Mesotheliome - Pathologie und Pathogenese
Vorbemerkungen
Die Differenzialdiagnose primärer und sekundärer Pleuratumoren kann ausgesprochen
problematisch sein. Beim histogenetisch begründbaren sehr vielfältigen histologischen
und zytologischen Bild können grundsätzlich bei primären Mesotheliomen und sekundären
Pleurakarzinomen phänotypisch sehr ähnliche Befunde resultieren. Die Zusammenhänge
zwischen einer erhöhten meist beruflichen, auch viele Jahre zurückliegenden Asbeststaubexpostition
und der Entwicklung pleuraler und abdomineller Mesotheliome ist besonders durch die
Arbeiten von Wagner u. Mitarb. und die Erfahrungen der letzten 50 Jahre auch epidemiologisch
eindeutig belegt (Wagner u. Mitarb. 1960 [14]). Diese Untersuchungsergebnisse begründen die Einordnung der primären Mesotheliome
bei beruflich bedingten Krebserkrankungen (Literatur siehe Jones JSP u. Mitarb. 1987
[4]; Müller K-M 1997 [10]; Krismann M und Müller K-M 2000 [8]).
Pleuramesotheliom
Die Geschichte der malignen Mesotheliome in der Medizin ist noch jung. Erst in den
20er Jahren des 20. Jahrhunderts konnte die Existenz primärer Tumoren des Lungen-Rippenfells
bewiesen werden. Eine zuverlässige Diagnostik insbesondere bei der Abgrenzung von
sekundären Tumoren der serösen Häute ist erst seit den 80er Jahren mit ständigen Fortschritten
in der Immunhistochemie möglich geworden (Literatur siehe Krismann M u. Mitarb. 2000
[8]).
Seit etwa 1985 kam es im Rahmen der Zunahme asbestassoziierter Mesotheliome zu einem
erheblichen Anstieg der Inzidenz. Derzeit werden im deutschen Mesotheliomregister
in Bochum jährlich mehr als 600 neue Erkrankungsfälle gesichert (Abb. [1]).
Abb. 1 Anstieg der gesicherten Mesotheliome im Deutschen Mesotheliom-Register in Bochum von
1987 - 2002.
Hinzu kommt eine nicht genau bekannte „Dunkelziffer” nicht zentral erfasster Mesotheliome.
Eine weitere Zunahme der Mesotheliome bis etwa 2020 wird prognostiziert. Die Inzidenz
der nicht asbestassoziierten malignen Mesotheliome beträgt etwa 1 - 2 pro 1 Mio. Einwohner.
Die pleurale Manifestation ist die bei weitem häufigste (Verhältnis Pleura : Peritoneum
etwa 10 : 1). Das Perikard ist primär nur in etwa 2 % aller Mesotheliome und die Tunica
vaginalis testis nur in Einzelfällen betroffen. Aufgrund der überwiegenden beruflichen
Asbestexposition sind Männer insgesamt wesentlich häufiger betroffen. Das Hauptmanifestationsalter
der Mesotheliome liegt im 60. Lebensjahrzehnt. Primäre Tumoren stellen lediglich etwa
1 - 3 % aller malignen pleural manifestierten Tumoren dar. Bei weitem häufiger sind
metastatische, oft pseudomesotheliomatös wachsende Pleurakarzinosen, überwiegend von
Adenokarzinomen der Lunge, der Mamma, des Gastrointestinaltrakts, der Ovarien, des
Pankreas und der Nieren.
Ätiologie
Asbest
Nach wie vor kommt der überragende Stellenwert bei der kausalen Pathogenese maligner
Mesotheliome dem Asbest zu (Abb. [2]).
Abb. 2 Übersicht gesicherter und möglicher Kausalfaktoren für die Entwicklung von Pleuramesotheliomen.
Der Zusammenhang zwischen der Entwicklung maligner Mesotheliome und einer früheren
inhalativen Asbestexposition wurde 1960 erstmals dokumentiert. Obwohl der Arbeitsstoff
schon seit der Antike bekannt war, kam es technologiebedingt erst nach dem zweiten
Weltkrieg zu einem weltweiten Asbestboom. Der maximale Asbestverbrauch in Deutschland
fand in den Jahren zwischen 1965 und 1980 statt. Die Latenzzeiten bei der Mesotheliomentwicklung
zwischen Expositionsbeginn und Manifestation betragen im Mittel mehr als 30 Jahre.
Alle kommerziell verwendeten Asbestarten können Mesotheliome induzieren. Eine Expositions-Schwellendosis
für die Entwicklung maligner Mesotheliome ist nicht bekannt. Im Gegensatz zum asbestassoziierten
Lungenkrebs können aber auch kurze und gelegentlich vergleichsweise nur geringe Asbestkontakte
ausreichen, um nach entsprechender Latenzzeit Mesotheliome zu induzieren. Derzeit
sind etwa 90 % der im Deutschen Mesotheliomregister erfassten malignen Mesotheliome
asbestassoziiert.
Erionit
Eine inhalative urbane Exposition gegenüber Erionit, einem in bestimmten Regionen
der Türkei vorkommenden nicht-asbestartigen vulkanischen Zeolith, ist ebenfalls mit
einem erhöhten Risiko zur Entwicklung maligner Mesotheliome behaftet. Auch im Deutschen
Mesotheliomregister wurden mehrere Patienten aus verschiedenen Orten der Türkei registriert,
die als Gastarbeiter lange in Deutschland gearbeitet haben und an Mesotheliomen erkrankten.
Hierbei muss dann unter Umständen zwischen einer möglichen urbanen und einer beruflichen
Exposition differenziert werden (Abb. [3]).
Abb. 3 Übersicht der früheren Wohnorte von Türken in der Türkei, die in Deutschland an einem
Mesotheliom erkrankt sind (Daten des Deutschen Mesotheliomregisters).
Künstliche Mineralfasern
Bei künstlichen Mineralfasern wie Steinwolle oder Schlackenwolle, die als Asbestersatzstoffe
eingesetzt werden, handelt es sich um amorphe Silicate mit erheblich größerer Fasergeometrie
und einem differenten Bruchverhalten. Eine abschließende Bewertung der möglichen Induktion
maligner Mesotheliome durch künstliche Mineralfasern ist derzeit noch nicht möglich.
Tierexperimentelle Daten sind widersprüchlich. Es konnten bislang im Tierversuch lediglich
nach intraperitonealer Installation Malignome erzeugt werden, nicht jedoch nach inhalativer
oder intratrachealer Exposition. Im Deutschen Mesotheliomregister ist derzeit noch
kein gesicherter Fall eines Mesothelioms nach ausschließlicher Exposition gegenüber
künstlichen Mineralfasern bekannt. Immer wieder wurden auch nicht faserförmige Substanzen
in Zusammenhang mit der Induktion maligner Mesotheliome diskutiert. Für das Zigarettenrauchen
konnte kein direkter Zusammenhang mit der Entstehung maligner Mesotheliome belegt
werden.
Eine familiäre Häufung von Mesotheliomen ist zuweilen zu beobachten. Hierbei handelt
es sich oft um Fälle von vermehrt asbestexponierten Familienmitgliedern, deren Angehörige
asbestkontaminierte Arbeitskleidung gereinigt haben. Eine epidemiologische Studie
konnte bei 71 % der untersuchten Mesotheliompatienten eine vorbekannte Krebserkrankung
in der Familie belegen, im Vergleich zu 44 % bei untersuchten Patienten mit malignen
Lungentumoren.
Die Diskussion um das Simian Virus 40 (SV 40)
In humanen Mesotheliomen wurden erstmals 1994 SV 40-ähnliche DNA-Sequenzen nachgewiesen
(Light RW 2001 [9]). Positive Ergebnisse bei dem Nachweis von Virussegmenten in malignen Mesotheliomen
erzielten in der Folge mehrere Arbeitsgruppen. Die Diskussion über eine mögliche Beteiligung
des SV-40-Virus an der Entstehung humaner Mesotheliome erlangte durch die Entdeckung,
dass zwischen 1955 und 1963 mit SV 40 kontaminierte Poliomyelitis-Vaccinen in Europa
und den USA in Gebrauch waren, schlagartig die Bedeutung einer internationalen Forschungsaufgabe
mit hoher sozialmedizinischer Implikation.
Das SV-40-Virus gehört zu den sehr gut untersuchten Viren. In dem 5265 Basenpaaren
umfassenden Genom des Papovavirus SV 40 werden ein so genanntes „frühes” und ein „spätes”
Segment unterschieden. Das frühe Segment kodiert für 2 Proteine, die als klein-t-
(tAg) und groß-T-Antigen (TAg) bezeichnet werden. Diese Proteine sind für die Transformation
in vitro und die Karzinogenität in vivo verantwortlich. Grundlage der kanzerogenen
Potenz des SV 40 ist die Fähigkeit des TAg, an die bekannten wachstumsinhibierenden
Proteine p53 und die Proteine der Retinoblastom- (Rb)-Familie zu binden und diese
funktionell zu inaktivieren. In aktuellen Untersuchungen unter Einschluss von deutschen
und US-amerikanischen Proben anhand eines größeren Kollektivs mit 118 Mesotheliomen,
13 reaktiven Veränderungen der Pleura und 20 Vergleichsfällen von malignen Lungentumoren
konnten spezifische DNA-Sequenzen für das SV-40-Virus in 57 % der epitheloiden pleuralen
und peritonealen Mesotheliome, jedoch in keinem der biphasischen und sarkomatoiden
Mesotheliome und in keinem der malignen Lungentumoren nachgewiesen werden. Auch in
nicht invasiven Mesotheliomen waren Virussequenzen nachweisbar, nicht jedoch in dem
angrenzenden tumorfreien Gewebe, welches in einer Probe zur Untersuchung gelangte
(Carbone u. Mitarb. 1994 [2]; Shivapurkar u. Mitarb. 2000 [12]).
Pathogenese
Die genauen Mechanismen der molekularen Pathogenese maligner Mesotheliome sind trotz
vieler vorwiegend experimenteller Daten nur unvollständig bekannt. Wie bei anderen
Organtumoren sind offenbar eine Vielzahl von genetischen Alterationen an der Tumorinitiierung
und -progression beteiligt. Beim Studium bereits manifester Tumoren sind die genomischen
Veränderungen in der Regel so weit fortgeschritten, dass eine sichere Zuordnung zu
primären, für die zelluläre Tumorrealisation bedeutsamen und sekundären Läsionen im
Rahmen des autonomen Zellwachstums nicht möglich ist (Abb.[4]).
Abb. 4 Schema zur kausalen und formalen Pathogenese maligner Mesotheliome als Reaktion auf
jahrelang pleural inkorporierte Asbestfasern. Aktivierung von Onkogenen und Inaktivierung
von Tumorsuppressorgenen als mitwirkende Kausalfaktoren bei der Entwicklung pleuraler
maligner Tumoren.
Genetische Befunde
Die erste Arbeit über zytogenetische Befunde bei 2 malignen Mesotheliomen stammt aus
dem Jahr 1978. Erst 10 Jahre später wurden an Kollektiven von 15 - 30 Fällen weitere
zytogenetische Untersuchungen an Mesotheliomen durchgeführt. Zumeist waren komplexe
Alterationen vorhanden. Abschnitte der Chromosomen 1, 3 und 7 waren mit interstitiellen
oder terminalen Deletionen oder Translokationen involviert. Bereits hier wurde eine
Beteiligung der Onkogene myc (Myelocytomatosis Virus-Familie), ras (Rat sarcoma virus),
raf (RAS activated fragment) und met (N-methyl-N'-nitroso-guanidin treated human osteosarcoma
cell line) für die Pathogenese maligner Mesotheliome diskutiert (Literatur siehe Krismann
M u. Mitarb. 2002 [7]). Weitere Arbeiten, die Verluste auf Chromosom 1 nachweisen konnten, sind zahlreich.
Auf Chromosom 9 konnten Verluste von verschiedenen Arbeitsgruppen teils mit klassischer
Zytogenetik, teils mit neueren Methoden auch unter Einschluss der komparativen genomischen
Hybridisierung (CGH) belegt werden. Chromosom 14 zeigte bei verschiedenen Untersuchern
mit unterschiedlichen Methoden wiederkehrend Verluste. Auch Verluste von Chromosom
22 sind mehrfach beschrieben worden. Das auf Chromosom 17p lokalisierte Tumorsuppressorgen
p53 ist zwar im Tierexperiment häufig von einem Funktionsverlust betroffen, für humanes
Tumorgewebe existieren aber kontroverse Mitteilungen.
Eigene CGH-Ergebnisse stehen in gutem Einklang mit den bekannten Daten (Krismann M,
Adams H u. Mitarb. 2000 [6]; Krismann M u. Mitarb. 2000 [8]).
Bisher sind aber weder spezifische Defekte noch bestimmte reproduzierbare Kombinationen
von zytogenetisch fassbaren Defekten bei Mesotheliomen ermittelt worden.
Zelluläre Reaktionen
Bei der Diskussion zur Pathogenese maligner Mesotheliome kommt der Makrophagen-vermittelten
Entzündungsreaktion eine wichtige Bedeutung zu. Die pulmonale und pleurale Deposition
und Inkorporation von Asbestfasern führt nach in-vitro-Befunden zu einer Aktivierung
von Lymphozyten und Makrophagen. Eine klonale T-Helferzell-Expansion bewirkt durch
vermehrte Zytokinsekretion eine Immunglobulinsekretion durch B-Lymphozyten. Kaskadenartig
erfolgt eine Freisetzung von Tumor-Nekrosefaktor α, Platelet derived growth factor
(PDGF) sowie Fibronektin durch Makrophagen. Reaktive Sauerstoffmetaboliten werden
vermehrt gebildet. Andererseits wird durch Interferon γ die Kollagenfasersynthese
in den Fibroblasten sowie die PDGF-induzierte Fibroblastenproliferation reduziert,
was einen gewissen protektiven Aspekt darstellt. Die erhöhte Immunglobulinsekretion
bewirkt an den Makrophagen eine gesteigerte Freisetzung von Sauerstoffradikalen bei
Kontakt mit den Fasern und perpetuiert die Entzündungskaskade. Durch Sauerstoffradikale
werden DNA-Schäden (Mutationen, Strangbrüche) ermöglicht. Eine detaillierte Übersicht
zu den asbestassoziierten immunologischen Phänomenen findet sich bei Kagan und Brody
(Kagan M, Brody AR 1996 [5]) (Abb. [5]).
Abb. 5 Schema komplexer entzündlich-immunologischer Prozesse bei Asbest-assoziierten pleuro-pulmonalen
Erkrankungen. Aktivierung von Alveolarmakrophagen und T-Zellen mit Freisetzung von
Mediatoren.
Ein aktueller Schwerpunkt liegt in der Erforschung der Tumor-Angiogenese. Dabei konnte
eine Expression des angiogenen Zytokins VEGF (vascular endothelial growth factor)
auf Protein- und mRNA-Ebene dokumentiert werden. Darüber hinaus konnte auch die Expression
des VEGF-Rezeptors flt-1 (fms-like tyrosine kinase) ebenfalls auf mRNA- und Proteinebene,
vorwiegend bei epitheloiden, teils aber auch bei biphasischen und sarkomatösen Mesotheliomen
belegt werden. Dieser Rezeptor ist bei der Endothelorganisation und Monozytenmigration
beteiligt. Aus der möglichen Blockierung von VEGF-Rezeptoren im Hinblick auf antiangiogenetische
Auswirkungen ergeben sich Therapieansätze.
Pathologie
Makroskopische Befunde
Vorgeschrittene Tumorausbreitungsphasen maligner Mesotheliome sind in der Regel makroskopisch
durch ein charakteristisches Wachstumsmuster gekennzeichnet, das computertomographisch/radiologisch
oder autoptisch wegweisend ist. Dennoch sind spezifische makroskopische Befunde nicht
zu erheben (Abb. [6], Abb. [7]).
Abb. 6 Makroskopische Befunde eines weit vorgeschrittenen, vorwiegend sarkomatoid wachsenden
Pleuramesothelioms in frontaler Schnittführung durch die rechtsseitige Thoraxregion.
a) und b) Mantelförmige, teils auch knotige Tumorentwicklung in der Grenzzone von Thoraxwand
und Lunge.
c) Tumorpropagation entlang eines interlobären Septums.
d) Multiple Lymphknotenmetastasen im parahilären Bereich (62-jähriger Patient mit beruflicher
Asbest-Exposition. Lungenstaubanalyse mit maximal 60 Asbestkörpern).
Abb. 7 Makroskopische Befunde pleuraler Neoplasien und hyaliner Pleuraplaques.
a) Frontalschnitt der rechten Lunge im Endstadium eines diffusen malignen Pleuramesothelioms.
Basale ausgedehnte Ergusshöhle. Tumorpropagation entlang der interlobären Septen.
b) Horizontalschnitt der rechten Lunge 12 cm unterhalb der Spitze. Massive Tumorpropagation
auch im mediastinalen und interlobären Bereich.
c) Hemithorax vom Bild des Endstadiums eines malignen Mesothelioms. Massive Kompression
und Atelektase der hiluswärts komprimierten Restlunge durch einen massiven tumorbedingten
Pleuraerguss.
d) Pseudomesotheliom als Folge der Pleurakarzinose eines peripheren Adenokarzinoms im
Lungenoberlappen.
e) Nodulär wachsendes Pleuramesotheliom der parietalen Pleura.
f) Granuläre Pleurakarzinose bei einem kleinzelligen bösartigen Lungentumor.
g) Typische hyaline Pleuraplaques nach Asbeststaub-Exposition.
h) Noduläre pleurale Karzinose eines kleinzelligen bösartigen Lungentumors in Kombination
mit kleinen typischen hyalinen Pleuraplaques.
i) Lokalisierter gutartiger fibröser Pleuratumor, ausgehend von der Pleura pulmonalis
mit schmalem anhängenden Saum und atelektatischem Lungengewebe (Operationspräparat).
Einerseits können Pleurakarzinosen anderer Primärtumoren pseudomesotheliomatöse Wachstumsmuster
induzieren, andererseits können maligne Mesotheliome selten auch umschrieben ausgebildet
sein. Bei den pleuralen Mesotheliomen handelt es sich in fortgeschrittenen Ausbreitungsphasen
um ein mantelförmig, meist recht gleichmäßig die Lunge umschließendes, bevorzugt basal
akzentuiertes weißes, wechselnd derbes, teils pseudozystisches Fremdgewebe. Dieses
folgt charakteristischerweise den Interlobärspalten und führt zu einer Obliteration
der komplementären Pleurablätter. Erst spät, besonders bei dem sarkomatoiden Subtyp,
kommt es auch zur Infiltration in das angrenzende Lungenparenchym. In späten Stadien
kommen auch multiple intrapulmonale Tumorknoten vor. Klinische Leitsymptome sind therapierefraktäre
bzw. rezidivierende Pleurergüsse, Dyspnoe sowie thorakale Schmerzen. Die derzeit aktuelle
TNM-Klassifikation der Pleuramesotheliome und die klinische Stadieneinteilung sind
in Abb. [8] und Tab. [1] dargestellt (Hermanek P. u. Mitarb. 1997 [3], Rusch VW 1996 [11]).
Abb. 8 Schematische Darstellung unterschiedlicher Tumorstadium beim Pleuramesotheliom nach
der TNM-Klassifikation von 1999.
Tab. 1 Internationales TNM- und klinisches Staging-System für Pleuramesotheliome unter Berücksichtigung
der Subklassifikation im Stadium T1a (begrenzt auf Pleura parietalis) und 1b (Pleura
parietalis und visceralis) (nach Rusch 1996)
|
T-Tumorausbreitung
|
- ipsilaterale parietale einschließlich mediastinale und diaphragmale Pleura |
- verstreute Tumorherde im Bereich der viszeralen Pleura |
- Beteiligung der diaphragmalen Muskulatur oder - konfluente Tumorherde im Bereich der viszeralen Pleura bzw. Einbruch des Tumors
von der viszeralen Pleura in das subpleurale Lungenparenchym |
Beteiligung der Fascia endothoracica oder - Einbruch in das mediastinale Fettgewebe oder - einzelne resektable Tumorherde im Bereich der Brustwand oder - nicht-transmurale Beteiligung des Perikards |
- diffuser Einbruch bzw. multifokale Tumormassen mit/ohne Destruktion von Rippen oder - direkte transdiaphragmale bzw. peritoneale Ausbreitung oder - direkte Ausbreitung des Tumors in ein oder mehrere mediastinale Organe oder - direkte Ausbreitung des Tumors in die Wirbelsäule oder - Ausbreitung durch die innere Oberfläche des Perikards mit/ohne perikardialem Erguss
oder Beteiligung des Perikards |
| T1a |
+ |
|
|
|
| T1b |
+ |
+ |
|
|
| T2 |
+ |
+ |
+ |
|
| T3 |
+ |
(+) |
(+) |
+ |
|
| T4 |
+ |
(+) |
(+) |
(+) |
+ |
| N-Lymphknoten |
| NX |
regionäre Lymphknoten können nicht beurteilt werden |
| N0 |
keine regionären Lymphknotenmetastasen |
| N1 |
Metastase(n) in den ipsilateralen peribronchialen und/oder hilären Lymphknoten |
| N2 |
Metastase(n) in den subkarinalen und/oder den ipsilateralen mediastinalen Lymphknoten
einschließlich der ipsilateralen inneren mammilären Lymphknoten |
| N3 |
Metastase(n) in den kontralateralen mediastinalen, kontralateralen inneren mammilären,
ipsilateralen oder kontralateralen supraklavikulären Lymphknoten |
| M-Metastasen |
| MX |
Fernmetastasen können nicht beurteilt werden |
| M0 |
keine Fernmetastasen |
| M1 |
Fernmetastasen vorhanden |
| klinische Stadien |
| Stadium |
|
TNM |
| I |
Ia |
T1a N0 M0 |
|
Ib |
T1b N0 M0 |
| II |
T2 N0 M0 |
| III |
jeder T3 M0 jeder N1 M0 jeder N2 M0 |
| IV |
jeder T4 jeder N3 jeder M1 |
| Rusch, V. W. A proposed new International TNM Staging System for malignant pleural
mesothelioma from the International Mesothelioma Interest Group. Lung Cancer 14 :
1 - 12, 1996 |
In frühen Wachstumsphasen finden sich bevorzugt in der Pleura parietalis, zum Diagnosezeitpunkt
fast immer auch in der Pleura visceralis kleine weißliche fast multifokal ausgebildete
Knötchen.
Ein Befall des Perikards oder Epikards kann selten primär, viel häufiger sekundär
auftreten. Hier führt die ergussbedingte Kompression des Herzens mit zunehmender Ventrikelfunktionsstörung
zur diagnostischen Punktion oder Probenentnahme.
Histologische Befunde
Histologische und zytologische phänotypische Bilder häufiger pleuraler und seltener
peritonealer und perikardialer Mesotheliome sind äußerst variabel (Abb. [9]).
Abb. 9 Mikrofotogramme mit Beispielen verschiedenartiger Wachstumsmuster von Pleuramesotheliomen.
a) - b) Hoch differenziertes epitheloides Mesotheliom der Pleura parietalis in einer frühen
Entwicklungsphase mit beginnender Infiltration von subpleuralem Fettgewebe (so genanntes
Frühmesotheliom - 60×/150×).
c) - f) Ausschnitte von vier Arealen des selben Mesothelioms. Adenoide/epitheloide (c, d)>,
biphasische (e, f) Differenzierungen (jeweils 150×).
g) - i) Sarkomatoid-pleomorphes, niedrig differenziertes Mesotheliom mit hochgradigen Zell-
und Kernatypien (150×/250×).
Die differenzialdiagnostische Abgrenzung von noch reaktiven Mesothelproliferaten [RMH]
über die atypische mesotheliale Hyperplasie [AMH], das Mesothelioma in situ [MIS]
und Frühmesotheliome bis zu manifesten infiltrierenden, Pleura-überschreitenden Tumoren
erfordert gute Kenntnisse und Erfahrungen des Pathologen und ausreichendes Untersuchungsgut
(Abb. [10]).
Abb. 10 Aufgaben des Pathologen bei der Differenzierung reaktiver und neoplastischer, primärer
und sekundärer Pleuraerkrankungen.
Nach führenden histologischen Wachstumstypen werden - entsprechend der 1999 revidierten
WHO-Klassifikation der Lungen- und Pleuratumoren - überwiegend epitheloide, überwiegend
sarkomatoide und biphasische Mesotheliome unterschieden. Die Mehrzahl der malignen
Mesotheliome weist eine biphasische Differenzierung auf, sofern größere Proben des
Tumors untersucht werden. Die abschließende Bestimmung des histologisch phänotypisch
führenden bzw. in der Regel in Kombination vorliegenden Wachstumstyps ist daher nur
am Operationsgut oder im Rahmen einer Obduktion zu stellen. Anders als bei malignen
Lungentumoren und zahlreichen anderen Organtumoren existiert für die Mesotheliome
bislang kein verbindliches histopathologisches Gradingschema. Vom Pathologen sollte
zunächst das phänotypisch führende histologische Wachstumsmuster und der Anteil des
niedrigsten Differenzierungsgrads unter Berücksichtigung zellulärer Atypien, Mitosen
sowie Nekrosen angegeben werden.
Varianten
Neben den 3 histologisch bestimmbaren Hauptgruppen sind noch mehrere seltene Varianten
bekannt, die sich jeweils durch eine besondere Histomorphologie auszeichnen. Dazu
gehört die in der WHO-Klassifikation aufgeführte desmoplastische Form, die im Einzelfall
bei kleinen Biopsien erhebliche differenzialdiagnostische Schwierigkeiten bei der
Abgrenzung gegenüber Pleuraschwarten bereiten kann, sowie das in der WHO-Klassifikation
nicht gesondert angeführte deziduoide Mesotheliom und kleinzellige Varianten.
Zusatzuntersuchungen
Im Laufe der letzten Jahre ist die pathologisch-anatomische Differentialdiagnostik
primärer und sekundärer Tumoren der serösen Häute durch den Ausbau und Einsatz der
immunhistochemischen Verfahren erheblich bereichert worden. Die histologische Diagnose
eines malignen Mesothelioms nach konventionellen lichtmikroskopischen und üblichen
histochemischen Verfahren sollte grundsätzlich durch gezielt ausgewählte immunhistochemische
Untersuchungen bestätigt werden (Tab. [2]).
Tab. 2 Zusammenstellung charakteristischer, aber nicht spezifischer immunhistochemisch fassbarer
Befunde zur Differenzialdiagnose primärer und sekundärer bösartiger Tumoren im Bereich
der serösen Häute
| Antikörper |
Pleuramesotheliome |
Pleurakarzinosen |
Pleurasarkomatosen |
|
Epitheloid |
Sarkomatoid |
|
|
| Calretinin |
+++ |
+ |
(+) |
- |
| MNF116 Zytokeratine |
+++ |
++ |
++ |
+ |
| AE1/AE3 Zytokeratine |
++ |
++ |
++ |
+ |
| CK5/6> |
++ |
- |
(+) |
- |
| BMA120 |
++ |
(+) |
- |
- |
| V9 Vimentin |
++ |
+++ |
+ |
+++ |
| EMA |
++ membranös |
(+) |
+ cytoplasmatisch |
- |
| BerEP4 HEA |
(+) |
- |
+++ |
+ |
| CD 15 |
- |
- |
+ |
- |
| CEA |
- |
- |
++ |
- |
| TTF1 |
- |
- |
++ (Lunge) |
- |
| Aktin |
(+) |
(+) |
- |
+ |
| Desmin |
(+) |
(+) |
- |
+ |
| Myogenin |
- |
- |
- |
+ |
| CD 99 |
- |
- |
- |
+ |
| S-100 |
- |
- |
- |
+ |
| SMA |
(+) |
+++ |
- |
- bis +++ |
| [+++ = regelmäßig positiv; ++ = häufig positiv; + = gelegentlich positiv; (+) = gelegentlich
fokal positiv, - = in der Regel negativ] |
Es konnten zwar charakteristische wiederkehrende, bisher aber keine spezifischen Befunde
für Mesotheliome aufgezeigt werden.
Es gibt 3 klassische differenzialdiagnostische Probleme in der Mesotheliomdiagnostik.
Sekundäre Pleurakarzinosen von Adenokarzinomen können ähnliche Bilder hervorrufen
wie vorwiegend epitheloide Mesotheliome. Zur Differenzialdiagnose wird hier üblicherweise
in Ergänzung der histochemischen PAS-Färbung ohne und mit Diastasevorbehandlung zum
Schleimnachweis ein immunhistochemisches Markerpanel eingesetzt. Eine eindeutige Mesotheliomdiagnose
kann bei zellulärer Koexpression von Keratinen und Vimentin sowie Nachweis von Calretinin,
bei negativer Reaktion mit dem Antikörper gegen HEA und Fehlen diastaseresistenter
Vakuolen erfolgen (Müller K-M 1997 [10]; Travis WD u. Mitarb. 1999 [13]). Es gibt aber Grenzfälle, bei denen einzelne Details nicht eindeutig zur Diagnose
passen. Bei derartigen Problemfällen muss das Krankheitsbild im Rahmen eines klinisch-pathologischen
Konsils - auch unter Berücksichtigung versicherungsmedizinischer Fragen - erörtert
werden.
Die Abgrenzung sarkomatoider Mesotheliome von Pleurasarkomatosen primärer Weichteilsarkome
gelingt in der Regel mit Hilfe der in der Sarkomdiagnostik eingesetzten Antikörper.
Vorwiegend sarkomatoide Mesotheliome koexprimieren meist Keratine und Vimentin, seltener
sind auch Calretinin und Aktin nachweisbar.
Ausgesprochen problematisch kann im Einzelfall die differenzialdiagnostische Abgrenzung
reaktiver Serosaläsionen von frühen neoplastischen Befunden sein (Abb. [11]).
Abb. 11 Histologische Befunde zur Differenzialdiagnose von Mesothelioma in situ und Frühmesotheliom.
Bei dieser Problematik kann auch die immunhistochemische Untersuchung gelegentlich
nicht abschließend weiterführen. Man ist auf die Beurteilung zytologischer Atypien
und eines invasiven Wachstums angewiesen. In Biopsien gibt es gelegentlich Befunde
oberflächlicher nicht invasiver Neoplasien, die im Sinne eines sog. Mesothelioma in
situ eingeordnet werden müssen und zusammen mit den minimal-invasiv wachsenden Mesotheliomen
unter dem Begriff des Frühmesothelioms zusammengefasst werden. Einerseits können reaktive
Pleuraläsionen, z. B. im Rahmen einer Pleuritis bei rheumatischer Grunderkrankung,
mäßiggradige nukleäre Atypien aufweisen, andererseits gelingt bei bereits neoplastischen
toporegional unterschiedlich weit fortgeschrittenen Läsionen in Frühstadien oft der
Nachweis eines infiltrativen Wachstums noch nicht (Abb. [11]).
Weiterführende Verfahren unter Einsatz molekularpathologischer Methoden befinden sich
derzeit noch in der Erprobung.
Der zuweilen problematischen Differenzialdiagnose Rechnung tragend, hat das Europäische
Mesotheliompanel 1993 eine 5stufige Klassifikation nach histologischen Kriterien für
die diagnostische Sicherheit etabliert, die immer noch Gültigkeit besitzt. Dabei bedeutet
die Kategorie
A sicheres,
B wahrscheinliches,
C mögliches Mesotheliom
D wahrscheinlich und
E sicher kein Mesotheliom.
Für versicherungsmedizinische Fragestellungen einer Berufskrankheit der Ziffer 4105
der Berufskrankheitenverordnung sind die Kategorien A und B als diagnostische Sicherheit
ausreichend.
Stellenwert molekularpathologischer Zusatzuntersuchungen
Derartige Untersuchungen ergänzen derzeit die Diagnostik, aufgrund bislang fehlender
spezifischer Defekte erlangen sie aber nicht den Status diagnosesichernder Untersuchungen
im Spektrum der Differenzialdiagnose primärer und sekundärer maligner Erkrankungen
der serösen Häute. Da genetische Tumoranalysen zeit- und kostenaufwendig sind, ist
Ihr Einsatz im Rahmen der täglichen Begutachtungspraxis derzeit nicht zu gewährleisten.
Versicherungsmedizinische Aspekte von Pleuraerkrankungen
Das maligne diffuse Pleuramesotheliom, Pleuraplaques der Pleura parietalis und die
so genannte diffuse Pleurafibrose der Pleura pulmonalis gewinnen unter versicherungsmedizinischen
Aspekten besondere Bedeutung.
Bei der Bewertung eines wahrscheinlichen Kausalzusammenhanges zwischen einer bekannten
beruflichen Asbestexposition und einem bösartigen Lungentumor werden die Befunde hyaliner
Pleuraplaques und der klinisch schwer fassbaren diffusen Fibrose der Pleura pulmonalis,
auch in Kombination mit so genannten Rundherdatelektasen als morphologische Indizien
einer wahrscheinlich erhöhten Asbestbelastung bei der Zusammenhangsbegutachtung berücksichtigt.
Die Erkrankungen sind in der Anlage 1 zur Berufskrankheitenverordnung vom 18. 12.
1994 unter der Nr. 4: Erkrankungen der Atemwege und der Lungen, des Rippenfells und
des Bauchfells, hier bei der Unternummer 41: „Erkrankungen durch anorganische Stäube”
zusammengefasst. Die zuständigen Berufskrankheitsziffern und ihre Bezeichnungen lauten:
-
BK-Ziffer 4104: Lungenkrebs in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankungen (Asbestose)
oder mit durch Asbeststaub verursachten Erkrankungen der Pleura (hyaline Plaques der
Pleura parietalis und diffuse Pleuraverdickung der Pleura pulmonalis) oder bei Nachweis
der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaubdosis am Arbeitsplatz von mindestens
25 Faserjahren (25 × 106 (Fasern/m3 × Jahre)).
-
BK-Ziffer 4105: Durch Asbest verursachtes Mesotheliom des Rippenfells, des Bauchfells
und des Herzbeutels.
In der Zeit von 1978 - 2000 sind in Deutschland (BRD) 6626 Pleuramesotheliome als
Asbest-bedingte Berufskrankheiten von den verschiedenen Berufsgenossenschaften anerkannt
worden (Butz M 2002 [1]). Dies ist ein Anteil von 32,9 % der Gesamtzahl beruflich bedingter Krebserkrankungen.
53,9 % (10 877) entfallen auf überwiegend Asbest-assoziierte Lungentumoren. In den
vergangenen 15 Jahren ist ein fast kontinuierlicher Anstieg der Asbest-bedingten Pleuramesotheliome
zu verzeichnen (Butz M 2002 [1]).
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Eine relativ große Diskrepanz zwischen den pro Jahr angezeigten begründeten Verdachtsfällen
und den entschädigten Fällen gründet sich zunächst auf die oft schwierige Differenzialdiagnose
zwischen Mesotheliomen und sekundären Pleuratumoren bzw. reaktiven Pleuraveränderungen.
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Außerdem sind für die haftungsbegründende Kausalität einer Berufskrankheit nach Ziffer
4105 die Objektivierung des bösartigen Pleuratumors und die Ermittlung einer stattgehabten
beruflichen Asbeststaubexposition Voraussetzung.
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Die haftungsausfüllende Kausalität kann durch ergänzende staubanalytische Untersuchungen
mit Quantifizierung der Asbestfasern bzw. Asbestkörperchen erfolgen. Für diese Untersuchungen
ist aber repräsentatives Lungengewebe (Lungenwürfel von mindestens 1cm³ Größe) erforderlich.
In autonom wachsenden bösartigen Pleura- und Lungentumoren liegt eine Anreicherung
von Asbestfasern in der Regel nicht vor.
Im Bochumer Mesotheliomregister ließen sich bei den gesicherten malignen Pleuramesotheliomen
anhand der Ergebnisse der Lungenstaubanalysen in über 90 % Anhaltspunkte für eine
vermehrte, meist beruflich bedingte Asbestexposition gewinnen. Bemerkenswert in diesem
Zusammenhang ist das Familienschicksal eines Asbestarbeiters, dessen Arbeitskleidung
zu Hause von der Ehefrau gereinigt wurde. Vater, Mutter und Sohn erkrankten an einem
diffusen malignen Pleuramesotheliom, wobei die Erkrankung bei dem Sohn bereits im
Alter von 41 Jahren aufgetreten ist.
Sekundäre Pleuratumoren
Sekundäre metastatische Neubildungen im Bereich der Pleura sind wesentlich häufiger
als primäre Pleuratumoren. Bei einer gegenwärtigen jährlichen Anzahl von ca. 800 Todesfällen
an malignen Mesotheliomen lassen sich ca. 8500 sekundäre bösartige Pleuratumoren berechnen.
Andere Schätzungen gehen von 30 000 Pleurakarzinosen bzw. -sarkomatosen pro Jahr aus.
Die frühzeitige Mitbeteiligung der Pleura bei primären pulmonalen oder extrapulmonalen
Tumoren erklärt sich durch die reichhaltige Entwicklung pleuraler Lymph- und Blutgefäße.
In vorgeschrittenen Phasen von Lungentumoren ist eine Mitbeteiligung der Pleura in
40 % vorhanden. Dies gilt besonders für Adenokarzinome und kleinzellige Karzinome.
Bei Plattenepithelkarzinomen ist eine Pleurakarzinose eher selten. Pleuraergüsse sind
bei diesem Tumortyp häufiger Folgen unspezifischer Pleurareizungen besonders durch
chronische Retentionspneumonien.
Die häufigsten Primärtumoren mit sekundärer Pleurabeteiligung sind bei Männern und
zunehmend häufiger bei Frauen primäre Lungentumoren (besonders Adenokarzinome und
kleinzellige Karzinome), gefolgt von Mammatumoren und bösartigen Primärtumoren von
Ovar, Uterus, Magen-Darm-Trakt, Pankreas, Nieren und Leber. Auch vorwiegend peripher
im Lungengewebe angeordnete hämatogene Metastasen von Nierenkarzinomen, Dickdarmkarzinomen,
Osteosarkomen, Weichteilsarkomen und Melanomen führen zu einer frühzeitigen Mitbeteiligung
der Pleura pulmonalis. In fortgeschrittenen Metastasierungsphasen können breite pleurale
Tumorschwarten gelegentlich makroskopisch nicht sicher von einem primären malignen
diffusen Mesotheliom abgegrenzt werden.
Histologie und Differenzialdiagnose sekundärer Pleuratumoren
Ein wichtiger morphologischer Hinweis auf eine sekundäre pleurale Blastomatose ist
das Vorkommen von Tumorzellen im Bereich intrapleuraler Lymph- und Blutgefäße. Die
begleitende unspezifisch-entzündliche Reaktion erklärt pleurale Begleitergüsse ohne
den zytologischen Nachweis von Tumorzellen. Im Erguss sind aber fast regelmäßig aktivierte
Mesothelzellen und Subserosazellen vorhanden, die bei erheblicher Zell- und Kernpolymorphie
die zuverlässige Abgrenzung zu einem Pleuramesotheliom erschweren. Bei der Abgrenzung
möglicher Metastasierungen primärer Prostata- oder Schilddrüsentumoren sind gelegentlich
immunhistochemische Marker hilfreich.
Differenzialdiagnostische Probleme
Bei bisher nur im Ansatz vorhandenen therapeutischen Maßnahmen unter kurabler Zielsetzung
muss die Diagnostik auf die Erfassung von Mesotheliomen in frühen Erkrankungsphasen
ausgerichtet werden. In mehreren Fällen konnten im Mesotheliomregister in den letzten
Jahren pleurale Läsionen im Stadium eines so genannten Frühmesothelioms mit noch auf
oberflächliche Pleurazonen beschränktem Wachstum erfasst werden.
Prognostische Parameter
Grundsätzlich gehören die Mehrzahl der MDM in die Kategorie der Tumoren mit geringer
Langzeitüberlebenschance. Derzeit wird aktiv an multimodalen Therapiekonzepten gearbeitet,
eine standardisierte Therapie mit potenziell kurativem Ansatz ist aber insgesamt noch
nicht in Sicht. Nach wie vor werden die meisten Mesotheliome erst in vorgeschrittenen
Stadien entdeckt. An der mittleren Überlebenszeit von etwa 9 - 12 Monaten nach Erstdiagnose
hat sich auch in zahlreichen Studien mit operativen und chemotherapeutischen Verfahren
prinzipiell nichts geändert. Erste Erfolge mit multimodalen Konzepten müssen an größeren
Kollektiven bestätigt werden. Etwa 10 % der Mesotheliome weisen jedoch auch therapeutisch
weitgehend unbeeinflusst einen mehrjährigen Verlauf auf. Epitheloides Wachstumsmuster,
hoher so genannter Performance status (guter Allgemeinzustand bei Erstdiagnose), jüngeres
Alter, frühes TNM-Stadium, starke myxoide/ödematöse Stromakomponente sowie niedrige
Proliferationsaktivität (MiB1 < 10 %) sind Indikatoren einer in der Regel günstigeren
Prognose.
Besonders ungünstig hingegen sind sarkomatoides desmoplastisches Wachstum, geringe
Differenzierung, hoher Proliferationsgrad (> 40 %), höheres Lebensalter und schlechter
AZ bei Erstdiagnose.