Der Klinikarzt 2004; 33(12): XIV
DOI: 10.1055/s-2004-860935
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Das "italienische Paradoxon" - Pizza gegen Herzinfarkt?

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Publication Date:
13 January 2005 (online)

 
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Quelle: Gallus S, Tavani A, La Veccia C. Pizza and risk of acute myocardial infarction. Eur J Clin Nutr 2004; 58 (11): 1543-1546

Thema: Dass die so genannte "mediterrane Diät" mit einem hohen Anteil an frischem Gemüse, Obst, Fisch, Knoblauch, Olivenöl und - in einem vernünftigen Maß - auch Rotwein das kardiovaskuläre Risiko positiv beeinflusst, wird inzwischen allgemein anerkannt. Lange wurde beispielsweise über das französische Paradoxon diskutiert: Denn trotz einer relativ cholesterinreichen Ernährung versterben vergleichsweise wenig Franzosen an Herz-Kreislauferkrankungen.

Projekt: Jetzt kommt zu diesem so genannten "französischen" auch ein "italienisches Paradoxon": Kann der Genuss der bislang eher als ungesund betrachteten italienischen Pizza das Herzinfarktrisiko senken? In einer Fallkontrollstudie haben Forscher aus Mailand mehr als 900 Personen zwischen 25 und 79 Jahren - darunter 507 Patienten mit einem Myokardinfarkt - nach ihren Essgewohnheiten befragt.

Ergebnis: Demnach war das Risiko der Patienten, einen Myokardinfarkt zu erleiden, umso niedriger, je öfter sie eine Pizza konsumiert hatten. Bereits bei gelegentlichem Pizzagenuss sank das Herzinfarktrisiko um 22%, bei regelmäßigem Konsum um 38%. Und bei den Patienten, die mindestens zweimal pro Woche Pizza aßen, reduzierte sich das Risiko sogar um 56%.

Fazit: Eine befriedigende Erklärung für dieses Phänomen haben die Autoren selbst nicht. Ein Erklärungsversuch ist, dass eine traditionelle Pizza - anders als die Fast-Food-Variante - mit durchschnittlich 500-800 kcal einen relativ niedrigen Nährwert hat. Prof. J. Gomez Aracena, Malaga (Spanien), führt den positiven Effekt auf den hohen Gehalt von Lycopenen in der Tomatensauce zurück. Als sehr hitzebeständige hochpotente Antioxidanzien könnten diese eine kardioprotektive Wirkung aufweisen.

Eine ganz andere These verfolgt der britische Ernährungsexperte M. Kendrick. Er erinnert an das gänzlich andere Essverhalten der Südländer. Hier habe die Nahrungsaufnahme einen völlig anderen sozialen Stellenwert als im Norden. Im nördlichen Europa sei Essen weniger ein zentraler und positiver Aspekt des Lebens, weshalb es im Bezug auf die Nahrungsaufnahme schnell zu negativem Stress und daher zur Ausschüttung von Stresshormonen komme. Dies wiederum fördere die Arteriosklerose und so die Inzidenz kardiovaskulärer Erkrankungen.

Key Words: Pizza - mediterrane Diät - Myokardinfarkt