In Deutschland wird der akademische Grad des „Dr.
med.” nur nach Anfertigung einer Promotionsarbeit verliehen.
Dieser ist für die ärztliche Tätigkeit
jedoch keine zwingende Voraussetzung. So sind in Berlin beispielsweise
58 % aller tätigen Ärzte promoviert
(Mitteilung der EDV-Abteilung der Berliner Ärztekammer).
Zumeist wird die Arbeit an der Promotion während des Studiums
begonnen. In Ländern wie den USA ist der Anteil von studentischer
Forschung aufgrund ihres freiwilligen Charakters geringer [7]. Studentische Forschung spielt
jedoch eine große Rolle bei der Qualität und Quantität
der gesamten Forschungsaktivität einer Einrichtung [1]
[3].
Folgerichtig ist es von großem Interesse, ob Promotionsarbeiten
in der Medizin ausreichend unterstützt werden und welche
Faktoren die Qualität studentischer Forschung verbessern
können.
Bis dato existieren in Deutschland nur wenige Untersuchungen zum
Meinungsbild von erfolgreichen Promovenden [6] [10]
[13]
.
Eine dieser Arbeiten [13] wurde kürzlich
im Nachhinein den Ergebnissen einer Befragung nicht-promovierter
Vertragsärzte [14] gegenüber
gestellt [15]. Es gibt somit bisher
keine Studie, die erfolgreiche und erfolglose Promotionsvorhaben
an einer Fakultät miteinander verglichen hat. Diese Herangehensweise
wurde in der Arbeit von Kock und Mitarbeitern [6] und
in einem Leserbrief [12] zur Publikation
von Pabst et al. [10] gefordert. Ebendieser
Fragestellung widmet sich die vorliegende Studie.
Teilnehmer und Methodik
Teilnehmer und Methodik
Unter der Prämisse, eine Querschnittserhebung durchzuführen, wurden
alle Medizinstudenten des 11. bis 14. Fachsemesters der Charité (n = 1036;
560 Frauen [54,1 %] und 476
Männer [45,9 %]) im Januar
2001 angeschrieben. Dies geschah mit der Intention, sowohl Informationen
von erfolgreichen als auch von erfolglosen Promovenden zu erhalten.
Dadurch war es möglich, der Frage: „Wie unterscheiden
sich erfolgreiche von abgebrochenen Dissertationen?” nachzugehen.
Es wurde ein „Bogen zur Promotionssituation” in
dreifacher Ausfertigung versandt. Die Fragen folgten chronologisch
dem Ablauf eines Promotionsvorhabens, so dass eine Verwendung des
Bogens für die Beschreibung eines Abbruchs ebenfalls möglich
war. Folglich konnten die befragten Studenten ihre momentane Promotion
und/oder eine bzw. zwei abgebrochene Promotionen beschreiben.
Die Fragen waren Themenkomplexen wie Betreuungsqualität,
Herangehensweise und Ablauf der Promotion sowie ihrem Einfluss auf
die Studiendauer zugeordnet. Außerdem wurden handschriftliche
Verbesserungsvorschläge der Befragten erfasst. Bei abgebrochenen
Promotionen wurden Abbruchgründe erfragt. Fragen zu rechtlichen
und organisatorischen Regelungen an der Charité, zur Qualität
der Vorbereitung durch das Studium und zu einem Promotionsvertrag
waren in diesem, aber auch in einem zweiten Fragebogen für
alle Studenten ohne bisherigen Promotionsversuch („Keine
Promotion”) enthalten. Mit Hilfe dieses Bogens wurden Gründe
für den Nichtbeginn einer Promotion identifiziert.
Für den Vergleich des Erfolgs eines Promotionsvorhabens
wurden zwei Gruppen definiert: einerseits eine Gruppe von Studenten,
die ihre Promotionsarbeit eingereicht hatten („Erfolgreiche”)
und andererseits eine Gruppe, die ihr Promotionsvorhaben abbrachen
(„Abbrecher”). Personen, auf die beides zutraf, wurden,
um einen intrapersonellen Vergleich zu vermeiden, keiner der beiden
Gruppen zugeordnet.
Die statistische Auswertung erfolgte mit dem Programm SPSS 9.0
für Windows. Grundsätzlich wurden zur Analyse
hierbei Methoden der deskriptiven Statistik verwandt. Für
die Untersuchung der Vergleichsgruppen wurde der χ2-Test
für Vierfeldertafeln angewendet. Da die Gruppen der erfolgreichen
und abgebrochenen Vorhaben auf Unterschiede bei 12 Parametern untersucht
wurden, erfolgte eine Niveau-Adjustierung zur Reduktion des Fehlers
1. Art. Ein p < 0,0042 wurde folgerichtig
als signifikant definiert. Die Werte sind (wenn nicht anders bezeichnet)
als Mittelwert ± Standardabweichung angegeben.
Ergebnisse
Ergebnisse
203 Frauen (55,5 %) und 147 Männer
(40,2 %) nahmen an der Umfrage teil. Bei 16 Personen
fand sich keine Geschlechtsangabe. Insgesamt beteiligten sich somit
366 Studenten an der Umfrage. Dies entsprach einem Rücklauf
von 35 %. Getrennt nach Geschlechtern ergab sich
ein Rücklauf von 36 % bzw. 30 % für
Frauen und Männer. Der Altersmittelwert in der Umfrage
betrug 27,2 ± 2,5 Jahre. 88 % aller teilnehmenden
Personen waren zwischen 25 und 30 Jahren alt. Die Maximalwerte betrugen
23 und 42 Jahre.
Fragebogen zur Promotionssituation
Insgesamt gingen 382 Bögen von 324 Studenten (31 % Rücklaufquote,
180 Frauen und 132 Männer, 12 ohne Angabe) ein. Es wurden
34 Promotionsvorhaben an anderen Universitäten und Lehrkrankenhäusern
der Charité beschrieben. Diese wurden für die
weitere Auswertung nicht berücksichtigt. Von den somit
verbliebenen 348 Bögen (von 297 Studenten) bezogen sich
271 auf die momentane und 61 bzw. 10 Umfragebögen auf die
erste bzw. zweite abgebrochene Promotion. Sechs der Bögen
waren durch die Befragten nicht eindeutig in diese Kategorien eingeordnet.
Daraus ergibt sich ein Verhältnis von 71 abgebrochenen
zu 271 momentan bearbeiteten Promotionen. Folglich werden mindestens
21 % (71 von 342) aller Promotionsvorhaben an
der Charité abgebrochen, da davon auszugehen ist, dass
von den momentanen Promotionen noch weitere abgebrochen werden.
Das Verhältnis von Frauen und Männern innerhalb
der Gruppe der Promotionen an der Charité betrug 164 (55 %)
zu 123 (43 %). 10 Personen (3 %)
machten keine Geschlechtsangabe. Von den insgesamt 73 wissenschaftlichen
Einrichtungen der Charité waren 65 mit mindestens einer
beschriebenen Promotion vertreten (89 %). Es fehlte
keine der großen vorklinischen oder klinischen Einrichtungen.
Die Häufigkeit der verschiedenen Wege zum Promotionsangebot
gibt Abb. [1] wieder.
Abb. 1 Informationsmöglichkeiten
zu Promotionsangeboten und Häufigkeit ihrer Nutzung (Mehrfachantworten
möglich, n = 297).
Vergleichsgruppen
Die Unterschiede zwischen den erfolgreichen und abgebrochenen
Arbeiten zeigt die Tab. [1].
Tab. 1 Vergleich
der Beurteilung der Promotionssituation in der Gruppe der erfolgreichen
und abgebrochenen Vorhaben.
|
Erfolgreiche
(n = 72)
|
Abbrecher
(n = 65)
|
|
Thematische Einarbeitung
vorhanden
|
99 %
|
97 %
|
n. s.
|
Hilfe bei der Einarbeitung
vorhanden
|
93 %
|
83 %
|
n. s.
|
Gute Information über die
Thematik
|
59 %
|
32 %
|
p = 0,002
|
Klar formulierte Fragestellung
|
60 %
|
42 %
|
n. s.
|
Vorhandensein eines Ansprechpartners
|
99 %
|
94 %
|
n. s.
|
Betreuer mit ausreichend Zeit
|
64 %
|
29 %
|
p < 0,001
|
Zusätzlicher Promotions-
berater vorhanden
|
22 %
|
6 %
|
n. s.
|
Es gab einen klaren Zeitplan
|
36 %
|
20 %
|
n. s.
|
Zusagen über den Umfang
eingehalten
|
42 %
|
5 %
|
p < 0,001
|
Finanzielle Unterstützung
vorhanden
|
39 %
|
8 %
|
p < 0,001
|
Gute Hilfestellung bei akuten Problemen
|
57 %
|
9 %
|
p < 0,001
|
Bemühen, den Studenten als zukünftigen
Forschungs-
partner zu gewinnen
|
50 %
|
17 %
|
p < 0,001
|
n. s. = nicht
signifikant
|
Nach den definierten Kriterien wurden 72 bzw. 65 Arbeiten in die
Gruppe der erfolgreichen bzw. abgebrochenen Promotionsvorhaben eingeordnet.
In der Gruppe der Erfolgreichen befanden sich 30 Frauen (42 %)
und 38 Männer (53 %), bei vier Personen fand
sich keine Geschlechtsangabe. Zur Gruppe der Abbrecher gehörten
36 Frauen (57 %) und 26 Männer (38 %).
Bei drei Personen fehlte die Geschlechtsangabe. Der χ2-Test
auf die Geschlechtsverteilung in den beiden Erfolgsgruppen ergab
ein p = 0,112. Der Altersmittelwert in
den Gruppen betrug 27,3 ± 2,4 bzw. 27,0 ± 2,3
Jahre. In der Gruppe der eingereichten Arbeiten ergab die Untersuchung
der Dauer, dass im Mittel 27,0 ± 16,1 Monate bis zur Vollendung
der gesamten Dissertation benötigt wurden. 12 (17 %)
der erfolgreichen Arbeiten wurden ohne Semesterverlust durchgeführt,
24 (33 %) bzw. 26 (36 %) verlängerten
das Studium um ein bzw. zwei Semester und 4 (6 %)
Personen benötigten mehr als zwei Freisemester für
die Promotion. 6-mal erfolgte hierzu keine Angabe. Innerhalb der
Gruppe der Abbrecher wurden die Abbruchgründe untersucht.
Eine Übersicht zeigt Tab. [2]
.
Tab. 2 Gründe
für den Abbruch einer Promotion (Mehrfachantworten möglich,
n = 65).
|
Abbruchgründe
|
betreuerische
|
86 %
|
methodische
|
68 %
|
thematische
|
52 %
|
persönliche
|
32 %
|
zeitliche
|
31 %
|
andere
|
25 %
|
finanzielle
|
14 %
|
Verbesserungsvorschläge
219 (78 %) Personen äußerten
sich im „Fragebogen zur Promotionssituation” in
freier Textform zu wünschenswerten Verbesserungen der momentanen
Situation. Insgesamt wurden 396 Vorschläge genannt. Die
häufigsten unter ihnen (jeweils > 20-mal) sind
in Abb. [2] wiedergegeben.
Weitere Verbesserungsvorschläge waren (Anzahl der Nennungen
in Klammern): zentrale Beratungsstelle (16), Einbindung aktueller
Forschungsergebnisse in die Pflichtlehre [14],
Einhaltung der vereinbarten Forschungsdauer [14],
bessere Betreuung [14] und finanzielle
Förderung der Doktoranden [13],
kontinuierliche Evaluation der Betreuungsqualität [12], stärkerer Austausch
zwischen Doktoranden [7], zentrale
obligate Angebotsliste [7], automatische
Verleihung des Doktortitels mit Ende des Studiums [4]. Außerdem wurden genannt:
geringere Arbeitszeitbelastung für Betreuer, höherer
Wert einer betreuten Promotion für den Karriereweg des
Betreuers, englische Veranstaltungen, Journalclubs, klarere Fragestellungen,
flexibleres Studium, mehr Ehrlichkeit und Respekt, sowie eine Schulung
der Betreuer (insgesamt 25).
Abb. 2 Verbesserungsvorschläge
zur derzeitigen Promotionssituation (n = 270).
Fragebogen „Keine Promotion”
Es beteiligten sich insgesamt 42 Personen an der Beantwortung dieses
Bogens (23 Frauen und 15 Männer). Auf vier Bögen
gab es keine Geschlechtsangabe. Der Altersmittelwert betrug 28,3 ± 3,3 Jahre.
27 (64 %) dieser Personen hatten schon einen potenziellen Betreuer
kontaktiert. Die Gründe für diese Personen vom
Beginn einer Promotion Abstand zu nehmen zeigt Tab. [3]
.
Generelle Fragen
Die folgenden Fragen wurden in beide Fragebogen integriert, so dass
sowohl von Promovenden an der Charité (297) als auch von
Studenten ohne bisherige Promotion (42) Bewertungen vorliegen. Gefragt
nach der Kenntnis der „Grundsätze der Charité zur
Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis” antworteten 30
(9 %) mit „ja”, 307 (91 %)
mit „nein”. Zwei Personen machten hierzu keine
Angaben. Die Teilmenge der Studenten ohne Promotion zeigte bei dieser
Frage keine deutlichen Abweichungen von der Gesamtheit. Die Promotionsordnung
der Charité kannten 167 (49 %), 83 (25 %)
nicht, 86 (25 %) hatten von ihr gehört. Drei
Personen machten hierzu keine Angaben. Innerhalb der Gruppe der
Studenten ohne Promotion war die Promotionsordnung nur 6 (14 %)
Personen bekannt. Den www-Promotionskatalog der Charité (http://www.charite.de/fakultaet/promo_habil/Promotion/promkatalog.html)
kannten 84 (25 %), 197 (58 %)
nicht, 55 (16 %) hatten davon gehört.
Drei Personen machten hierzu keine Angaben. In der Gruppe ohne Promotion war
der Promotionskatalog mit 15 (36 %) etwas besser
bekannt. Die Antworten auf die Frage, wie das Studium auf wissenschaftliches
Arbeiten vorbereitet, sind in Abb. [3]
dargestellt. Es fand sich hierbei
kein deutlicher Unterschied zwischen beiden Gruppen. Gefragt nach
der Zustimmung zu einem Promotionsvertrag, der sowohl die Verpflichtungen
von Promovend und Betreuer als auch die Fragestellung und Rahmenbedingungen
der Arbeit festlegen sollte, antworteten 258 (76 %)
positiv. Ablehnend zeigten sich 29 (9 %), und
43 (13 %) konnten sich nicht festlegen. Neunmal
wurde keine Angabe gemacht. Auch bei dieser Frage gab es keine deutlichen
Differenzen zwischen den beiden Personengruppen.
Tab. 3 Gründe
für den Nichtbeginn einer Promotion (Mehrfachantworten
möglich, n = 27).
|
Gründe für den Nichtbeginn
|
betreuerische
|
41 %
|
methodische
|
33 %
|
thematische
|
41 %
|
persönliche
|
56 %
|
zeitliche
|
78 %
|
andere
|
22 %
|
finanzielle
|
41 %
|
Abb. 3 Qualität der Vorbereitung
auf wissenschaftliches Arbeiten durch das Studium (n = 339).
Diskussion
Diskussion
Rücklauf
324 (31 %) der Befragten sandten mindestens
einen „Fragebogen zur Promotionssituation” zurück.
Auf den ersten Blick erscheint dies wenig. Unter der Maßgabe,
dass die meisten Promotionsvorhaben innerhalb von 5 Jahren abgeschlossen
werden [6]
[10] [13]
, sollten folgende Zahlen jedoch
berücksichtigt werden:
-
Nur 38 % aller
Studenten haben 5 Jahre nach dem Studium eine Promotion abgeschlossen [8]
;
-
rund 36 % aller in Berlin tätigen Ärzte
unter 35 Jahren sind promoviert (Mitteilung der EDV-Abteilung der
Berliner Ärztekammer).
Da 31 % der Studenten ihr Promotionsvorhaben
beschrieben, ist somit von einem Rücklauf innerhalb der
betrachteten Gruppe von über 50 % und
damit von einer repräsentativen Umfrage auszugehen. 89 % aller
wissenschaftlichen Einrichtungen der Charité sind durch
die Befragung erfasst worden. 42 (4,1 %) Studenten
antworteten auf den Fragebogen „Keine Promotion”.
Die Ergebnisse innerhalb dieser Untergruppe sind nicht als repräsentativ
zu werten. Anscheinend ist es nicht in ausreichendem Maße
gelungen, die Wichtigkeit auch dieses Teils der Umfrage zu vermitteln.
Insgesamt sind derzeit in Berlin 58 % aller
tätigen Ärzte promoviert (Mitteilung der EDV-Abteilung
der Berliner Ärztekammer). Eine bundesweite Schätzung
aufgrund des Verhältnisses der Promotionen zu den Absolventen
in der Medizin in Deutschland ergab hingegen eine Steigerung von
59 % im Jahr 1985 auf 74 % im
Jahr 1999 [9]. Diese Berechnung vernachlässigt
jedoch den Rückgang der Absolventen in den 90-er Jahren
um 20 % [4], der
diese scheinbare Steigerung der promovierten Ärzte bewirken
könnte. Eine Studie zur Feststellung des tatsächlichen
bundesweiten Anteils der promovierten Ärzte sollte folgerichtig
zur Klärung durchgeführt werden.
Ergebnisse
Da in Deutschland mit Einführung der Juniorprofessur
die Habilitation abgelöst werden soll [11], ist es sehr wahrscheinlich,
dass die Qualität der Promotion zur zukünftigen
Messlatte für eine wissenschaftliche Karriere werden wird.
Gerade auch für den klinisch tätigen Mediziner
ist in Anbetracht von „Evidence-based Medicine” [2] eine Beschäftigung mit
wissenschaftlichen Fragestellungen, z. B. im Rahmen einer
Promotion, von großer Bedeutung. Deshalb liegt ein besonderes
Augenmerk auf der Frage, wie sich erfolgreiche von abgebrochenen
Promotionen unterscheiden, damit nachgerade aus diesen Ergebnissen
Ansatzpunkte für eine Qualitätsverbesserung abgeleitet
werden können.
Die erfolgreichen Promotionsvorhaben zeigten deutliche Differenzen
im Vergleich zu den abgebrochenen Vorhaben. Diese betreffen 1) betreuerische Aspekte und 2) strukturelle Gesichtspunkte. Sehr illustrativ
war in diesem Zusammenhang auch die subjektive Einschätzung
des Bemühens um den Studenten als zukünftigen
Forschungspartner. Es ist des Weiteren davon auszugehen, dass mindestens
jedes fünfte Promotionsvorhaben abgebrochen wird. Die maßgeblichen
Gründe für einen Abbruch sind betreuerischer (86 %)
und methodischer (68 %) Natur. Somit sind für
den Erfolg einer Promotion vor allem eine gute Supervision durch
den Betreuer und eine klare Planung und Strukturierung der Arbeit
wichtig. Dies wird besonders deshalb verständlich, da die
Studenten durch das Studium zu über 75 % gar
nicht oder schlecht auf die Promotion vorbereitet werden. Keine
Verlängerung des Studiums wurde bei einem Sechstel der
erfolgreichen Promotionen beobachtet. Jeweils rund ein Drittel der
erfolgreichen Arbeiten bewirkte eine ein- bzw. zweisemestrige Verzögerung
des Studiums und 6 % kosteten mehr als zwei Semester.
Diese Ergebnisse zeigen einen stärkeren Einfluss der Promotion
auf die Studiendauer als in bisherigen Untersuchungen (keine Studienverlängerung
bei 44 % [6], 52 % [10] bzw.
66 % [13]). Eine stärkere
Integration der Promotion ins Studium und dadurch gewährleistete
bessere Vorbereitung könnte eine günstigere zeitliche
Effizienz bewirken. In der Gruppe der abgebrochenen Promotionen
sind im Vergleich der Geschlechter tendenziell häufiger
Frauen vertreten (p = 0,112). Ein derartiger Unterschied
zu Ungunsten der Frauen ist somit denkbar, jedoch nicht nachgewiesen.
Besonderer Nachholbedarf bei der Vorbereitung auf die Promotion
wurde vor allem in den Teilbereichen: Statistik, Literaturrecherche
und Arbeit mit dem Computer und im Labor gesehen. Aber auch ein
schriftlicher Promotionsvertrag, der beiderseitige Rechte und Pflichten
definiert, traf bei über 75 % auf Zustimmung.
Die Tatsache, dass die Promotionsordnung und noch stärker
die Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis
nur zu 49 bzw. 9 % allen Befragten bekannt waren,
gibt entsprechend Anlass zur Sorge. Auf die Vermittlung von derartigen
rechtlichen Grundlagen und Grundsätzen für das
tägliche Handeln wird anscheinend nicht ausreichend geachtet.
Der www-Promotionskatalog wurde bisher nur einem Viertel der Studenten
als Medium vermittelt. Folglich spielt diese ideale Kommunikationsmöglichkeit
auch bei der Suche nach Angeboten kaum eine Rolle, vielmehr sind
der persönliche Kontakt und Aushänge die häufigen
Wege zu einem Promotionsthema.
Fazit
Die vorliegende Studie zeigt, dass es vor allem darum gehen muss,
die betreuerische und strukturelle Qualität von Promotionsvorhaben
zu erhöhen. Dazu sollten folgende Punkte realisiert werden:
-
vorbereitende und begleitende
Kursangebote zum Einstieg in wissenschaftliches Arbeiten [5],
-
stärkere Integration der Promotion in den Studienablauf unter
Beibehaltung des derzeitigen Systems der fakultativen studentischen
Forschung,
-
Promotionsverträge zur genauen Definition der
beiderseitigen Verpflichtungen und Festlegung der Zielstellung der Forschungsarbeit,
-
bessere Vermittlung der rechtlichen und praktischen Grundlagen,
z. B. auf dem Weg der Vereinfachung derselben durch Reduktion
auf Kernsätze,
-
kontinuierliche Evaluation der Betreuung.
Wissenschaftsstandorte und deren Zukunft wird durch die Qualität
des Nachwuchses maßgeblich determiniert. Deshalb wird es
entscheidend sein, die medizinische Promotion bei gleich bleibender
zeitlicher Flexibilität stärker in den Studienablauf
zu integrieren. Nur dann kann es gelingen - stärker als
bei den konkurrierenden MD/PhD-Modellen - neben
der Qualität auch die kritische Masse exzellenter Nachwuchswissenschaftler
zu erreichen.
Danksagung: Mein Dank gilt R. Siewczynski
und PD C. Dewey für ihre inhaltliche Unterstützung
bei der Planung der Untersuchung; A. Ruszczynski, I. Petruschke,
A. Lasch, E. Zimmermann und E. Schönenberger für
ihre Hilfe bei der Organisation der Studie und den anonymen Gutachtern
für ihre hilfreichen Kommentare. Außerdem möchte
ich der Ständigen Kommission für Lehre und Studium
der Charité für die finanzielle Förderung
der Durchführung der Studie danken.