Einleitung
Einleitung
Patienten mit pulmonaler Hypertonie gleich welcher Genese haben trotz enormer therapeutischer
Anstrengungen in den letzten Jahren eine deutlich eingeschränkte Prognose [1]. Der Krankheitsverlauf wird vor allem von einer Verschlechterung der rechtsventrikulären
Funktion bestimmt. Kurzfristige Dekompensationen stellen eine vitale Bedrohung dar
und verlangen eine unverzügliche Therapieeskalation. Demgemäß kommt der Kontrolle
des Krankheitsverlaufes in diesem Patientenkollektiv eine besondere Bedeutung zu.
Verlaufskontrollen orientieren sich, abgesehen von der Klinik, an Belastungsuntersuchungen
wie dem 6-Minuten-Lauftest oder der Spiroergometrie [2], an der Analyse der Blutgase sowie der Lungenfunktion einschließlich Diffusionskapazität
und an der echokardiographischen Untersuchung. Im Rahmen der Diagnosestellung, vor
dem Beginn einer neuen Therapie und zur Kontrolle ihrer Effektivität ist eine Rechtsherzkatheteruntersuchung
angezeigt. Dabei ist neben der Messung des pulmonalarteriellen Druckes und Widerstandes
(PAPm, PAR) die Bestimmung von Parametern, wie die rechtsventrikuläre Ejektionsfraktion
(RVEF), das Herzzeitvolumen (HZV) und das Schlagvolumen (SV) wichtig, mit denen die
rechtsventrikuläre Funktion charakterisiert werden kann [3]. Die Verbesserung nicht-invasiver Verfahren zur Verlaufskontrolle bei Patienten
mit pulmonaler Hypertonie wird möglicherweise in Zukunft die Zahl der Rechtsherzkatheteruntersuchungen
verringern. Große Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang der 2D-Dopplerechokardiographie
zu.
Tei u. Mitarb. beschrieben einen Index, der die Summe aus rechtsventrikulärer isovolumetrischer
Kontraktionszeit und aus Relaxationszeit ins Verhältnis zur Ejektionszeit setzt [4]
[5]
[6]. Dieser Index eignet sich zur Charakterisierung der rechtsventrikulären Funktion
und stellt darüber hinaus einen unabhängigen Prognoseparameter bei Patienten mit pulmonaler
Hypertonie dar [4]
[7]
[8]. Der Tei-Index ist damit ein Parameter der sich zur Verlaufskontrolle bei Patienten
mit pulmonaler Hypertonie gut eignet. Wenig untersucht ist bisher, in welchem Verhältnis
der Tei-Index zu Parametern der Rechtsherzkatheteruntersuchung steht [9].
Ziel dieser Arbeit war es daher, Patienten mit pulmonaler Hypertonie unabhängig von
der Genese klinisch, dopplerechokardiographisch und anhand des Rechtsherzkatheters
zu charakterisieren und den Tei-Index mit den invasiv ermittelten Größen zu korrelieren.
Patienten
Patienten
Insgesamt wurden 42 Patienten (mittleres Alter: 53,5 Jahre; 8 Männer, 34 Frauen) am
gleichen Tag mit einem Rechtsherzkatheter und dopplerechokardiographisch untersucht.
Die pulmonale Hypertonie war in 18 Fällen primär und in 17 Fällen thrombembolischer
Genese, in 2 Fällen lag eine portopulmonale Hypertonie vor, bei 3 Patienten lag die
pulmonale Hypertonie sekundär im Rahmen einer Lungenfibrose und bei einer Patientin
begleitend bei einer Sklerodermie vor. Bei einer Patientin lag eine pulmonale Hypertonie
als Folgezustand einer Korrekturoperation wegen Sinus venosus Defektes und einer Lungenvenenfehleinmündung
vor.
Es handelt sich in allen Fällen um eine chronische Erhöhung des pulmonalarteriellen
Druckes. Patienten mit akuter rechtsventrikulärer Dekompensation wurden nicht in die
Untersuchung einbezogen.
Zumeist erfolgte die Rechtsherzkatheteruntersuchung im Rahmen der Erstdiagnostik,
in wenigen Fällen handelte es sich um eine Verlaufskontrolle. Patienten mit einer
koronaren Herzerkrankung bzw. mit einem pulmonalkapillären Verschlussdruck (PCWP)
> 11 mm Hg wurden von der Betrachtung ausgeschlossen.
Bei allen Patienten ließ sich echokardiographisch eine Trikuspidalinsuffizienz nachweisen.
Methoden
Methoden
2D-Dopplerechokardiographie
Alle Patienten wurden am Tag der Rechtsherzkatheteruntersuchung echokardiographisch
untersucht (Ultramark 7, ATL, USA). Um den Einfluss interindividueller Schwankungen
zu verhindern, wurden alle Patienten vom gleichen, mit der Methode seit Jahren vertrauten
Untersucher echokardiographiert. Im Rahmen der 2D-Dopplerechokardiograpie wurde der
Tei-Index bestimmt [4]. Für die Berechnung des Tei- Indexes benötigt man die zeitliche Darstellung der
Flussgeschwindigkeiten in zwei verschiedenen Schnittebenen: Im Ausflusstrakt des rechten
Ventrikels und im apikalen 4-Kammerblick. Bei der Registrierung des trikuspidalen
Einflussgeschwindigkeitsprofils im apikalen 4-Kammerblick wird das Messvolumen des
gepulsten Dopplers während der Diastole in die Spitzen der Klappensegel positioniert.
Um die Ejektionszeit in der parasternalen kurzen Achse zu messen, muss das Messvolumen
im rechtsventrikulären Ausflusstrakt kurz vor der Pulmonalklappe positioniert werden.
Die Dopplerdaten wurden auf Videoband gespeichert. Bei der Berechnung des Indexes
wurden mindestens 5 Herzaktionen gemittelt. Die Summe der Zeiten für isovolumetrische
Kontraktion und Relaxation dividiert durch die Ejektionszeit bildet den Tei-Index
[4].
Rechtsherzkatheter
Nach entsprechender Aufklärung und Vorbereitung wurde die Rechtsherzkatheteruntersuchung
bei allen Patienten in gleicher Weise über die rechte Vena jugularis interna in modifizierter
Seldinger-Technik durchgeführt. Für die Bestimmung der rechtsventrikulären Ejektionsfraktion
wurden 7,5 French Swan-Ganz-Katheter verwendet (Right ventricular ejection fraction/volumetric
oximetry TD catheter; Edwards Lifesciences LLC Irvine USA). Die dabei gemessenen Parameter
waren: ZVD; rechtsatrialer Druck, systolischer, diastolischer und mittlerer rechtsventrikulärer
Druck, systolischer, diastolischer und mittlerer pulmonalarterieller Druck, PCWP (jeweils
in mm Hg) und zentralvenöse Sättigung (SVO2 in%). Parallel zur SVO2 wurden jeweils die kapillären Blutgase analysiert. Ein relevantes Shuntvolumen im
präpulmonalen Stromgebiet wurde durch Messung und Vergleich der SVO2 im Blut aus allen drei Katheterlumina ausgeschlossen. Die Bestimmung der RVEF (in
%) und des HZV in l/min erfolgte nach der Thermodilutionsmethode durch Applikation
von 10 ml gekühlter, physiologischer Kochsalzlösung über das proximale, rechts atrial
gelegene Katheterlumen. Die Basisgröße aus der die RVEF berechnet wird, ist die Temperaturänderung
während eines Herzschlages. Zur Registrierung dieser Parameter wurde das ExplorerTM-Multiparameter-Haemodynamik-Überwachungssystem benutzt (Baxter Healthcare Corporation/Edwards
Critical - Care Division, Irvine USA). Gemittelt wurden jeweils die Werte von 5 Messungen.
Aus den gemessenen Parametern ließen sich der PAR (80 × (PAPm - PC)/HZV in dyn · s
· cm-5) und das SV (HZV/Herzfrequenz × 1000 in ml) berechnen. Die Überwachung während der
Untersuchung umfasste den Blutdruck, die transkutan gemessene Sättigung und das Elektrokardiogramm.
Während und nach der Rechtsherzkatheteruntersuchung wurde eine Endokarditisprophylaxe
(mit Cefazolin 2 g i. v.) durchgeführt. Zudem erfolgte über die Katheterschleuse eine
kontinuierliche Heparinisierung.
Statistik
Für die statistische Betrachtung der Daten wurde eine Regressionsanalyse auf der Basis
der pearson product moment correlation durchgeführt (SPSS V. 11.0, SPSS Inc. Chicago,
I., USA).
Ergebnisse
Ergebnisse
Die Tab. [1] zeigt die für das untersuchte Patientenkollektiv ermittelten Parameter der 2D-Dopplerechokardiographie
und der Rechtsherzkatheteruntersuchung. Aus den Ergebnissen ließ sich eine gute Korrelation
des Tei-Index zur RVEF (r = - 0,72; p < 0,001), zur SVO2 (r = - 0,58; p < 0,001) und zum ZVD (r = 0,65; p < 0,001; Abb. [1]
[2]
[3]) ableiten. Eine schwächere Korrelation fand sich für den Zusammenhang von Tei-Index
und SV (r = - 0,52; p < 0,001; Abb. [4]). Der Tei-Index korrelierte weder mit dem pulmonalarteriellen Mitteldruck (PAPm)
noch (r = 0,11) mit dem pulmonalarteriellen Widerstand (PAR) bzw. (r = 0,36).
Tab. 1 Ergebnisse der Rechtsherzkatheteruntersuchung und der 2D-Dopplerechokardiographie
bei 42 Patienten mit pulmonaler Hypertonie
| Parameter |
Mittelwert ± Standardabweichung |
|
Tei-Index
|
0,39 ± 0,08 |
|
RVEF in %
|
19,1 ± 8,6 |
|
SVO2 in %
|
59 ± 11,7 |
|
ZVD in mm Hg
|
8,0 ± 6,1 |
|
SV in ml
|
52 ± 19 |
|
PAPm in mm Hg
|
49 ± 10 |
|
PAR in dyn · s · cm- 5
|
895 ± 379 |
Abb. 1: Korrelation des dopplerechokardiographisch bestimmten Tei-Index zur durch Thermodilution
ermittelten RVEF.
Abb. 2 Korrelation des dopplerechokardiographisch bestimmten Tei-Index zur SVO2.
Abb. 3 Korrelation des dopplerechokardiographisch bestimmten Tei-Index zum ZVD.
Abb. 4 Korrelation des dopplerechokardiographisch bestimmten Tei-Index zum SV.
Eine Komplikation im Rahmen der Rechtsherzkatheteruntersuchung trat nicht auf.
Diskussion
Diskussion
Der Krankheitsverlauf bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie wird wesentlich bestimmt
vom Ausmaß der Beeinträchtigung der rechtsventrikulären Funktion. Der von C. Tei beschriebene
Index, der die rechtsventrikuläre, isovolumetrische Kontraktions- und Relaxationszeit
ins Verhältnis zur Ejektionszeit setzt, ist in besonderem Maße geeignet, die rechtsventrikuläre
Funktion zu beschreiben [4]
[8]. Dieser Index stellt einen unabhängigen Prognoseparameter nicht nur für Patienten
mit Herzinsuffizienz, sondern auch für Patienten mit pulmonaler Hypertonie dar [10]
[5]
[6]
[7]. Darüber hinaus bietet ein nicht-invasiver echokardiographischer Parameter den Vorteil
der Möglichkeit zur ambulanten Verlaufskontrolle. Dies war für uns der Anlass, den
Zusammenhang zwischen Tei-Index und Parametern der Rechtsherzkatheteruntersuchung
bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie zu untersuchen. In einem Tiermodell wurde
bei Ferkeln mit hypoxisch induzierter, akuter pulmonaler Hypertonie eine Korrelation
zwischen dem Tei-Index und dem PAPm gezeigt [9]. Diese tierexperimentellen Daten stehen im Gegensatz zu der klinischen Beobachtung,
dass die chronische Verschlechterung der rechtsventrikulären Funktion häufig unabhängig
von der Höhe des PAPm ist [11]. In unserem Patientenkollektiv fand sich auch keine Korrelation des Tei-Index zum
PAPm und zum PAR.
Der ZVD ist ein einfacher Parameter, der besonders in intensivmedizinischen Bereichen
zum Überwachen kardial dekompensierter und volumenüberlasteter Patienten verwendet
wird. Es verwundert daher nicht, dass der ZVD, der das Ausmaß rechtsventrikulärer
Dekompensation unabhängig von der Höhe des PAPm bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie
quantifiziert, mit dem Tei-Index korreliert.
Die zentralvenöse Sauerstoffsättigung ist ein Parameter, der in die Beschreibung des
Schweregrades des Krankheitsbildes pulmonale Hypertonie Eingang gefunden hat. Der
funktionellen Einteilung folgend, gehört der Abfall der SVO2 unter 60 % zu einer schweren pulmonalen Hypertonie (einen PAPm von > 40 mm Hg vorausgesetzt)
und geht mit einer deutlichen Einschränkung der rechtsventrikulären Funktion einher
[12]. Patienten dieses Schweregrades befinden sich daher zumeist im NYHA-Stadium III.
Dieser Zusammenhang spiegelt sich in der Korrelation von Tei-Index und SVO2 wieder.
Die Bestimmung der RVEF durch Thermodilution während der Rechtsherzkatheteruntersuchung,
insbesondere unter Verwendung der seit einigen Jahren verfügbaren schnellen Thermistoren,
ist die Standardmethode zur Beurteilung der rechtsventrikulären Funktion [3]
[13]. Kontrovers wird allerdings die Genauigkeit dieser Methode diskutiert. Vergleichende
Messungen mit Thermodilution und Magnetresonanztomographie (MRT) legen nahe, dass
die mit dem Rechtsherzkatheter bestimmte RVEF zu niedrig bestimmt wird [13]
[14]. Dafür ist vermutlich die Trikuspidalinsuffizienz der Patienten mit einer pulmonalen
Hypertonie verantwortlich [11]. Andererseits hat sich die RVEF für die Beurteilung der rechtsventrikulären Leistung
klinisch gut bewährt [3]
[15]. Im hier vorgestellten Patientenkollektiv findet sich eine starke Korrelation des
Tei-Index zur RVEF. Tei u. Mitarb. beschreiben in ihrer Originalarbeit, dass der dargestellte
Index nicht signifikant durch die Trikuspidalinsuffizienz beeinträchtigt wird, und
auch nicht vom systolischen rechtsventrikulären oder diastolischen pulmonalarteriellen
Druck abhängt [4]. Umso interessanter ist vor diesem Hintergrund die Korrelation des Tei-Index zu
RVEF. Ghio u. Mitarb. beschrieben bei Patienten mit thromboembolischer und primärer
pulmonaler Hypertonie für einen weiteren echokardiographischen Parameter, die tricuspidal
annular plane systolic excursion (TAPSE), einen Zusammenhang zur RVEF [16].
Hoeper u. Mitarb. fanden für das HZV eine ausreichende Übereinstimmung zwischen dem
Wert aus der Rechtsherzkatheteruntersuchung und dem Wert aus der MRT-Interpretation
[11]. Das SV, berechnet als Quotient aus HZV und Herzfrequenz multipliziert mit 1000,
gibt auch bei Vorliegen einer Trikuspidalinsuffizienz noch einen guten Anhaltspunkt
über die Kontraktilität des rechten Ventrikels. Passend dazu ließ sich in unserem
Patientenkollektiv eine signifikante Korrelation zwischen SV und Tei-Index zeigen.
Die Korrelation des Tei-Index zu den Parametern RVEF, SVO2, ZVD und SV legt nahe, dass dieser dopplerechokardiographische Parameter einen Surrogatparameter
für die rechtsventrikuläre Funktion darstellt. Da der Tei-Index als unabhängiger Prognoseparameter
beschrieben ist, stützen unsere Daten die Annahme, dass die rechtsventrikuläre Funktion
bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie die Prognose wesentlich beeinflusst. Die Berichte
aus der Literatur und unsere hier dargestellten Ergebnisse für den Zusammenhang von
Parametern aus der klassischen Rechtsherzkatheteruntersuchung und dem echokardiographisch
ermittelten Tei-Index unterstützen alle den Wert der 2D-Dopplerechokardiographie in
der Verlaufsbeurteilung von Patienten mit pulmonaler Hypertonie.