Neben Röntgenuntersuchung und Blutbild sind die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen entscheidend für die Diagnose einer bakteriellen Pneumonie. Oftmals vergeht allerdings kostbare Zeit - zumal bei beatmungspflichtigen Patienten - bis die Laborergebnisse vorliegen, so dass unter Umständen inadäquat Antibiotika eingesetzt werden.
In Nancy, Frankreich, hatten Gibot und Mitarbeiter im Rahmen einer Studie untersucht, inwieweit sich TREM-1, ein Mitglied der Immunglobulin-Superfamile, als biologischer Marker einer bakteriellen Pneumonie eignet (New Engl J Med 2004; 350: 451-458).
TREM-1 ("triggering receptor expressed on myeloid cells") ist in die akuten entzündlichen Prozesse involviert, die nach bakterieller oder Pilzinfektion ablaufen. In bakteriell infizierten menschlichen Geweben, die mit Neutrophilen und Monozyten infiltriert sind, findet man TREM-1 auf hohem Expressionsniveau. Neben der zellgebundenen Form gibt es auch eine lösliche TREM-1-Form ("soluble TREM-1", sTREM-1), die sich in Körperflüssigkeiten nachweisen lässt. Gibot hatte an 148 beatmungspflichtigen Patienten mit Verdacht auf eine infektiöse Pneumonie überprüft, ob die Testung der Broncoalveolar-Lavageflüssigkeit auf lösliches sTREM-1 per Immunoblot hilfreich für die Diagnose ist. Durch 2 unabhängige Intensivmediziner, die ohne Kenntnis der sTREM-1-Testergebnisse waren, wurden die finalen Diagnosen gestellt.
sTREM-1 der genaueste Indikator
Im Ergebnis wurde bei 38 Patienten eine ambulant erworbene Pneumonie und bei 46 Patienten eine Intubations-assoziierte Pneumonie diagnostiziert. 64 Patienten hatten keine Pneumonie. Die Präsenz von sTREM-1 zeigte sich unter allen anderen klinischen Befunden oder Laborwerten als der genaueste Indikator einer bakteriellen oder durch Pilze verursachten Pneumonie. sTREM-1 wurde bei 36 der 38 Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie festgestellt (2 falsch negative Ergebnisse), bei 46 der 46 Beatmungs-assoziierten Fälle, sowie bei 6 der 64 Patienten ohne Pneumonie (6 falsch positive Ergebnisse). Insgesamt bezifferte sich die Spezifität des Tests auf 90%, bei einer Sensitivität von 98%. Nach multipler Regressionsanalyse betrugen die odds ratio für eine bakterielle Pneumonie bei positivem sTREM-1-Test 41,5.
sTREM-1 scheint als Indikator einer bakteriellen Pneumonie gut geeignet. Bei beatmungspflichtigen Patienten kann ein schnell durchzuführender Test von sTREM-1 in Alverolar-Lavageflüssigkeit rasch Hinweis geben, ob eine infektiöse Pneumonie vorliegt.
Bisherige Nachweis-Methode: Gramfärbung. Sputum bei Pneumokokken-Pneumonie, Leukozyten sowie charakteristische grampostive Diplokokken. Mit sTREM-1 soll die Diagnose jetzt noch genauer sein (Bild: Thiemes Innere Medizin, Thieme 1999).