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DOI: 10.1055/s-2004-836983
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Mammakarzinomrisiko - Schon frühe Wachstumsmuster scheinen das Risiko zu beeinflussen
Publication History
Publication Date:
02 December 2004 (online)
Quelle: Ahlgren M, Melbye M, Wohlfahrt J, Sorensen TI. Growth patterns and the risk of breast cancer in women. N Engl J Med 2004; 351 (16): 1619-1626
Thema: Laut Studiendaten scheinen große Frauen - unabhängig von ihrem menopausalen Status - ein höheres Risiko zu haben, an Brustkrebs zu erkranken. Auch dass adipöse Frauen prämenopausal im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen ein eher niedriges Mammakarzinom aufweisen, und dass sich diese Relation nach der Menopause ins Gegenteil verkehrt, ist in Studien belegt. Ob jedoch bereits frühe Wachstumsmuster mit dem Mammakarzinomrisiko assoziiert sind, ist bislang nicht bekannt. Möglicherweise könnte eine solche Assoziation jedoch wichtig für eventuelle Präventionsmodelle sein.
Projekt: An einer Kohorte von 117415 dänischen Frauen untersuchte die Studiengruppe um Ahlgren den Zusammenhang zwischen dem Wachstum in der Kindheit und dem Brustkrebsrisiko. Die nötigen Angaben zum Geburtsgewicht, dem Alter bei Eintritt der ersten Menstruation und der Körpergröße (jährliche Messung) stammten aus Unterlagen von Gesundheitsuntersuchungen in Schulen. Informationen zum Gesundheitsstatus, zum Alter bei der Geburt des ersten Kindes oder der Anzahl der Schwangerschaften und zur Diagnose "Brustkrebs" erhielten die Autoren aus nationalen Registern.
Ergebnis: Die Autoren ermittelten in den insgesamt 3333359 Personenjahren 3340 Fälle von Brustkrebs. Dabei war ein hohes Geburtsgewicht der Frauen mit einem 7%igen Anstieg des Risikos verbunden, ein niedriger Körpermassenindex (BMI) oder ein Wachstumsgipfel im Alter von 14 Jahren erhöhte das Mammakarzinomrisiko jeweils um 15%. Ein Wachstumsgipfel in einem frühen Alter war mit einem Anstieg des Risikos um 9% assoziiert. Keinen Einfluss auf das Risiko, ein Mammakarzinom zu entwickeln, hatte das Alter bei der ersten Menstruation oder bei der Geburt des ersten Kindes bzw. die Anzahl der Schwangerschaften der Frauen.
Fazit: Die Daten unterstützen die Hypothese, dass Faktoren, die das Wachstum im Kindesalter oder in der Pubertät beeinflussen, wichtige unabhängige Risikofaktoren für das Mammakarzinomrisiko sein könnten. Inwieweit die erwähnten Zusammenhänge sich tatsächlich kausal bedingen, bleibt jedoch trotz der Daten offen. Vorstellbar wäre zum Beispiel auch eine Assoziation des niedrigen Geburtsgewichts mit genetisch bedingten geringen Konzentrationen an IGF-1 ("insulin-like growth factor"), womit das Geburtsgewicht lediglich ein Marker hormoneller Effekte wäre.
Key Words: Geburtsgewicht - Wachstum - Kindheit - Pubertät - Körpermassenindex (BMI)