Einleitung
Subunguale Exostosen kommen vorzugsweise an den Zehen, selten an den Fingern vor.
Trauma scheint die Hauptursache dieser reaktiven Veränderung zu sein, wobei die Ätiologie
bis heute noch nicht gänzlich geklärt ist [2 ]
[9 ]. Manchmal kann ein frakturiertes und disloziertes Knochensegment am Endglied eine
Exostose vortäuschen. Es ist nicht bekannt, ob das subunguale Osteochondrom eine eigene
Entität darstellt. Subunguale Exostosen sind gutartige Auswüchse an der Endphalanx,
die einen knöchernen Kern und eine fibrokartilaginäre Bedeckung aufweisen.
Subunguale Exostosen sind oft schmerzhaft und können die Nagelplatte anheben oder
zum Einwachsen des Nagels führen. Sie sind bei jungen Menschen häufig, besonders an
der Großzehe. Die Palpation zeigt einen knochenharten Tumor, der durch eine Röntgenaufnahme
bestätigt werden sollte. Die darüber liegende Epidermis ist oft überdehnt und weist
ein glattes glänzendes Aussehen auf. Bei Ulzeration kann es zur Sekundärinfektion
kommen. Dadurch gibt es gelegentlich differenzialdiagnostische Probleme.
Die Diagnose wird aufgrund der knochenharten Konsistenz und des radiologischen Befunds
gestellt.
Die histologische Untersuchung zeigt eine knöcherne Veränderung mit einer fibrokartilaginären
Kappe. Auch histologisch ist keine eindeutige Unterscheidung zwischen einer subungualen
Exostose und einem Osteochondrom, das eine hyaline Knorpelkappe hat, möglich [8 ]. Traumatische subunguale Exostosen sind gewöhnlich solitäre Veränderungen. Multiple
Exostosen, die die Phalangen betreffen, werden selten auch beim Syndrom multipler
Exostosen (diaphysiale Aklasie) gesehen.
Aufgrund zahlreicher differenzialdiagnostischer Möglichkeiten kann die Diagnose der
subungualen Exostose schwierig sein (Tab. [1 ])
Tab. 1 Differenzialdiagnosen
1. subunguale Warze
2. eingewachsener Zehennagel
3. bakterielle Infektion
4. Fibrokeratom
5. myxoide Pseudozyste
6. Plattenepithelkarzinom
7. Enchondrom
8. Glomustumor
9. Granuloma pyogenicum
10. subunguales Melanom
Anamnese
Seit etwas 1œ Jahren leide der 17-jährige Patient an einer Veränderung seines linken
Großzehennagels. Dieser habe sich beginnend mit einem kleinen Knoten an der Zehenspitze
immer mehr verändert, bis die Nagelplatte sich verformt habe und zunehmende Schmerzen
auftraten. Ein Trauma sei ihm nicht erinnerlich. Als Schüler nehme er regelmäßig am
Sportunterricht teil, bevorzugt spiele er Basketball, dies nimmt auch einen großen
Teil seiner Freizeitaktivitäten ein. Die Vorstellung in unserer Klinik erfolgte wegen
des zunehmend schmerzhaften Beschwerdebildes und der beginnenden Entzündung.
Befund
Es fand sich am lateralen Nagelwall ein derber, steinharter, teils erosiver etwa 2
cm messender verdrängend wachsender Knoten (Abb. [1 ]). Aufgrund der zu 20 % verformten Nagelplatte konnte ein längeres Wachstum diagnostiziert
werden. In der Umgebung zeigte sich eine mäßiggradige Entzündungsreaktion.
Abb. 1 Subunguale Exostose bei einem 17-jährigen Patienten.
Therapie und Verlauf
Zur Diagnosesicherung und weiteren Operationsplanung erfolgte eine Röntgenuntersuchung
([Xeroradiographie] Abb. [2 ]) der linken Großzehe in zwei Ebenen. Unter perioperativer Antibiose mittels Clindahexal
3x600 mg/die über 10 Tage führten wir in Leitungsanästhesie nach Oberst (mittels 4
ml Ropivacain, Naropin®) die Exstirpation des knöchernen Tumors durch (Abb. [3 ]). Der Defekt wurde durch perkutane Naht verschlossen (Abb. [4 ]). Der weitere Heilungsverlauf blieb bei täglicher Wundkontrolle und regelmäßigem
Verbandswechsel (alle 2 Tage) komplikationslos. Abschließend erfolgte eine Kontrollxeroradiographie
(Abb. [5 ]). Die Wahl des Lokalanästhetikums Ropivacain erfolgte wegen seines guten Wirkungseintrittes
und seiner besonders langen Analgesie.
Abb. 2 Xeroradiographie vor Operation.
Abb. 3 Intraoperative Ansicht, nach Entfernen der Exostose.
Abb. 4 Verschluss des Defektes mittels perkutaner Naht durch die Nagelplatte und Einlage
von Leukasekegeln®.
Abb. 5 Kontrollaufnahme des Operationsergebnisses.
Diskussion
Subunguale Exostosen stellen keine echten Tumoren, sondern seltene Auswachsungen des
normalen Knochens dar. Nach einer Reihenuntersuchung von Dahlin u. Unni (1986) [1 ] fanden sich unter 6034 ossären Veränderungen an der Endphalanx nur 60 Patienten
mit Exostosen. Differenzialdiagnostisch (Tab. [1 ]) sollten daher vor allem die subunguale Warze, myxoide Pseudozyste, das Enchondrom,
Plattenepithelkarzinom, Fibrokeratom und Glomustumor abgegrenzt werden. Ebenso können
Exostosen im Verlauf das Bild eines eingewachsenen Zehennagels, einer bakteriellen
Infektion oder das eines Granuloma pyogenicum aufweisen. Ein subunguales Melanom sollte
immer ausgeschlossen werden. Bisher finden sich keine Berichte, bei denen subungale
Exostosen maligne entartet sind.
Sie entstehen in der Regel als kleine Ausziehungen der distalen Phalanx. Im Verlauf
ihres Wachstums können sie die Nagelplatte verformen oder sogar zerstören. Nach Durchbrechen
der Nagelplatte erscheint ihre Oberfläche erosiv und es kann zu einer sekundären Infektion
kommen. Oft sind sie ab diesem Zeitpunkt schmerzhaft, was den Patienten zum Arzt führt.
Betroffen sind meist die Großzehen junger Erwachsener oder Sportler. Lemont und Christman
[6 ] stellten 1990 erstmals eine Klassifikation der subungualen Exostosen, in einen genetischen
und einen erworbenen Typ, vor.
Die Therapie subungualer Exostosen ist rein chirurgisch [3 ]
[4 ]
[5 ]
[7 ]. Die Operation erfolgt in Lokalanästhesie nach Oberst, wir geben bei allen Operationen
am Nagelorgan Ropivacain, Naropin®, wegen seiner langen analgetischen Wirkung den
Vorzug. Vor dem Eingriff sollte immer eine Xeroradiographie (spezielle Röntgenaufnahme)
oder Röntgenaufnahme zur genauen Lokalisation und Operationsplanung erfolgen. Wenn
die bedeckende Haut nicht überdehnt ist, wird sie inzidiert, ansonsten wird eine spindelförmige
Hautexzision vorgenommen. Die Veränderung wird bis zum Knochen der Phalanx abpräpariert
und mit einem Nagelklipper, einer zweigelenkigen Knochenzange oder einem Meißel abgetragen.
Die Phalanx wird dann geglättet und die Haut wieder vernäht (Abb. [6 ]). Die Fäden werden 10 bis 14 Tage belassen. Die Heilung ist gewöhnlich komplikationslos,
jedoch sollte eine perioperative Antibiotika-Prophylaxe in Erwägung gezogen werden,
wenn die Exostose ulzeriert war [2 ]
[3 ]. Nach der Operation sollte eine erneute Xeroradiographie zur Ergebniskontrolle erfolgen.
Abb. 6 Entfernung des distalen Anteils der Nagelplatte und Exzision der subungualen Exostose.
Beim Syndrom multipler Exostosen ist die Behandlung ungualer Exostosen nicht immer
nötig oder möglich.