9 %, der Luft/Wasser-Kanal aus dem angeschlossenen und frisch
- wie zur Endoskopie in der Einrichtung üblich mit Aqua dest.,
Leitungs- oder Sterilwasser - befüllten Optik-Spülsystem
gespült. Die Durchspülflüssigkeiten wurden in sterilen
Gefäßen aufgefangen, für den Absaugkanal wurde ein am
Versorgungsstecker zwischengeschaltetes Tracheal-Absaugset (Fa. Maersk Medical
A/S) verwendet.
In Untersuchungsphase 2 wurde aus dem bei der Probenahme
verwendeten Optik-Spülsystem vor dem Anschluss an das/die zu
untersuchende/n Endoskop/e ebenfalls eine Probe von 20 ml des
eingefüllten Wassers aus der Flasche durch den Anschlussschlauch
entnommen. Bei Prüfung von Duodenoskopen wurde zusätzlich zu den
Kanaldurchspülungen ein steril angefeuchteter Tupferabstrich von beiden
Seiten der Albaranhebel-Nische durchgeführt. Zur Inaktivierung von
Reinigungs- und Desinfektionsmittelrückständen wurden für
Flüssigkeitsproben und Abstriche die Standardenthemmer Tween 80
3 %, Saponin 3 %, Histidin 0,1 %,
Cystein 0,1 % [24 ] in
Trypton-Soja-Bouillon (Fa. Oxoid) verwendet.
Die Proben wurden gekühlt transportiert und innerhalb von 4
Stunden im Labor verarbeitet.
Aus den Flüssigkeitsproben erfolgten jeweils
Gesamtkeimzahl-Bestimmung, Agarkultur nach Membranfiltrationsmethode und
Anreicherungskultur in Bouillon. Die Gesamtkeimzahlen wurden aus jeweils
1 ml Probe im Plattengussverfahren mit Plate-Count-Agar (Fa. Becton
Dickinson) und Bebrütung bei 20 und 37 °C/48 Stunden bestimmt.
Ablesung der koloniebildenden Einheiten (KBE) erfolgte unter
Lupenvergrößerung mit Bactronic Colony Counter C100 (Fa. New
Brunswick Scientific). 10 ml Probe wurde auf
Zellulose-Mischester-Membran/Porendurchmesser 0,45 µm (Fa.
Millipore) filtriert mit anschließender aerober Kultur auf
Brain-Heart-Infusion-Agar (Fa. Becton Dickinson) bei 37 °C/48
Stunden. Keimwachstum wurde qualitativ und semiquantitativ („sehr
wenig” bis „massenhaft”) ausgewertet. Die
Anreicherungskultur erfolgte aus 1 ml Probe in Trypton-Soja-Bouillon mit
oben genannten Enthemmern, Bebrütung 37 °C / bis 7
Tage.
Abstriche wurden auf 5-%-Blut-Columbia- und MacConkey-Agar
(Fa. Becton Dickinson) bei 37 °C/48 Stunden bebrütet und
kulturell angereichert wie Flüssigkeitsproben.
Keimdifferenzierungen erfolgten mit üblicher Labormethodik.
Gramnegative Bakterien wurden mit API 20 E bzw. 20 NE (Fa. bioMÅrieux)
bis zur Speziesebene identifiziert.
Mikrobiologische Anforderungen und Befundbewertung
(„diagnostischer Algorithmus”)
Mikrobiologische Anforderungen und Befundbewertung
(„diagnostischer Algorithmus”)
Für Durchspülflüssigkeiten aus Endoskop-Kanälen,
für Abstriche von Albaranhebel-Nischen und Wasserproben aus
Optik-Spülsystemen wurden folgende Anforderungen definiert:
Qualitative Keimbelastung: Escherichia
coli , coliforme Enterobakteriazeen und Enterokokken als Bakterien
potenziell fäkalen Ursprungs nicht nachweisbar; Keime der
„Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe” als Bildner bakterieller
Biofilme in Nass- oder Feuchtbereichen nicht nachweisbar; „klassische
Entzündungserreger” wie Staphylococcus
aureus nicht nachweisbar.
Quantitative Keimbelastung: Gesamtkeimzahl maximal 10
KBE/1 ml (20 und 37 °C Bebrütung).
Der Nachweis „ubiquitärer Umgebungskeime” ohne
besondere hygienische Bedeutung wie Koagulase-negative Staphylokokken,
Mikrokokken, saprophytäre Corynebakterien und aerobe Sporenbildner wurde
bei Erfüllung der quantitativen Anforderungen nicht beanstandet.
Bei mikrobiologischer Beanstandung wurden die Befunde entsprechend
dem nachgewiesenen Keimspektrum bewertet und unter Berücksichtigung von
Teilnehmerangaben zum Verfahren der Endoskopaufbereitung
Verbesserungsvorschläge gemacht wie folgt:
Mono/Mischkultur von E.
coli /Coliformen/Enterokokken aus Instrumentier- und/oder Absaugkanal:
mangelhafte Endoskop-Reinigung und/oder Desinfektion. Optimierung durch
Vorreinigung des Endoskops unmittelbar nach Einsatz, Verwendung geeigneter und
kompatibler Reinigungs- und Desinfektionsmittellösungen, sorgfältige
manuelle Bürsten-reinigung der zugänglichen Kanäle auch bei
nachfolgender maschineller, so genannter „vollautomatischer”
Aufbereitung.
Mono/Mischkultur von Pseudomonaden/Nonfermenter-Keimen mit
einheitlichem Spektrum aus allen/mehreren Kanälen bei allen/mehreren
untersuchten Endoskopen: mangelhafte Schlussspülung nach Desinfektion und
unzureichende Trocknung vor Lagerung. Optimierung durch Verwendung von
mikrobiologisch einwandfreiem Wasser/Aqua dest. zur Schlussspülung,
vollständige Trocknung der Endoskopkanäle mit Druckluft vor
Lagerung.
Mono/Mischkultur von Pseudomonaden/Nonfermenter-Keimen mit
einheitlichem Spektrum nur aus dem Luft/Wasser-Kanal bei allen an der gleichen
Geräteeinheit untersuchten Endoskopen und dem dazu verwendeten
Optikspülsystem: mangelhafte Spülsystemaufbereitung und/oder
Befüllung mit verkeimtem Wasser. Optimierung durch korrekte Aufbereitung
von Flasche und Anschlussschlauch des Optikspülsystems, Verwendung von
mikrobiologisch einwandfreiem Wasser/Aqua dest. zur Befüllung, nur kurze
Standzeit des befüllten Spülsystems.
Datenerfassung und -auswertung, statistische Methodik
Die überprüften Selbstangaben aus den schriftlichen
Teilnehmerbefragungen (Fragebogen 1 und 2) wurden in MS Access mittels
Doppeleingabe erfasst und mit den mikrobiologischen Ergebnissen, die bereits in
den Befundberichten strukturiert elektronisch abgelegt waren, in anonymisierter
Form zusammengeführt. Die Auswertung und die Erstellung der statistischen
Vergleichsprofile erfolgten unter Verwendung der Software SAS für
Windows.
Entsprechend dem Studienprotokoll wurden die Auswertungen im
Wesentlichen auf Endoskopieeinrichtungen bezogen vorgenommen, um eine
Mehrfachrepräsentierung der Befunde von Teilnehmern mit mehreren
untersuchten Endoskopen, aber einheitlichem Aufbereitungsverfahren zu
vermeiden. Nur zur Darstellung der Beanstandungsquoten unterschiedlicher
Endoskoparten (Abb. [2 ]) wurde von diesem
Prinzip abgewichen. Angesichts der zum Teil kleinen Fallzahlen haben die
Auswertungen insgesamt primär beschreibenden Charakter.
Abb. 1 Eingesetzte Verfahren
zur Endoskopaufbereitung bei den Studienteilnehmern in Untersuchungsphase 1
(ein Teilnehmer bereitete Gastroskope teil-, Koloskope vollautomatisch
auf).
Bei Auswertung der Beanstandungen einzelner Parameter der
Endoskopaufbereitung mit Fallzahlen überwiegend unter 30 wird auf
Prozentangaben bewusst verzichtet. Für Grafiken mit prozentualer Angabe
von Beanstandungsquoten (Abb. [2 ] und [3 ]) sind zur Abschätzung der Genauigkeit auch die
95 %-Konfidenzintervalle dargestellt.
Abb. 2 Beanstandungsquote der
mikrobiologisch geprüften Endoskope in Untersuchungsphase 1 (P1) und 2
(P2) mit 95 %-Konfidenzintervall.
Ergebnisse
Ergebnisse
Schichtkriterium bei der Aufnahme von Endoskopieeinrichtungen in die
Studie war für Kliniken die Versorgungsstufe, für Praxen die Zahl der
Endoskopien pro Quartal. Tab. [1 ] zeigt die
Gruppierung und Bereitschaft zur Teilnahme an der Studie auf Anschreiben der
Projektleitung. Die Teilnahmebereitschaft war in den beiden Praxisgruppen mit
niedrigerer Endoskopie-Häufigkeit deutlich geringer als in den drei
anderen Teilnehmergruppen.
Tab. 1 Auswahl und
Bereitschaft zur Studienteilnahme der Endoskopie-Einrichtungen in Klinik und
Praxis im Jahr
1999
Kliniken (n = 25) Praxen
(n = 30)
Schichtkriterium Versorgungsstufe Zahl der Endoskopien/Quartal
Schicht maximal andere > 500 500-100 < 100
Endoskopie-Einrichtungen zu
rekrutieren 10 15 5 5 20
Kontakte mit Endoskopie-Einrichtungen notwendig 10 18 5 9 43
Kontakte zur Rekrutierung einer Endoskopie-
Einrichtung
1,0
1,2
1,0
1,8
2,2
Teilnahmebereitschaft der
Endoskopie-Einrichtungen 100 % 83 % 100 % 56 % 47 %
Von den Teilnehmern wurden Endoskope manuell oder voll- bzw.
teilautomatisch maschinell aufbereitet. Als „vollautomatisch”
wurde eine Aufbereitung im geschlossenen System eines „Reinigungs- und
Desinfektionsgerätes für Endoskope” (RDG-E) mit
Reinigungsspülung, chemo-thermischer Desinfektion, Schlussspülung mit
desinfiziertem Leitungswasser bzw. Aqua dest. und Option zur Trocknung mit
Druckluft gewertet [25 ]
[26 ].
„Teilautomatisch” bedeutete die Durchführung eines oder
mehrerer Aufbereitungsschritte bei Raumtemperatur in einem Gerät mit
Endoskopeinlegewanne und Pumpsystem ohne Desinfektionsmaßnahme für
das Schlussspülwasser. Abb. [1 ] stellt die
Verteilung der von den Studienteilnehmern in Untersuchungsphase 1 eingesetzten
Aufbereitungsverfahren dar. In 92 % (23 von 25) der
Klinikeinrichtungen wurden Endoskope maschinell mit RDG-E aufbereitet, dagegen
nur in 20 % (6 von 30) der Praxen. Eine rein manuelle
Aufbereitung fand nur in Praxen Anwendung.
In 3 Praxen mit weniger als 100 Endoskopien/Quartal wurden nicht
vollständig in Lösungen einlegbare Endoskope eingesetzt. Weitere
Strukturgegebenheiten bei den Studienteilnehmern und Einzelheiten der jeweils
praktizierten Endoskopaufbereitung (verwendete Reinigungs- und
Desinfektionsmittel u. a.), die in den beiden Befragungen erhoben
wurden, werden in einer separaten Veröffentlichung ausführlich
dargestellt und sind hier nicht näher beschrieben.
Insgesamt wurden in Untersuchungsphase 1 152, in Phase 2 154
Endoskope mikrobiologisch geprüft. Abb. [2 ]
zeigt die Beanstandungsquote nach Endoskoparten. In Phase 1 war die
Keimbelastung an jeweils über 50 % der Gastroskope und
Koloskope zu beanstanden, bei den Duodenoskopen an über
25 %. In Phase 2 war die Beanstandungsquote zwar bei allen
Endoskoparten geringer, nahm aber von gesamt 49 % nur auf
39 % ab.
Nachgewiesene Keimbelastung wurde nach dem beschriebenen
diagnostischen Algorithmus Mängeln bei der Aufbereitung von Endoskop und
Optikspülsystem zugeordnet. In Abb. [3 ] ist
die Beanstandungsquote von Teilschritten der Endoskopaufbereitung und des
Optikspülsystems dargestellt. Mindestens eine Beanstandung
(Gesamtbeurteilung) fand sich in beiden Untersuchungsphasen bei mehr als
50 % der Studienteilnehmer. Mängel bei der
Reinigung/Desinfektion mit Nachweis bakterieller Darmflora als Zeichen einer
vom Patienten stammenden mikrobiellen Belastung wurden ebenso nachgewiesen wie
Mängel bei der Schlussspülung/Trocknung mit Nachweis von
Pseudomonaden/Nonfermenter-Keimen, die auf Endoskopkontamination während
der Aufbereitung hinweisen. Insgesamt lagen Mängel der
Endoskopaufbereitung in Phase 1 bei 29 %
(n = 16) bzw. in Phase 2 bei 36 %
(n = 20) der teilnehmenden Einrichtungen vor (teilweise
war die Aufbereitung in mehreren Teilschritten mangelhaft). Das
Optikspülsystem als Quelle für Endoskopkontamination nach der
Aufbereitung trug zur hohen Gesamtbeanstandungsquote erheblich bei. In beiden
Untersuchungsphasen war bei etwa 40 % der Endoskopieeinrichtungen
das Optikspülsystem zu bemängeln und dies stellte häufig auch
die alleinige Ursache für die Beanstandung dar.
Abb. 3 Beanstandungsquote der
Endoskopieeinrichtungen in Untersuchungsphase 1 (P1:
n = 55 Teilnehmer) und 2 (P2: n = 54
Teilnehmer) mit 95 %-Konfidenzintervall: Gesamtbeurteilung und
Bewertung von Teilschritten.
Die Beanstandungsquoten unterschieden sich erheblich zwischen
Klinik- und Praxisbereich. Von den 25 Klinikeinrichtungen wiesen 7 in Phase 1
und 5 in Phase 2 Mängel auf. Dagegen wurde die Endoskopaufbereitung
und/oder das Optikspülsystem in 25 von 30 (Phase 1) bzw. 25 von 29 Praxen
(Phase 2) beanstandet.
In den Abb. [2 ] und [3 ] sind die aufgrund der kleinen Fallzahlen zum Teil
weiten Konfidenzintervalle für beide Phasen zu beachten. Die
Veränderung der Beanstandungsquoten zwischen Phase 1 und 2 ist -
belegt durch die 95 %-Konfidenzintervalle - jeweils
statistisch nicht signifikant und zeigt somit lediglich einen bestimmten Trend
an.
Abb. [4 ] zeigt die Beanstandungen
nach den zur Endoskopaufbereitung eingesetzten Verfahren. Ein Teilnehmer
verwendete voneinander unabhängig zwei Methoden und wurde deshalb doppelt
berücksichtigt. Grundsätzlich konnte mit allen Verfahren (manuell,
teil- und vollautomatisch) eine mikrobiologisch einwandfreie
Endoskopaufbereitung erzielt werden, allerdings mit unterschiedlicher
Häufigkeit. Die manuelle Aufbereitung wies die jeweils höchste
Beanstandungsquote in beiden Untersuchungsphasen auf. Sowohl die manuelle als
auch die teilautomatische Aufbereitung schnitt deutlich schlechter ab als die
vollautomatische Aufbereitung im RDG-E. Die in Phase 2 festgestellte Zunahme
der Beanstandungsquote bei manuellem und teilautomatischem Verfahren liegt im
Bereich zufälliger Variation und ist nur bedingt durch Verfahrenswechsler
erklärbar: 2 Teilnehmer wechselten von manueller zu teilautomatischer
Methode, mussten jedoch auch mit diesem Verfahren in Phase 2 wegen mangelhafter
Aufbereitung beanstandet werden. Aber auch bei Vollautomatenaufbereitung wurden
Mängel festgestellt, und zwar insgesamt in 7 Einrichtungen 8
Teilmängel (addiert aus beiden Phasen). Dies bezog sich dreimal auf den
Nachweis von Fäkalkeimen an Endoskopen, davon zweimal bei Anwendern, die
Endoskopkanäle vor weiterer Aufbereitung im RDG-E nicht manuell mit
flexibler Bürste reinigten. In Phase 1 führten 10 von 29 Betreibern
von RDG-E und insgesamt 14 von allen Studienteilnehmern keine generelle
manuelle Bürstung der Endoskopkanäle durch. Als Zeichen für
verkeimtes Schlussspülwasser und unvollständige Trocknung der
Endoskope im RDG-E war der Nachweis von Nasskeimen
(Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe) fünfmal zu beanstanden.
Abb. 4 Beanstandung der
Endoskopieeinrichtungen nach den eingesetzten Verfahren zur
Endoskopaufbereitung in Untersuchungsphase 1 (P1: n = 56)
und 2 (P2: n = 55) (ein Teilnehmer bereitete Gastroskope
teil-, Koloskope vollautomatisch auf).
In Abb. [5 ] ist die in den
Endoskopkanälen nachgewiesene quantitative Keimbelastung nach
Einrichtungen dargestellt. Gesamtkeimzahlen bis über 100000 KBE aus
1 ml Kanal-Durchspülung (Spülvolumen/Kanal: 20 ml) wurden
gemessen. Der für die Studie festgelegte Grenzwert von 10 KBE/1 ml
Probe wurde in Phase 1 bei 56 % (31 von 55), in Phase 2 bei
50 % (27 von 54) der Endoskopieeinrichtungen nicht eingehalten
und sehr häufig deutlich überschritten. Bei niedrigen
Gesamtkeimzahlen aus Endoskopkanälen wurden vor allem ubiquitäre
Umgebungskeime ohne für die Endoskopie besondere infektiologische
Bedeutung wie Koagulase-negative Staphylokokken, saprophytäre
Corynebakterien, Mikrokokken und aerobe Sporenbildner isoliert.
Ausschließlich wegen des Nachweises solcher Keime wurde die
Endoskop-Aufbereitung insgesamt siebenmal bei Überschreitung des
quantitativen Grenzwertes beanstandet. Sehr hohe Gesamtkeimzahlen waren dagegen
in der Regel durch für die Endoskopie speziell relevante Bakterien
bedingt.
Abb. 5 Gesamtkeimzahl der
Durchspülungen von Endoskopkanälen: Endoskopie-Einrichtungen in
Untersuchungsphase 1 und 2 (Plattengussverfahren: 1 ml Probe,
Bebrütung bei 20 °C und 37 °C, höherer Wert); studieninterner
Grenzwert: maximal 10 koloniebildende Einheiten (KBE)/1 ml.
Die Belastungen von Endoskop und Optikspülsystem mit
Fäkalkeimen bzw. typischen Nass- oder Feuchtkeimen, die zu einer
qualitativen Beanstandung von Einrichtungen führten, sind in
Tab. [2 ] bzw. Abb. [6 ] dargestellt. Addiert aus beiden Untersuchungsphasen
wurden Fäkalkeime insgesamt von 13 Koloskopen und von 3 Gastroskopen
isoliert, bei 7 dieser Endoskope aus dem Instrumentierkanal. Das Spektrum der
isolierten Enterobakteriazeen als typische Indikatoren für mikrobielle
Flora des Gastrointestinaltrakts beinhaltete den Leitkeim Escherichia coli sowie Enterobacter
spp. , Proteus spp. , Klebsiella spp. und Citrobacter
spp. , dabei waren Mischkulturen häufig. Der Nachweis von Nasskeimen
führte in zahlreichen Einrichtungen zur Beanstandung von
Schlussspülung/Trocknung der Endoskope (mit systematischer Kontamination
aller Kanäle während der Aufbereitung) oder des Optikspülsystems
(mit nur den Luft/Wasser-Kanal betreffender Endoskopkontamination). Dabei stand
Pseudomonas aeruginosa im Vordergrund.
Zweithäufigster nachweisbarer Nasskeim war Stenotrophomonas maltophilia , gefolgt von einigen anderen
nicht fermentierenden gramnegativen Bakterien (z. B. diverse
Pseudomonas spp. , Acinetobacter
spp. ). Auch bei den Nasskeimen waren Mischkulturen häufig. Zu
erwähnen ist auch der Nachweis von Sprosspilzen (Candida spp. ) und Schimmelpilzen (z. B.
Cladosporium sp. ) aus Optikspülsystemen bei zwei
Teilnehmern. Staphylococcus aureus wurde zweimal aus
Endoskopen isoliert. Von den Albaranhebel-Abstrichen wurde als relevanter Keim
Acinetobacter sp. einmal kultiviert.
Abb. 6 Häufigkeit von
Keimen der Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe an Endoskop und
Optik-Spülsystem als Ursache für Beanstandungen in Untersuchungsphase
1 und 2 (NFGNS = nicht fermentierende gramnegative
Stäbchen).
Tab. 2 Häufigkeit von
Fäkalkeimen an Endoskopen als Ursache für Beanstandungen in
Untersuchungsphase 1 und
2
Phase
1 Phase
2
Endoskopie-Einrichtungen mit
Fäkalkeim-Nachweis 8 7
...
davon mit Nachweis von:
Escherichia coli 6 4
coliformen Enterobakteriazeen 5 5
Enterokokken 1 2
Nasskeime der Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe mit gleichem
Keimspektrum in allen Kanälen von allen oder mehreren in einer Einrichtung
untersuchten Endoskopen weisen auf Mängel bei der Schlussspülung nach
Desinfektion und bei der Trocknung vor Lagerung hin. Diese Befundsituation
bestand bei 14 Teilnehmern in Phase 1 und 18 in Phase 2. Abb. [7 ] zeigt die Beanstandung dieser Aufbereitungsteilschritte
in Abhängigkeit von der zur Spülung benutzten Wasserart. Bei
Verwendung von Leitungswasser und Aqua dest. (ohne Angabe einer Aufbereitung
wie z. B. thermische bzw. UV-Desinfektion, endständige
Sterilfiltration oder Sterilisation) kam es häufig zur
Endoskopkontamination bei der Schlussspülung und zu trotz
durchgeführter Trocknungsmaßnahme nachweisbarer, oft sehr hoher
Belastung mit Nasskeimen. Wurde das Schlussspülwasser einem der genannten
Verfahren zur Entkeimung unterzogen (überwiegend durch
Endoskopaufbereitung im RDG-E), waren Beanstandungen deutlich seltener.
Allerdings wurde auch in diesem Fall in beiden Phasen bei 3 untersuchten
Einrichtungen eine Nasskeimbelastung der Endoskope nachgewiesen.
Abb. 7 Beanstandung der
Schlussspülung/Trocknung wegen Nachweises von Keimen der
Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe in den Endoskop-Kanälen in
Abhängigkeit von der zur Spülung verwendeten Wasserart (ein
Teilnehmer bereitete Gastroskope teil-, Koloskope vollautomatisch auf; zur
Spülung wurde für Gastroskope Leitungswasser, für Koloskope
desinfiziertes Wasser verwendet).
Um Mängel von Schlussspülung/Trocknung v. a. bei
nicht vollautomatischer Aufbereitung zu reduzieren, wurden alle
Endoskopieeinrichtungen in der Interventionsphase der Studie auf die
Möglichkeit einer zusätzlichen Spülung der Endoskopkanäle
mit Isopropanol 70 % [21 ]
[27 ] zur Optimierung der Trocknung hingewiesen
(primäre Empfehlungen: Verwendung von mikrobiologisch einwandfreiem,
aufbereiteten Wasser zur Spülung und vollständige Kanaltrocknung mit
Druckluft). Von den 27 Studienteilnehmern mit manueller oder teilautomatischer
Aufbereitung wendeten 7 in Phase 2 die Isopropanol-Spülung an. 5 davon
waren in Phase 1 bei der Schlussspülung/Trocknung beanstandet worden. 2
dieser Teilnehmer wiesen trotz der Isopropanol-Spülung weiterhin
systemische Endoskopkontaminationen mit Nasskeimen auf (Keimzahlen v. a.
von P. aeruginosa : > 100000 KBE/1 ml
in Phase 1 und 2).
Die zur Trocknung in Phase 2 eingesetzten Verfahren waren wegen
Nasskeimnachweises in Endoskopkanälen wie folgt zu beanstanden: manuelles
Durchblasen von Luft aus Spritze bei 8 von 10, manuelles Durchblasen von
Druckluft aus „Pistole” bei 8 von 17, maschinelle Trocknung im
RDG-E bei 2 von 28 Teilnehmern (davon führten 16 zusätzlich manuelle
„Nachtrocknung” mit Druckluft durch). Auch bei diesen Ergebnissen
ist erneut auf die zum Teil kleinen Fallzahlen hinzuweisen.
In Abb. [8 ] sind die Beanstandungen
bezüglich des Optikspülsystems (Ursache für Nasskeimnachweis nur
aus Luft/Wasser-Kanälen von Endoskopen) in Abhängigkeit von der
Wasserart zur Befüllung der Spülflasche dargestellt. Wurde
Leitungswasser oder Aqua dest. ohne Nennung einer durchgeführten
Entkeimung benutzt, war die Beanstandungsquote jeweils erheblich höher als
bei Verwendung von Sterilwasser. Als Ursache für Keimbelastungen des
Optikspülsystems bei Benutzung von Sterilwasser (aber auch anderer
Wasserarten) kommt mangelhafte Aufbereitung von Spülflasche und
Anschlussschlauch infrage.
Abb. 8 Beanstandung des
Optik-Spülsystems wegen Nachweises von Keimen der
Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe in Abhängigkeit von der zur
Befüllung der Spülflasche verwendeten Wasserart.
In der Interventionsphase wurden die Teilnehmer mittels Fragebogen
um Angaben u. a. zum bisherigen Studienverlauf und zum zukünftig
beabsichtigten eigenen Verhalten im Hinblick auf die Durchführung von
hygienischen Kontrollen gebeten. Für je 96 % (53 von 55)
waren der eigene Befundbericht mit mikrobiologischer Beurteilung und Empfehlung
zur Beseitigung festgestellter Mängel nachvollziehbar sowie die
„Leitfäden” und „Schwachstellenanalyse” zur
Aufbereitung verständlich. 53 %
(n = 29) hatten am „Workshop”
teilgenommen.
Angaben aus den beiden Befragungen zur bisher durchgeführten
bzw. zukünftig geplanten Prüfung aufbereiteter Endoskope stellt
Abb. [9 ] dar. Vor Beginn der Untersuchung hatten
40 % (22 von 55) der Teilnehmer keine
hygienisch-mikrobiologischen Endoskop-Prüfungen mit einer Methodik analog
der vorliegenden Studie durchgeführt. Regelmäßig mindestens
halbjährlich mit einer der HYGEA-Studie vergleichbaren Methodik hatten
insgesamt 44 % (24 von 55) der Endoskopieeinrichtungen getestet,
darunter 22 in Kliniken, aber nur 2 in Praxen. Nach Untersuchungsphase 1 gaben
78 % (42 von 54) der Teilnehmer an, mindestens halbjährliche
Prüfungen zu beabsichtigen, 50 %
(n = 27) wollten vierteljährlich untersuchen.
Abb. 9 Durchführung
mikrobiologischer Prüfungen aufbereiteter Endoskope: Angaben der
Studienteilnehmer vor Studienbeginn und nach Abschluss der ersten
Studienphase.
Diskussion
Diskussion
Die Initiative zur Durchführung der HYGEA-Studie ging von
führenden Fachgesellschaften der Gastroenterologie unter Leitung der
Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten aus.
Anlass war die seit langem kontrovers geführte Diskussion um die
hygienische Qualität der Aufbereitung in der Endoskopie
[28 31 ]. Besondere Aktualität ergab sich
aus einem Fallbericht zu Hepatitis-C-Übertragungen durch ein mangelhaft
aufbereitetes Koloskop bzw. eine nicht sterilisierte Biopsiezange
[8 ]. Flexible Endoskope und endoskopische
Zusatzinstrumente sind nach den 2001 überarbeiteten „Anforderungen
an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten” (Anlage zu
Ziffer 7 der Richtlinie des Robert Koch-Instituts) in der Risikobewertung als
„semikritisch” bzw. „kritisch” und jeweils
„mit erhöhten Anforderungen an die Aufbereitung” einzustufen
[32 ]. Eine Untersuchung des Münchner
Qualitätszirkels Gastroenterologie hatte die Bedeutung von
mikrobiologischen Prüfungen der Endoskopaufbereitung im stationären
und ambulanten Bereich angezeigt [33 ].
Ziel der HYGEA-Studie war es, die Ergebnisqualität der
Aufbereitung von gastrointestinalen Endoskopen in einem größeren
Kollektiv zu erfassen, bei feststellbaren Mängeln typische Schwachstellen
zu beschreiben und Vorschläge für Maßnahmen zur
Qualitätsverbesserung in Klinik und Praxis zu erarbeiten. Nicht zuletzt
wegen des begrenzten Finanzrahmens hat die Studie einige Limitationen, die bei
der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen sind:
Die Studie konnte nur in einer statt - wie
ursprünglich angestrebt - in 5 Pilotregionen durchgeführt
werden, was zum einen zu für München spezifischen Resultaten und zum
anderen durch die geringe Fallzahl zu gewissen statistischen Artefakten und
großen Konfidenzintervallen führt.
Der Zeitrahmen für die Gruppenintervention war sehr eng, so
dass den Einrichtungen nur begrenzte Zeit zur Veränderung des
Aufbereitungsprozesses zur Verfügung stand.
Die mikrobielle Kontamination hat eine systematische und eine
zufällige Komponente. Zur Quantifizierung des zufälligen Anteils
durch tagesaktuelle Variablen wie z. B. Arbeitshektik, Personalsituation
und Zeitpunkt der letzten Endoskopaufbereitung wären ausreichende
Wiederholungsmessungen in den Einrichtungen erforderlich.
Klinische Befunde, die möglicherweise aus gegebenen
Endoskopkontaminationen in Abhängigkeit vom Ausmaß resultieren,
wurden nicht gemessen.
Insbesondere zur Beantwortung der letzten beiden Fragestellungen
sind weitere Studien mit anderen epidemiologischen Ansätzen
erforderlich.
Trotz dieser methodisch begründeten Einschränkungen sind
die in der vorliegenden Studie gewonnenen Ergebnisse in mehrfacher Hinsicht von
Bedeutung.
Die Zusammensetzung der an der HYGEA-Studie teilnehmenden
Endoskopieeinrichtungen kann als charakteristisch für die
Versorgungssituation im großstädtischen Bereich angesehen werden.
Die hohe Bereitschaft zur Studienteilnahme in Kliniken und Praxen mit mehr als
500 Endoskopien pro Quartal (Tab. [1 ]) ist
Zeichen für ein adäquates Problembewusstsein und spricht für
Akzeptanz der Verpflichtung zur Qualitätssicherung [34 ]
[35 ].
In fast allen teilnehmenden Kliniken wurde vollautomatisch mit RDG-E
(früher bezeichnet als Endoskopreinigungs- und -desinfektionsautomat:
ERD-A) aufbereitet (Abb. [1 ]). In den Praxen
dominierte die manuelle und teilautomatische Aufbereitung der Endoskope.
Ähnliche Unterschiede hinsichtlich des Aufbereitungsverfahrens zwischen
Klinik und Praxis wurden kürzlich auch in einer deutschlandweiten Erhebung
festgestellt [36 ].
Die Verwendung von nicht vollständig in Lösungen
einlegbaren Endoskopen in einigen Praxen entspricht nicht dem heutigen Stand
der Technik und ist nicht mit den aktuellen Richtlinien vereinbar
[9 15 ]
[35 ]. Die hohen
Beanstandungsquoten von Gastroskopen und Koloskopen (Abb. [2 ]) wurden in dieser Größenordnung auch in
anderen Studien nachgewiesen [20 ]
[22 ]. Der deutlich niedrigere Anteil mikrobiologisch zu
beanstandender Duodenoskope ist im Zusammenhang mit deren Aufbereitung im RDG-E
zu sehen. Die Beanstandungsquote der Duodenoskope war auch geringer als in der
Studie von Wischnewski et al. [21 ] mit einer nachgewiesenen Keimbelastung bei insgesamt
49 % z. T. manuell aufbereiteter Duodenoskope. Um die
hohen hygienischen Anforderungen an endoskopisches Instrumentarium für das
physiologisch nicht mikrobiell besiedelte Gallen-Pankreas-Gangsystem einhalten
zu können, ist deshalb zu fordern, Duodenoskope ausschließlich
maschinell im RDG-E aufzubereiten.
In beiden Untersuchungsphasen fand sich bei über
50 % der Studienteilnehmer mindestens eine mikrobiologische
Beanstandung (Abb. [3 ]). Die Mängel
betrafen sowohl die Endoskopaufbereitung (bei mindestens einem von
gegebenenfalls mehreren untersuchten Endoskopen) als auch die
Aufbereitung/Befüllung des Optikspülsystems. Eine zu beanstandende
Keimbelastung - auch wenn sie nicht zu Infektionen führen sollte
- deutet als Indikator auf fehlerhafte und verbesserungsbedürftige
Prozessabläufe hin. Der Nachweis eines Keimspektrums aus
E. coli , coliformen Enterobakteriazeen und
Enterokokken ist Zeichen einer vom Patienten stammenden Kontamination und weist
auf Fehler bei Reinigung und Desinfektion von Endoskopen hin. Beim Einsatz
solcher unzureichend aufbereiteten Endoskope kann ein Risiko für
gravierende mikrobielle Infektionen auch durch Erreger bestehen, die mit der in
der HYGEA-Studie verwendeten Labormethodik nicht nachweisbar sind (Kultur auf
Helicobacter pylori und Nachweis viraler
Nukleinsäuren wurden z. B. nicht durchgeführt). In der
Literatur ist die Übertragung von H. pylori
[37 ]
[38 ] und Hepatitisviren
[8 ]
[39 ] bei gastrointestinaler
Endoskopie sowie von Mycobacterium tuberculosis
[6 ]
[40 ] bei Bronchoskopie
dokumentiert. Auch das Risiko einer Übertragung von HIV
[41 ]
[42 ] oder Prionen
[43 ] bei Endoskopie erscheint nicht
ausgeschlossen.
Dagegen kann der Nachweis von Keimen der
Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe als Hinweis auf mangelhafte
Schlussspülung und unzureichende Trocknung der Endoskope oder auf
Keimbelastung aus dem Optikspülsystem gewertet werden, abhängig
davon, welche Kanäle kontaminiert sind. Pseudomonadeninfektionen auch mit
tödlichem Ausgang sind bei gastrointestinaler Endoskopie vor allem nach
ERCP beschrieben [44 46 ], wurden aber auch im
Zusammenhang mit kontaminiertem Gastroskop und Koloskop berichtet
[47 ]. Ein bisher in der Literatur kaum
berücksichtigter Aspekt betrifft die Aufbereitung und Befüllung des
Optikspülsystems, das nach den vorliegenden Ergebnissen häufig allein
Grund für Beanstandung von Endoskopieeinrichtungen war. Aus dem
Optik-Spülsystem kann es zur Kontamination von korrekt aufbereiteten
Endoskopen und Zusatzinstrumenten während der Endoskopie kommen. Dadurch
kann insbesondere bei Einsatz von Biopsiezange oder anderen die Mukosa
penetrierenden Instrumenten ein Infektionsrisiko für den Patienten
entstehen [65 ].
Die HYGEA-Studie bestätigt die Aussage anderer Autoren
[21 ]
[48 ]
[49 ], dass flexible Endoskope grundsätzlich mit
manuellem, teil- oder vollautomatischem Verfahren hygienisch korrekt
aufbereitet werden können. Allerdings wies die vollautomatische
Aufbereitung im RDG-E die jeweils niedrigste Beanstandungsquote auf
(Abb. [4 ]). Die maschinelle chemo-thermische
Endoskopaufbereitung im geschlossenen System bietet hinsichtlich Patienten- und
Personalschutz die größte Sicherheit, ist auf Wirksamkeit
validierbar [25 ] sowie in den Verfahrensabläufen
standardisierbar und kann zusätzlich weitere Forderungen des
Medizinproduktegesetzes [50 ] und der
Medizinprodukte-Betreiberverordnung [51 ] erfüllen
wie Prozesskontrolle und Prozessdokumentation. Aus hygienischer Sicht
[52 ]
[53 ] wird deshalb der
maschinellen Endoskopaufbereitung im RDG-E allgemein der Vorzug gegeben.
Nachteile dieser Geräte sind vor allem der hohe Anschaffungspreis und die
Kosten für die regelmäßig durchzuführenden technischen
Wartungen. Für Auswahl, Aufstellung und Betrieb von RDG-E liegen fundierte
Empfehlungen vor [54 ]
[55 ].
Zur Sicherstellung der zuverlässigen Funktion eines Vollautomaten ist
Validierung in einer Verfahrensprüfung mit definierter Anschmutzung und
Keimbelastung an Prüfkörpern [56 ]
erforderlich. Die Einhaltung der Betriebsparameter (z. B.
Temperaturverlauf, Dosierungen, Spüldrucke, Durchflussmengen) ist im
Arbeitsalltag technisch zu gewährleisten und zu kontrollieren
[32 ]
[57 ]
[58 ]. Zusätzlich ist periodisch mikrobiologische
Prüfung als Prozess- und Produktkontrolle [59 ]
durchzuführen, um Mängel zu vermeiden [60 ].
Ein Teil der Beanstandungen bei vollautomatischer Aufbereitung in unserer
Studie bezog sich auf den Nachweis von Fäkalkeimen und wies auf eine
mangelhafte Endoskopreinigung hin. Auch bei nachfolgender Aufbereitung im RDG-E
ist daher eine sorgfältige manuelle Vorreinigung aller zugängigen
Endoskopkanäle mit einer dem jeweiligen Kanaldurchmesser angepassten
flexiblen Bürste erforderlich [9 15 ]
[61 64 ]. Die maschinelle Reinigungsspülung der
Endoskopkanäle erscheint derzeit technisch noch nicht optimal gelöst.
Trotz dieser Einschränkung und möglicher Mängel bei
Schlussspülung und Trocknung bestätigen auch die Resultate der
HYGEA-Studie die vollautomatische Endoskopaufbereitung im RDG-E als das
hygienisch derzeit zuverlässigste Verfahren.
Die Darstellung der quantitativen Keimbelastungen an Endoskopen
(Abb. [5 ]) zeigt, dass der aufgrund eigener
Anwendungserfahrung für die Studie übernommene Grenzwert von 10
KBE/ml häufig überschritten wurde und dabei nicht selten sehr hohe
Gesamtkeimzahlen in den Kanaldurchspülungen vorlagen. Kaczmarek et al.
[17 ] wiesen an 24 % (17 von 71)
aufbereiteter gastrointestinaler Endoskope mehr als 100000 KBE nach. Bei
solchen Keimbelastungen eines Endoskops ist von einem erhöhten
Infektionsrisiko für den Patienten auszugehen. Steriles
Zusatzinstrumentarium kann beim Einführen durch einen nicht korrekt
aufbereiteten Endoskopkanal kontaminiert werden [65 ].
Bei einem Eingriff mit Mukosapenetration (z. B. Biopsie, Polypektomie,
Mukosektomie) kann besonders bei hoher Keimzahl für den Patienten ein
Risiko auch durch nur fakultativ pathogene Erreger entstehen. Positiv ist die
Tendenz zu niedrigeren Keimzahlen der in Phase 2 untersuchten Endoskope zu
bewerten. Die Bestimmung der Gesamtkeimzahl erfolgte analog zur Methodik der
Trinkwasserverordnung mit Bebrütung bei 20 und 37 °C. Bei
diesen beiden Temperaturen resultierte kein wesentlicher Unterschied
hinsichtlich Kultursensitivität. Für mikrobiologische Kontrollen der
Endoskopaufbereitung [59 ] erscheint daher Kultur nur
bei 37 °C Bebrütung ausreichend.
Die Belastung von Endoskopen und Optikspülsystem mit
Fäkalkeimen bzw. Nasskeimen, die zu qualitativen Beanstandungen
führte (Tab. [2 ] bzw. Abb. [6 ]), weist
aufgrund des festgestellten Keimspektrums auf charakteristische Schwachstellen
der Aufbereitung hin. Nachgewiesene Keimbelastung kann als ein Zeichen für
vorhandene mikrobielle Biofilme in Endoskopkanälen bzw. auf
Kunststoffoberflächen des Optikspülsystems oder auf Bauteilen in
einem Aufbereitungsgerät angesehen werden [66 ].
In Biofilmen können Mikroorganismen in oder unter einer Matrix aus
extrazellulär sezernierten Polymeren vor Einwirkung von
Desinfektionsmitteln geschützt sein. Um Biofilme zu vermeiden bzw. zu
beseitigen, ist eine mechanische Reinigung von Kanalsystemen oder
entsprechender Oberflächen von besonderer Bedeutung [67 ]. Organische Restverschmutzung kann die Biofilmbildung
fördern. Aldehyde als meist verwendete Wirkstoffe in
Endoskopdesinfektionsmitteln können Proteine fixieren und dabei
infektionsfähige Mikroorganismen einschließen. Deshalb ist eine
sorgfältige Reinigung aller zugänglichen Kanäle (v. a.
aber von Instrumentier- und Absaugkanal in jeweils ganzer Länge) mit
intakter, sauberer, desinfizierter flexibler Bürste mit geeignetem Kaliber
Grundvoraussetzung für eine wirksame Endoskopdesinfektion. Dies gilt auch
für eine nachfolgende Aufbereitung im RDG-E und wird von Experten und
Fachgesellschaften immer wieder betont [9 15 ]
[22 ]
[23 ]
[25 ]
[27 ]
[35 ]
[53 ]
[61 64 ]
[68 ]. Neuere
Untersuchungen [69 72 ] bestätigten
experimentell die Bedeutung der Reinigung für erfolgreiche Desinfektion
und Sterilisation bei der Instrumentenaufbereitung gerade auch für die
Endoskopie. Wie die vorliegende Studie belegt, wird die Forderung nach
korrekter Endoskopreinigung in der Alltagsroutine nicht adäquat umgesetzt.
Vor der Bürstenreinigung ist eine reinigende Durchspülung der
Endoskopkanäle unmittelbar nach Beendigung der Patientenuntersuchung bei
noch an der Geräteeinheit angeschlossenem Endoskop durchzuführen.
Herstellerangaben zur Reinigungsmittellösung und zur danach verwendeten
Desinfektionsmittellösung sind strikt zu beachten (z. B. zur
Kompatibilität der Präparate untereinander, Anwendungskonzentration,
Einwirkzeit, Standzeit der Lösungen). Schwierig zu säubernde
Endoskopbereiche (z. B. Kanaleingänge, Ventile, Distalende,
Albaranhebel) sind in die Reinigung und in alle weiteren
Aufbereitungsteilschritte sorgfältig einzubeziehen [9 15 ]
[23 ]
[32 ].
Die Problematik um die mikrobiologische Qualität des nach
Reinigung und Desinfektion zur Schlussspülung von Endoskopen verwendeten
Wassers [44 47 ]
[73 ]
wird in der Alltagsroutine ebenfalls zu wenig beachtet, wie die
Studienergebnisse zeigen. Bei der Aufbereitung können Endoskope mit Keimen
der Pseudomonaden/Nonfermenter-Gruppe entweder direkt aus dem Wasser oder
indirekt aus Einlegewannen oder verkeimten Bauteilen von Teil- oder
Vollautomaten (z. B. Kupplungen, Schlauchsysteme, Wassertank, Kanister)
belastet werden. Wasser aus einer Gebäudeversorgung mit seinen
Leitungsverläufen, Waschbeckenarmaturen mit Strahlreglern oder Perlatoren
sowie Schlauch- oder Druckpistolenanschlüssen am Wasserhahn ist
häufig mit solchen Nasskeimen, z. T. auch mit Legionellen oder
„atypischen” Mykobakterien kontaminiert [74 ]. Dies gilt auch für Aqua dest. bei Herstellung
in einfachen Ionenaustauscher-Anlagen [75 ],
z. B. für das so genannte „demineralisierte Wasser für
den Laborbedarf”. Leitungswasser und Aqua dest. ohne adäquate und
gesicherte Entkeimung (z. B. thermische oder UV-Desinfektion,
Sterilisation oder endständige Sterilfiltration) sind deshalb zur
Endoskopschlussspülung mikrobiologisch nicht geeignet (Abb. [7 ]). Bei maschineller chemo-thermischer Aufbereitung im
korrekt gewarteten und betriebenen RDG-E ist die Wasserentkeimung technisch
sicher realisierbar. Teilautomaten haben konstruktions- und funktionsbedingt
(„kalt-chemische” Aufbereitung ohne Thermodesinfektion und
Gerätesicherheitsprogramm) bezüglich des Schlussspülwassers
dagegen eine charakteristische Schwachstelle, die zur systematischen
Endoskop-Kontamination führen kann [76 ]
[77 ], wie es auch die Ergebnisse der vorliegenden Studie
bestätigen. Für die manuelle Aufbereitung kommt zur Bereitstellung
erforderlicher Mengen von mikrobiologisch einwandfreiem Wasser im Arbeitsalltag
am ehesten die Verwendung von endständigen Sterilfiltern am Wasserhahn
infrage [78 ]. Dabei ist auf korrekte Handhabung der
Filter nach Herstellerangaben zu achten (z. B. Standzeit für Ein-
und Mehrwegfilter, Vermeidung von retrograder Kontamination). Zur genaueren
Beurteilung des Einsatzes von Sterilwasser-Filtern für die
Endoskopaufbereitung liegen jedoch bisher kaum Erfahrungen vor.
Eine Rekontamination von Medizinprodukten wie flexiblen Endoskopen
nach Desinfektion durch das Schlussspülwasser sollte grundsätzlich
vermieden werden [32 ]. In nationalen und
internationalen Leit- bzw. Richtlinien finden sich zum zulässigen
Keimgehalt des zur Schlussspülung zu verwendenden Wassers nicht selten
unpräzise, inkonsequente und daher verwirrende Formulierungen wie
z. B. [12 ]: „ ... steriles oder
zumindest sehr keimarmes Wasser, das in mikrobiologischer Hinsicht
Trinkwasserqualität besitzt ...” oder prinzipiell
„ ... steriles Wasser. Wenn steriles Wasser nicht verwendet wird,
ist Alkoholspülung mit kompletter Trocknung essenziell ...”
[13 ]. Auf eine zusätzliche Spülung der
Endoskopkanäle mit Isopropanol oder Ethanol 70 % zur
Optimierung der Trocknung vor Lagerung oder unmittelbar vor Einsatz eines
Endoskops am Patienten wird in der Literatur hingewiesen [9 ]
[11 13 ]
[15 ]
[20 ]
[21 ]
[27 ]
[53 ]. Die Durchführung der Alkoholspülung zu
vereinheitlichen ist jedoch schwierig und scheint v. a. bei hoher
Ausgangsbelastung eines Endoskops mit Nasskeimen und anzunehmender
Biofilmbildung nicht sicher wirksam, wie es auch die Studienergebnisse bei
allerdings kleinen Fallzahlen und ohne statistische Absicherung andeuten. Somit
kann die Forderung von mikrobiologisch einwandfreiem, entkeimtem Wasser
für die Schlussspülung und von vollständiger Trocknung der
Kanäle mit Druckluft als vorrangig angesehen werden.
Die erforderliche komplette Trocknung der Kanäle vor Lagerung
der Endoskope ist mit manuellem Luftdurchblasen aus einer Spritze praktisch
nicht erreichbar. In unserer Studie waren bei maschineller Trocknung mit
Warmluftgebläse im RDG-E Endoskopbelastungen mit Nasskeimen nur selten
nachweisbar (dabei erfolgte allerdings auch die Schlussspülung mit
desinfiziertem Wasser). Das häufig praktizierte
„Nachtrocknen” mit Druckluft aus „Pistole” weist
jedoch auf eine oft nicht ausreichende maschinelle Trocknung hin. Bei Bedarf
ist dieser Teilschritt im Aufbereitungsprogramm eines RDG-E zu verlängern
[79 ]. Testmethoden zur Beurteilung der Kanaltrocknung
z. B. für Verfahrensprüfungen stehen zur Verfügung
[80 ].
Zur Befüllung des Optik-Spülsystems ist die Verwendung von
Sterilwasser zu empfehlen. Wie zu erwarten, ergab Wasser oder Aqua dest., das
durch Sterilfiltration oder Sterilisation aufbereitet war, in der vorliegenden
Studie die geringste Beanstandung (Abb. [8 ]).
Flasche und Anschlussschlauch des Systems sind mindestens arbeitstäglich
aufzubereiten, um Verkeimung mit Bildung von Biofilmen zu vermeiden, die durch
die Platzierung an der Wärme abstrahlenden Geräteeinheit
begünstigt wird. Die von uns in Einzelfällen beobachteten starken
Verunreinigungen der Teile des Optikspülsystems, auch mit Nachweis von
mikrobiellen Biotopen einschließlich Spross- und Schimmelpilzen, belegen,
wie notwendig die Beachtung dieser Empfehlungen im Alltag ist. Flasche und
Anschlussschlauch sind nach Benutzung zu leeren, zu reinigen, mindestens zu
desinfizieren, nach Schlussspülung vollständig zu trocknen und
geschützt vor Kontamination zu lagern. Am zweckmäßigsten
erscheint eine Aufbereitung im RDG-E bzw. bei gegebener
Materialverträglichkeit Dampfsterilisation der gereinigten Systemteile in
Sterilverpackung. Auch zum Umgang mit dem Optikspülsystem sind in Leit-
und Richtlinien zur Endoskopaufbereitung präzise Anforderungen zu
definieren und in der Arbeitsroutine umzusetzen.
Die schriftlichen Studienunterlagen (Befundberichte,
Gesamtauswertungen, „Leitfaden” und
„Schwachstellenanalyse” zur Aufbereitung) wurden von den
Teilnehmern in der Fragebogenerhebung durchweg positiv bewertet. Die nur
bedingt zufrieden stellende Nutzung des angebotenen Workshops kann sowohl als
Zeichen für ein noch zu verbesserndes Bewusstsein zur Problematik der
Endoskopaufbereitung bei einzelnen Studienteilnehmern gewertet werden als auch
für eine nicht völlig hinreichende Interventionsstrategie der Studie.
Über die Gründe für zum Teil nicht umgesetzte Empfehlungen sowie
den insgesamt nicht befriedigenden Interventionserfolg in der Studie kann
allenfalls spekuliert werden.
Die HYGEA-Studie konnte die Teilnehmer jedoch augenscheinlich
mehrheitlich von Notwendigkeit und Sinn regelmäßiger
mikrobiologischer Endoskopkontrollen überzeugen (Abb. [9 ]). Solche Prüfungen können dazu beitragen,
Fehler der praktizierten Aufbereitung zu erkennen und zu beseitigen, sowie (im
Einzelfall auch in dieser Studie) auf bisher unbemerkte technische Defekte an
Endoskopen und Aufbereitungsgeräten hinweisen, die zur nachweisbaren
mikrobiellen Kontamination führen können. Periodische Kontrollen der
Ergebnisqualität der Endoskopaufbereitung wurden deshalb schon vor Jahren
empfohlen [28 ]
[81 ] und sind
im Bereich der Kliniken bereits etabliert [59 ], wie es
auch die Auswertungen bestätigen. Beim niedergelassenen endoskopierenden
Arzt dagegen werden sie bisher kaum oder nur unzureichend durchgeführt.
Für eine flächendeckende Realisierung solcher Prüfungen im
Praxisbereich sind ausreichende Untersuchungsangebote mikrobiologischer Labore
zu schaffen. Die erforderliche Logistik von Probenahme und Probentransport ist
aufzubauen. Von Hygienikern und Mikrobiologen ist Konsens zu erarbeiten
z. B. über Häufigkeit, Methodik und Umfang von Probenahme und
Laboruntersuchungen, über Richt- oder Grenzwerte zulässiger
Keimbelastung, über Interpretation der Befunde und Algorithmen für
Empfehlungen zur Beseitigung von festgestellten Mängeln. Die HYGEA-Studie
kann dafür Denkanstöße geben, Experten und Fachgesellschaften
werden zur Diskussion und Kooperation aufgerufen.
Wie die HYGEA-Studie zeigt, besteht Handlungsbedarf zur Verbesserung
der Aufbereitung flexibler Endoskope im Arbeitsalltag der Gastroenterologie in
Klinik und Praxis. Unsere Resultate wurden in die Aktualisierung der
entsprechenden Empfehlungen des Robert Koch-Instituts [82 ] durch eine Arbeitsgruppe im Auftrag der Kommission
für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention eingebracht und
konnten einen Beitrag für Evidence-basierte Neuformulierungen
[83 ] leisten. Basis für die Umsetzung dieser
Aufbereitungsempfehlungen ist ein adäquates Problembewusstsein aller
endoskopierenden Ärzte/Ärztinnen [84 ].
Endoskope, Zusatzinstrumente und Aufbereitungsgeräte sind
technisch-hygienisch weiter zu verbessern [85 ],
Reinigungs- und Desinfektionsverfahren sind zu optimieren. Auch aufgrund
unserer Studienergebnisse sollte generell eine standardisierte, validierte und
parametrisch kontrollierte maschinelle Endoskop-Aufbereitung im RDG-E
angestrebt werden. Abstufungen der hygienischen Anforderungen an die
Aufbereitung (die diskutiert und vereinzelt praktiziert werden) zwischen Klinik
und Praxis, zwischen theoretisch mehr oder weniger keimbelasteten oder
infektionsrelevanten Endoskoparten sowie zwischen bekanntem oder unbekanntem
Infektionsstatus eines Patienten sind rational nicht vertretbar.
Spezifische Schulung für Endoskopiesssistenz- und
Aufbereitungspersonal, gerade auch aus der niedergelassenen Praxis, ist ein
weiterer wichtiger Baustein [86 ].
Weiterbildungscurricula wurden entwickelt, z. B. zur
„Arztfachhelferin für Endoskopie” (Bundesärztekammer)
oder „Fachpflegekraft für Endoskopie” (DEGEA).
Die HYGEA-Studie lässt darüber hinaus die Bedeutung von
mikrobiologischen Prüfungen der Endoskopaufbereitung für die Klinik,
aber besonders auch für den niedergelassenen Bereich erkennen, in dem sie
bisher kaum etabliert sind.
Die genannten Ansätze zur Qualitätssicherung müssen
jedoch finanziert und bei Umsetzung auch honoriert werden. Berufsverbände,
Fachgesellschaften und ärztliche Körperschaften sind hierbei
gefordert. Unter Berücksichtigung der gesetzlichen Verpflichtungen
[34 ]
[50 ]
[51 ] und der bestehenden rechtlichen Situation
[87 ]
[88 ] ist die
Sicherstellung der hygienisch einwandfreien Aufbereitung [89 ] eine wichtige Voraussetzung, um das Vertrauen der
Patienten in die moderne Endoskopie aufrechtzuerhalten [90 ]. Die Initiative von endoskopierenden Ärzten aus
Klinik und Praxis zur Durchführung der HYGEA-Studie ist Zeichen der
Akzeptanz der erforderlichen und geforderten Qualitätssicherung.
Danksagung
Danksagung
Im Namen der gesamten Arbeitsgruppe bedanken sich die Autoren bei
den nachfolgend genannten Firmen und Institutionen bzw. Damen und Herren, ohne
deren Unterstützung und Kooperation die HYGEA-Studie nicht hätte
realisiert werden können:
Olympus, Hamburg; Henkel-Ecolab, Düsseldorf; Schülke
& Mayr, Norderstedt; Bode Chemie, Hamburg; Fujinon, Willich; Pentax,
Hamburg; Chemische Fabrik Dr. Weigert, Hamburg; BHT Hygienetechnik,
Friedberg/Derching; Aventis Pharma (Hoechst), Bad Soden im Taunus
Kassenärztliche Vereinigung Bayerns, Bezirksstelle
München (Vorsitzender: Dr. Axel Munte )
Max von Pettenkofer-Institut der LMU München :
Gertraud Maydl, Karin Ziegler, Petra Kappel,
Daniela Wagner, Britt Donath und Benedikt Bader
für Durchführung der Laborarbeiten bzw. Probenahme bei Teilnehmern
der Studie
Institut für Medizinische Informationsverarbeitung,
Eberhard-Karls-Universität Tübingen: Doris
GuÅnon und Anette Stauch für
Dokumentationsassistenz
Anni Waldherr , München,
Christl Romfeld , Stuttgart, für Demonstrationen
beim „Workshop”
Dr. Ludmilla Krizek , Bonn, PD Dr.
Michael Pietsch , Mainz, für Mitarbeit in
Sitzungen der Arbeitsgruppe.
Unser besonderer Dank gilt den Ärztinnen und Ärzten sowie
dem gesamten Assistenzpersonal der Endoskopie-Einrichtungen in Kliniken und
Praxen für ihre Bereitschaft, an der HYGEA-Studie teilzunehmen und damit
Maßnahmen zur Qualitätssicherung aktiv zu gestalten.