Ich hatte bis heute drei Psychosen. Die erste vor 12 Jahren. Damals fand ich relativ
schnell wieder in ein normales Leben zurück. Ich konnte zu Hause bei meinen Eltern
bleiben, ein Klinikaufenthalt wurde vermieden. Niemand außer meiner Familie und meinem
damaligen Freund erfuhr von meiner Krankheit. Es gelang mir, diese über ein gutes
Jahrzehnt zu verheimlichen. Ein halbes Jahr nach meinem Zusammenbruch arbeitete ich
wieder 100 %. Meine Medikamente setzte ich ab. Etwas später begann ich eine Ausbildung,
die ich dann auch erfolgreich abschloss.
Die Angst vor einem Rückfall begleitete mich während diesen Jahren, ebenso meine gesteigerte
Verletzlichkeit. Nur mit Mühe schaffte ich die Herausforderungen, die auf mich zukamen.
Mein Zustand war oft von depressiven Verstimmungen und Ängsten geprägt. Ich war für
mein Umfeld wohl ein schwieriger Mensch. Aber kaum jemand hat geahnt, dass ich unter
einer so schwer wiegenden Problematik litt.
Im Januar 1999 geriet ich in eine schwierige Stresssituation durch den Wechsel meiner
Arbeitsstelle. In der ersten Woche der Probezeit wurde ich psychotisch. Ich meldete
mich krank und hatte zwei Tage später eine fristlose Kündigung im Briefkasten. Auch
damals stand ich die Psychose mit Hilfe von Freunden und der Familie, insbesondere
meiner Mutter, zu Hause durch. Von einer Ärztin wurde ich ambulant mit Medikamenten
behandelt.
Diesmal gelang es mir nicht mehr, Fuß zu fassen. Meine berufliche Situation erschien
mir aussichtslos. Durch die fristlose Kündigung verfiel mein Anspruch auf Krankentagegeld
und bei Invalidität auf eine Rente aus der Pensionskasse. Monatelang litt ich unter
schwersten Depressionen. Mein soziales Netz war zusammengebrochen, ich hatte meine
Situation nicht ein zweites Mal verheimlichen können. Meine Freunde und auch mein
damaliger Lebensgefährte wendeten sich von mir ab. Meine Befangenheit und die Scham
über meine Situation machten es schwierig, Kontakt mit mir zu haben. Die Frage, lohnt
es sich, mit dieser Krankheit und ihren Folgen zu leben, begleitete mich Tag für Tag.
Eine neue Stelle zu suchen war in dieser Situation unmöglich. Meine finanzielle Lage
drängte mich zu einer Anmeldung bei der IV. Ich bekam schließlich IV-Tagegelder und
startete einen Versuch für eine Wiedereingliederung.
Zudem hatte ich jetzt einen Therapeuten, der mich auch gegen meine Depressionen mit
Medikamenten behandelte. Langsam erholte ich mich, die Arbeit gab mir eine Struktur,
und alles ging soweit gut, bis man von mir verlangte, aus dem geschützten Rahmen herauszutreten
und eine Praktikumsstelle in der freien Wirtschaft zu suchen. Zu diesem Druck von
außen kam ein innerer Druck hinzu, den ich mir selbst auferlegte. Ich wollte um jeden
Preis diesen Schritt schaffen. Wieder zu den Normalen gehören, hinaus aus dem Ghetto,
der sozialen Institution, in der ich mich befand.
Ich las Studien über den Erfolg von Wiedereingliederung psychisch kranker Menschen
und wurde dadurch sehr ernüchtert. Bekanntlicherweise ist die Wiedereingliederung
mit Hilfe der IV und der dafür geschaffenen Institutionen sehr schwierig. Meine Krankheit
war inzwischen aktenkundig. Ich hatte nicht nur Gelder von der IV, sondern auch vom
Sozialamt bezogen. Eine Arbeit, die meiner Ausbildung und meinen Fähigkeiten entsprechen
würde, war für mich unerreichbar geworden. Dazu kam, dass ich wieder die Medikamente
absetzte, sobald sich eine leichte Besserung eingestellt hatte. Ich war nicht vorsichtig
genug und überschätzte mich ein weiteres Mal. Dies war ein Fehler, den ich heute nicht
mehr machen würde. Aber ich denke, dass ich all diese Erfahrungen durchlaufen musste,
um einzusehen, dass ich vorläufig den Schutz der Medikamente brauche.
Schließlich fiel ich wieder in eine lähmende Depression. Ich dachte an Suizid und
ließ mich durch meinen Psychiater in die Klinik einweisen. Aufgrund meiner Einweisung
brach man die Wiedereingliederung ab und ich wurde berentet. Die Tatsache, dass ich
jetzt IV-Rentnerin war, belastete mich so sehr, dass sich mein Zustand weiter verschlechterte
und ich zum dritten Mal psychotisch wurde.
Nach meinem Austritt aus der Klinik wurde ich kurze Zeit später in der gleichen Institution
auf einem geschützten Arbeitsplatz beschäftigt.
Wie aus meiner Geschichte ersichtlich wird, kenne ich beide Seiten. Einerseits mit
der Krankheit zu leben, ohne dass es meine Mitmenschen wissen und andererseits das
Herausgeworfen-werden aus dem gesellschaftlichen Rahmen von Arbeit und Beziehungen.
Ebenso habe ich die Welt der IV, der Klinik, des Sozialamtes und der sozialen Institution,
in welcher ich die Wiedereingliederung versuchte, kennen gelernt. Dort war von Anfang
an bekannt, dass ich unter psychischen Schwierigkeiten leide. Die Leute waren es gewohnt,
mit meinesgleichen umzugehen. Dies hat natürlich auch zur Folge, dass man Urteile
und Vorurteile entwickelt, die nicht in jedem Fall zutreffend sind. Jeder Mensch ist
ein Individuum mit seinen Schwächen und Fähigkeiten. Dies trifft auch auf psychisch
kranke Menschen zu. In einer Institution diesen Unterschieden gerecht zu werden, fordert
den Betreuenden viel ab. Meiner Erfahrung nach sind diese Anforderungen oft fast nicht
zu bewältigen. Ob es nun an der mangelnden Ausbildung oder an den menschlichen Qualitäten
der Betreuenden fehlt, auf jeden Fall ist es für mich zu diskriminierenden Situationen
und Äußerungen gekommen. Ich kam soweit, dass ich die Entscheidung fällte, einen Weg
ohne geschützten Arbeitsplatz zu versuchen. Natürlich wäre es auch für mich einfacher,
wenn mein Alltag durch eine Arbeit strukturiert wäre, aber die Art und Weise, wie
ich diese Institution erlebt habe, hat bei mir das Gefühl ausgelöst, völlig wertlos
und ein Mensch zweiter Klasse zu sein. Ich konnte dieses Gefühl nicht bewältigen und
befürchtete, in einen Strudel hineinzukommen, in dem alle meine Möglichkeiten und
positiven Seiten verschluckt würden. Meine Behinderung stand Tag für Tag im Vordergrund
und ich erkannte, dass diese Situation sich negativ auf einen allfälligen Heilungsprozess
auswirkte. Außerdem hatte ich auch keine Freude an meinen Aufgaben. Da ich über Erfahrung
im Bürobereich verfüge, setzte man mich in der Buchhaltung ein, obwohl mein eigentlicher
Beruf ein gestalterischer ist. Ich verlor jede Hoffnung und jeden Antrieb und ließ
mich in eine lähmende Apathie hineinfallen, die meine ganze Identität aufzufressen
drohte.
Mit ein wenig Distanz zu dieser Zeit und aufgrund der unterschiedlichen Erfahrungsberichte
Betroffener im Psychoseseminar sehe ich heute, dass der geschützte Arbeitsplatz für
jeden eine andere Bedeutung hat. Es gibt durchaus Menschen, die damit gut fahren und
es vorziehen, diese angebotene Struktur zu nützen. Ich spreche demnach von einer subjektiven
Erfahrung und will die Bemühungen der Sozialpsychiatrie nicht generell kritisieren.
Ich machte also wie gesagt die Erfahrung, dass das Verheimlichen und Verstecken der
Krankheit vor Stigmatisierung schützt, aber zugleich viel Kraft kostet und dass Leute,
die von der Krankheit eines Betroffenen wissen, ihm oft mit Vorurteilen oder Halbwissen
begegnen. Das Verheimlichen hatte bei mir zur Folge, dass ich selbst versuchte, meine
Schwäche zu verdrängen und ein normales Leben zu führen. Es ist immer noch schwierig,
für mich zu realisieren, dass ich krank war und auch in meinen gesunden Phasen auf
mich aufpassen muss. Heute weiß ich, dass ich früher zu hart mit mir verfuhr, dass
ich es unterließ, mich zu schützen und dass ich meine Bedürfnisse zu wenig ernst genommen
habe und mich in Herausforderungen hineinbegeben habe, die ich aufgrund meiner Beeinträchtigung
nicht bewältigen konnte.
Das nicht mehr Verstecken-Können meiner Schwierigkeiten führte zu Situationen, in
welchen ich mich stigmatisiert fühlte. Meine scheinbar ausweglose Lage hatte zur Folge,
dass ich mich selbst verurteilte. Die brutale Art, wie ich aus meinem Leben hinausgeworfen
wurde, löste bei mir eine tiefe Hoffnungslosigkeit aus.
Ich arbeite heute noch daran, aus dieser schwierigen Situation herauszukommen. Ich
denke, dass der erste Schritt, um mit Vorurteilen umzugehen, die Arbeit an mir selbst
sein muss. Dies ist ein zäher Prozess, der darauf abzielt, meinem Leben, so wie es
ist, einen Sinn abzugewinnen. Es ist der Kampf gegen die Depression, die mir sagt,
dass alles keinen Sinn hat und dass meine Situation zu schwierig und ich zu schwach
bin, um ein solches Leben zu bewältigen. Der Prozess heißt auch loslassen, was ich
einmal war und erforschen, was heute möglich ist für mich. Vor allem arbeite ich an
einem neuen Selbstwertgefühl. Mein altes Selbstwertgefühl wurde durch die oben geschilderten
Ereignisse fast vollständig zerstört. Nicht eigentlich die Krankheit schneidet mein
Leben in zwei Hälften, in ein Vorher und ein Nachher. Es ist der Verlust meiner sozialen
Identität, eben die Stigmatisierung.
Die Angst vor Stigmatisierung bewirkt bei mir, dass ich dagegen ankämpfen muss, mich
nicht einfach zurückzuziehen und den Menschen aus dem Weg zu gehen. Nach meiner ersten
Psychose hatte ich ein normales Leben, hinter dem ich meine Krankheit verstecken konnte.
Ich hatte einen Alltag mit Freunden und Bekannten, mit einem Beruf. All das bot Gesprächsstoff.
Heute ist das nicht mehr so. Es gelingt mir z. B. nicht, einfache Fragen wie: „Was
machst du beruflich?” ohne Stress zu beantworten. Das Lügen und Verschweigen wird
zur Qual, zum Verleugnen von dem, was ich in Wirklichkeit bin. Dies ist eine große
Anstrengung, für welche ich die Kraft nicht habe und nicht haben will. Denn es ist
meiner Meinung nach schwierig, wenn nicht unmöglich, auf einer solchen Basis Beziehungen
aufzubauen. Die Krankheit gehört zu mir, sie ist ein Teil meines Wesens, und ich möchte
als das, was ich bin, gesehen und akzeptiert sein. Auch habe ich tief in mir das Gefühl,
dass meine Krankheit nichts Schlechtes ist, für das ich mich verstecken müsste. Und
doch den Mut, offen damit umzugehen, habe ich (noch) nicht. Manchmal frage ich mich,
ob ich da einen Fehler mache. Ich kenne Leute, die offen über ihre Psychosen sprechen
und behaupten, gute Erfahrungen zu machen.
Ich stehe heute noch nahe bei meiner letzten Psychose. Ein gutes Jahr ist seither
vergangen. In diesem Jahr habe ich gelernt, meine Ungeduld zu bezähmen. Ich habe gelernt,
dass der Prozess des Akzeptierens und damit Umgehens Zeit braucht. Ich versuche mein
Leben, so wie es ist, anzunehmen, denn ich habe begriffen, dass ich nur dieses Leben
habe.
Stigmatisierung von innen und von außen bedeutet für mich eine zusätzliche Belastung,
eine Schwierigkeit, meine eigentliche Krankheit anzunehmen und zu verarbeiten. Die
Stigmatisierung ist eine Begleiterscheinung. Manchmal empfinde ich sie wie eine Strafe.
Bin ich schuldig, dass mich die Gesellschaft mit Ächtung bestraft? Alles was ich in
meinem Leben erreicht habe, alles was ich als Mensch bin, wird durch diese Krankheit
infrage gestellt. Von mir selbst, da ich auch konkret den Verlust meiner Fähigkeiten
erlebe und auch von anderen. Etwas dramatisch ausgedrückt, habe ich manchmal das Gefühl,
gestorben zu sein und trotzdem weiterleben zu müssen.
Wenn man mich röntgen würde, könnte man diese Krankheit nicht sehen. Ich hinke nicht
und habe kein Geschwür. Ich habe gelernt, dass das Fremde meines Leidens Angst macht.
Es ist unberechenbar, schillernd und unfassbar. Seit jeher wurde diese Krankheit tabuisiert.
Jeder 100. Mensch wird im Verlauf seines Lebens davon befallen, und doch kennen die
wenigsten jemand, der sie hat. Man hat Angst, sie zu benennen, darüber zu sprechen.
Betroffene und Angehörige bleiben damit allein. Dies ist eine schwere Bürde.
Ich habe versucht mich kundig zu machen, mich mit der Psychose auseinander zu setzen.
Ich las Bücher und informierte mich im Internet. Doch es ist schwierig, dieser Krankheit
eine Gestalt zu geben. Viele Fragen bleiben offen. Es tauchen Widersprüche auf, und
mir ist klar geworden, dass ich schlussendlich kein genaues Bild davon bekommen kann,
was denn eigentlich mit mir geschehen ist. Auch mein Therapeut muss mich in wesentlichen
Punkten auf mich selbst zurückwerfen. Wie steht es mit der Diagnose, mit der Prognose?
Diese und viele andere Fragen können nicht schlüssig beantwortet werden.
Vor kurzem ist mein Vater gestorben. Ich habe gestaunt, wie groß der Beistand unserer
Bekannten und Verwandten war. Aber wir konnten über unser Leid sprechen, es gab nichts
zu verbergen. Die Leute konnten uns verstehen, Mitgefühl empfinden und Trost spenden.
Seit zwei Jahren leide ich nun wieder akut unter meiner Krankheit. Nicht dass ich
akut psychotisch wäre. Es sind die Folgen der Psychose, die mir zu schaffen machen.
Es ist die Einsamkeit, die Ratlosigkeit, das Fehlen einer Aufgabe in meinem Leben,
der ich mich widmen könnte. Folgen der Krankheit oder Folgen der Stigmatisierung?
Ich bin heute bereit, mit Menschen über meine Beeinträchtigung zu sprechen, d. h.
ich könnte darüber sprechen, wenn ich einen Raum dafür finden würde. Im Psychoseseminar
ist ein solcher Raum entstanden. Meine Krankheit ist hier das Thema. Ich treffe auf
Menschen, die in ihrem Leben, sei es als Angehörige, Fachleute oder Betroffene, damit
konfrontiert wurden und werden. Diese Art von Gespräch ist wichtig für mich. Es unterscheidet
sich in seiner Qualität vom Gespräch mit meinem Therapeuten. Ich lerne hier andere
Meinungen, andere Erfahrungen kennen und wie unterschiedlich der Umgang mit der Krankheit,
das Erleben der Krankheit sein kann. Dies alles ist für mich eine wertvolle Erfahrung.
Es gibt mir das Gefühl, nicht alleine zu sein mit meinem Leiden. Ich erhalte Anstöße
und erlebe Mitgefühl.
Meine Mutter hat mich ins Psychoseseminar begleitet. Sie war immer für mich da. Der
Kontakt mit anderen Müttern, die in ebenso liebender und aufopfernder Weise ihre oft
schon erwachsenen Söhne und Töchter unterstützen und ihnen zur Seite stehen, spiegelt
mir den Einsatz meiner Mutter, ihren Kampf um mich. Einmal mehr weiß ich dadurch ihre
Leistung zu würdigen.
Wie ich selbst hat auch sie Mühe, mit Freunden und Bekannten über meine Krankheit
zu sprechen, auch sie musste lernen, alleine damit umzugehen. Nicht dass unsere Verwandten
und Freunde keinen Anteil nehmen würden. Es geht vielmehr darum zu verhindern, dass
das Unfassbare der Psychose eine Projektionsfläche bietet, Grund für Vorurteile und
Stigmatisierung. Also vermeidet es auch meine Mutter, mit andern über mich zu reden.
So werden die Angehörigen von der Stigmatisierung mitbetroffen, auch sie sind gezwungen,
vieles mit sich selbst auszumachen.
Wie es Dr. Finzen in seinem Buch über Psychose und Stigma beschreibt, zeigt auch meine
Erfahrung, dass die Stigmatisierung auf drei Weisen zuschlägt. Die Stigmatisierung,
die aus mir selbst kommt, die Stigmatisierung von außen durch die Gesellschaft und
die Stigmatisierung, die die Angehörigen trifft.
Ich persönlich frage mich, ob es einen Sinn hat, die Welt verändern zu wollen, indem
man die Stigmatisierung durch die Gesellschaft zu bekämpfen versucht. Die Tabuisierung
von Psychose und Schizophrenie ist zu groß, zu sehr mit uralten Bildern und Ängsten
verwachsen, um sie in kurzer Zeit aus der Welt zu schaffen. Mein Ziel ist es, v. a.
der Stigmatisierung, die ich mir selbst antue, entgegenzuwirken. Dabei bin ich auf
Menschen angewiesen, die mich so akzeptieren wie ich bin, die mich als Ganzes wahrnehmen,
mit meinen gesunden und meinen schwierigen Anteilen. Ich bin auf die Offenheit der
Fachpersonen angewiesen, die mich behandeln, auf einen Therapeuten, der in mir einen
Menschen sieht und mich nicht auf meine Krankheit reduziert. Und ich bin auf Unterstützung
angewiesen, in meinem Bestreben um Selbständigkeit und dem Entwickeln von Lebenskraft
und dem Mut, mein Schicksal anzunehmen.
Gelingt es mir selbst, eine neue Einstellung zu meiner Krankheit zu finden, dann kann
ich hoffen, die Kraft zu erhalten, den Urteilen und Vorurteilen meiner Mitmenschen
entgegenzutreten. Ich glaube daran, dass meine eigene Haltung vieles entkrampfen kann
und dass ich dann den Mut habe, herauszufinden, wer für eine Begegnung offen ist.
Bestimmt gibt es Menschen, die mich nicht verurteilen würden, wenn ich nur den Mut
hätte, mit ihnen über mich zu sprechen. Meine eigene Einstellung muss mir aber auch
die Kraft geben, mit Misserfolgen umzugehen. Ich muss lernen, Diskriminierungen und
Beleidigungen bei den anderen zu lassen und mir zu sagen, dass sie es nicht besser
wissen, anstatt mich selbst zu untergraben, zu zweifeln und darunter zu leiden.
Zum Schluss möchte ich noch sagen, dass ich sowohl Ablehnung, Diskriminierung und
Stigmatisierung wie auch Zuneigung, Hilfe und Anerkennung der Leistung, die es ist,
mit dieser Krankheit zu leben, erfahren habe. Heute ist es so, dass ich mehr und mehr
daran arbeite, meinen Lebensweg zu akzeptieren, wie er ist, meine Möglichkeiten zu
entwickeln, auch wenn diese beschränkt sind und mich meinem Schicksal zu stellen,
das mir sinnlos erschien.
Anonym. Die Autorin ist Mitglied des Basler Psychose-Seminars