Anamnese: Bei einer 79-jährigen,
rüstigen Patientin traten etwa um 11.30 Uhr erstmals heftige
linksthorakale Schmerzen mit Ausstrahlung in den linken Arm aus
der Ruhe heraus auf. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Patientin im
Alltag beschwerdefrei belastbar; es bestand keine Angina pectoris-Symptomatik. Der
Notarzt gab Nitrospray s. l., 500 mg ASS i. v.
(Aspisol®) und 5000 IE unfraktioniertes Heparin
i. v. (Liquemin®). Darunter besserten
sich die Beschwerden; bei Aufnahme in eine periphere Klinik war
die Patientin jedoch nicht komplett beschwerdefrei. Bei der Patientin
waren kein Diabetes mellitus und keine kardialen Vorerkrankungen
bekannt. An kardiovaskulären Risikofaktoren bestanden ein
medikamentös gut eingestellter arterieller Hypertonus und
eine medikamentös behandelte Hypercholesterinämie.
Aufnahmebefund: Die Patientin (165 cm,
79 kg) befand sich in gutem Allgemein- und Ernährungszustand.
Der Kreislauf war stabil, der kardiopulmonale Untersuchungsbefund
unauffällig. Das EKG ergab einen
Sinusrhythmus, Herzfrequenz 84/min, Linkstyp, ST-Streckensenkungen > 2
mV in V4-V6, sonst eine unauffällige
Herzstromkurve und regelrechte Messzeiten. Laborchemisch waren
CK 96 U/l (Norm 10-70 U/l), LDH 243 U/l
(Norm 120-240 U/l) und Troponin T 0,92 ng/ml
(Norm < 0,08 ng/ml)
erhöht. Die übrigen Parameter lagen im Normbereich.
Verlauf: Zur weiteren Therapie wurde
eine Dauerinfusion von 900 IE/h unfraktioniertem Heparin
i. v. (Liquemin®) und eine Dauerinfusion mit
einem Nitropräparat 3 mg/h i. v.
(Isoket®) verabreicht. Zusätzlich erhielt
die Patientin eine orale Betablockertherapie. Darunter besserte sich
die Symptomatik weiter. Die Patientin war aber nicht beschwerdefrei,
so dass sie noch am selben Tag zur weiterführenden invasiven Diagnostik
in eine Klinik mit Herzkatheterlabor verlegt wurde.
Befund bei Übernahme und weiterer
Verlauf: Bei Übernahme (ca. 16.30 Uhr) klagte die
Patientin weiterhin über thorakale Schmerzen. Der klinische
Untersuchungsbefund war bei stabilen Kreislaufverhältnissen
unauffällig, es waren keine relevanten ventrikulären Herzrhythmusstörungen
aufgetreten. Das EKG zeigte unverändert zum vorangehenden
Befund ST-Streckensenkungen in V4-V6.
Laborchemisch bestand nun eine deutliche Erhöhung der kardialen Marker
CK (972 U/l, Norm 140 U/l), CK-MB (143 U/l,
Norm 24 U/l), LDH (452 U/l, Norm 135-214
U/l) und Troponin T (1,21 ng/ml, Norm < 0,08 ng/ml).
Nach Übernahme wurde sofort, zusätzlich zu
der bestehenden Therapie, ein GP IIb/IIIa-Antagonist (Tirofiban,
Aggrastat® 3,2 ml (10 µg/kgKG)
als Bolus mit nachfolgender Dauerinfusion von 2,9 ml/h (2 µg/kg
KG pro min)) gegeben. Auf die Gabe von Clopidogrel wurde zunächst
verzichtet, da eine sofortige Koronarangiographie vorgesehen war.
Diese konnte um 17.15 Uhr begonnen werden und erbrachte den Befund
einer koronaren Zweigefäßerkrankung mit führender
hochgradiger Bifurkationsstenose des Ramus circumflexus (RCX) und
des ersten Ramus marginalis (RM1) sowie einer weiteren 80 - 90 %-Stenose
des Ramus interventricularis anterior (RIVA). Es erfolgte die interventionelle
Therapie mit primärer Stentimplantation (Zeta Multi Link
3,0/8 mm, Guidant®) in den
RCX und ebenfalls primärer Stentimplantation (Zeta Multi
Link 3,0/8 mm, Guidant®) in
den RIVA mit gutem Ergebnis. Bei Beendigung der Prozedur um 18.30
Uhr war die Patientin beschwerdefrei. Noch auf dem Untersuchungstisch
erhielt sie eine Sättigungsdosis Clopidogrel (4 Tabletten
Iscover®, Plavix®). Der
weitere Verlauf gestaltete sich komplikationslos, und die Patientin
war beschwerdefrei auf Stationsebene belastbar. Die ST-Streckenveränderungen
bildeten sich deutlich zurück, und die Patientin konnte
am folgenden Tag in die zuweisende Klinik zurückverlegt
werden.
Therapieempfehlung bei Verlegung: Niedermolekulares
Heparin für 3 Tage, Acetylsalicylsäure 100 mg
tgl. lebenslang, Clopidogrel 75 mg tgl. für 9
Monate, Atorvastatin 20 mg tgl., Metoprololsuccinat 98,5 mg
tgl., Ramipril 5 mg tgl., Hydrochlorothiazid 25 mg
tgl.
Diagnosen: 1) Akutes Koronarsyndrom
mit nicht ST-Hebungsinfarkt. 2) Koronare
Zweigefäßerkrankung mit hochgradigen Stenosen
des Ramus circumflexus und des Ramus interventricularis anterior. 3) Arterielle Hypertonie.