Beim aspirininduzierten Asthma treten 30 Minuten bis 3 Stunden nach Einnahme von Acetylsalicylsäure respiratorische Symptome auf. Widersprüchliche Daten existieren über dessen Prävalenz. C. Jenkins et al., Sydney/Australien, veröffentlichten jetzt eine Metaanalyse bisheriger Studien hierzu (BMJ 2004; 328: 434-437).
Sie durchsuchten verschiedene Datenbanken nach Arbeiten, die Patienten mit Asthma einschlossen. Diese hatten sich wegen akuter Exazerbationen in Kliniken vorgestellt. Primärer Endpunkt war, ob die Einnahme von Aspirin eine asthmatische Reaktion triggerte. Daher wählten die Autoren für die Hauptanalyse nur Studien aus, in denen sich die Patienten einem oralen Provokationstest unterzogen hatten. Eine positive Reaktion galt als Verminderung der Ein-Sekunden-Kapazität um mindestens 20%. Ausserdem wurde die Kreuzreaktivität gegenüber anderen nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) und Paracetamol bestimmt. Die Prävalenz des aspirininduzierten Asthmas betrug nach oralem Provokationstest bei 21 Studien im Durchschnitt 21% bei Erwachsenen und 5% bei Kindern; sie lag damit deutlich höher als bisher angenommen. Wesentlich niedriger waren die Zahlen, wenn statt des Provokationsstests nur anamnestische Angaben verwertet wurden: Hier lagen die Prävalenzen bei 3% (Erwachsene) und 2% (Kinder). Reagierten die Patienten auf Aspirin, bestand auch eine hohe Kreuzsensibilität für andere NSAR: 98% für Ibuprofen, 100% für Naproxen und 93% für Diclofenac. Auf Paracetamol reagierten dagegen nur 7% der Patienten.
Das aspirininduzierte Asthma ist mit einer Prävalenz von 21% bei Erwachsenen deutlich häufiger als bisher angenommen. Bei gefährdeten Patienten sollte daher vor Einnahme eines Medikaments ein oraler Provokationstest erwogen werden.
Dr. Johannes Weiß, Bad Kissingen