Ein relativ großer Teil der Patienten in der pneumologischen Praxis gibt anamnestisch Zustände von Luftnot an, ohne dass diese zum Vorstellungszeitpunkt vorhanden ist. Daher ist es eine wesentliche Aufgabe des Arztes, durch entsprechende Tests die Ursache der Dyspnoe herauszufinden. Dabei gehört neben dem Nachweis der normalen Lungenfunktion, der bronchialen Hyperreagibilitätstestung und den Belastungsblutgasen, der Hyperventilationstest ganz entscheidend dazu. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass eine akute Hyperventilation mit zahlreichen Krankheitsbildern, vom Migräneanfall bis zur Lungenembolie einhergehen kann [5]
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Der Hyperventilationstest wird seit ca. 50 Jahren durchgeführt [11], wobei die Literatur gerade aus pneumologischer Sicht spärlich, aber zur Abklärung von unklarer Dyspnoe relativ eindeutig ist [2]
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[13]. Für die Detektion von Panikattacken ist er relativ wenig hilfreich, da es häufig Panikattacken ohne Hyperventilation gibt [1]
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[14]. Bei positivem Testausfall ist aber die Aussage hilfreich, da dieser Test kaum falsch-positive Reaktionen zeigt [8]
[12]. Manche Patienten zeigen eine isolierte, belastungsinduzierte Hyperventilation als alleinige Ursache der Dyspnoe [7]. Diese werden aber gut in den Belastungsgasen und noch besser in der Ergospirometrie erkannt.
Patienten, die einen positiven Testausfall haben, zeigen mit der willkürlich induzierten Hyperventilation oft Symptome, die denen zum Zeitpunkt der Dyspnoe entsprechen. Manche Patienten mit Asthma können aber auch zusätzlich eine Hyperventilation haben [15]. Anhand des Testes können diese Patienten oft genau sagen, ob die Luftnot jetzt durch Hyperventilation oder durch einen Asthmaanfall ausgelöst wurde. In Grenzfällen hilft natürlich die Mitgabe eines Peak flows, die zwischen beiden Zuständen klar separiert.
Der Test ist vergleichsweise einfach durchzuführen, wobei er aber immer unter Beobachtung stattfinden muss. Manche Patienten reagieren mit Kollapszuständen, so dass man den Test auf einem Stuhl mit hoher Lehne durchführen sollte, damit der Patient nicht umkippt.
In der Literatur wird meistens eine Hyperventilationszeit von 3 Minuten angegeben. Nach unserer Erfahrung reichen aber 2 Minuten aktiver heftiger Hyperventilation aus. Wichtig ist die Blutgasmessung vorher, um eine bereits vorhandene Hyperventilation zu erkennen. Nach unseren Erfahrungen sollte der pCO2 vor dem Test über 32 mm Hg liegen. Nach Beendigung der Hyperventilation sollte der pCO2 unter 25 mm Hg fallen. Danach kreuzt die Praxismitarbeiterin die Symptome an, die sie beobachtet bzw. über die der Patient berichtet. Entscheidend ist die anschließende Frage, ob ähnliche Empfindungen schon früher aufgetreten sind, insbesondere zu dem Zeitpunkt an dem der Patient seine Luftnot verspürt hat, die ihn jetzt zum Arzt führt. Dieses wird notiert werden. Ggf. kann dann der Arzt hier noch einmal bei der Besprechung nachfassen.
Positiv ist der Test, wenn atypische Reaktionen auftreten. Schwindel und Kollapsneigung infolge Blutdruckabfall durch Hyperventilation haben auch Gesunde. Diese können aber in der Regel klar angeben, dass sie ähnliche Symptome nicht hatten, als die anamnestisch angegebene Luftnot auftrat.
Alternativ ist es auch möglich, das CO2 in der Exspirationsluft zu messen, wenn man über ein entsprechendes Gasanalysegerät verfügt. Dieses dürfte jedoch routinemäßig nicht verfügbar sein. Beiliegende Abb. [1] stellt das Beispiel einer Dokumentation dar, wie sie bei uns im Krankenhaus verwendet wird.
Abb. 1
Wichtig ist es, den Test an unterschiedlichen Patientengruppen häufiger durchzuführen, so dass man eigene Erfahrungen über die Validität bekommt.
Eine medikamentöse Therapie der Hyperventilation ist meistens nicht nötig. Es reicht, die Patienten darauf hinzuweisen, dass dieser Zustand harmlos ist und sich selbst begrenzt. Damit sind die meisten Patienten beruhigt. Nur in schweren Fällen sollte man auf Sedativa oder Betablocker zurückgreifen. Sportliche Aktivität mit raschem Lastwechsel zum Training des Atmungszentrums hilft ebenfalls in manchen Fällen. Patienten mit positivem Hyperventilationstest zeigen übrigens häufiger auch andere vegetative Dysregulationen wie Palpitationen, Schweißausbrüche oder Dermographismus. Sie entsprechen wahrscheinlich einer Dysregulation des autonomen Nervensystems, die wohl angeboren sein dürfte. Psychotherapeutische Maßnahmen helfen nicht.