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DOI: 10.1055/s-2005-872043
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
Osteoblastische Knochenmetastasen - Palliativtherapie mit der Radionuklid-Schmerztherapie
Publication History
Publication Date:
28 July 2005 (online)
- Effektiv und gut verträglich
- Auch ökonomisch sinnvoll
- Auch Patienten mit Bronchialkarzinom profitieren
- Literatur

Bis zu 75% der Patienten mit osteoblastischen Knochenmetastasen leiden bereits im Anfangsstadium unter teils chronischen Schmerzen ([1]) und erhalten dennoch in vielen Fällen keine wirksame Palliativtherapie ([3]). Primär muss es darum gehen, die Folgeerscheinungen chronischer Schmerzen wie zum Beispiel Depression und Schlaflosigkeit und damit eine zunehmende "Verselbstständigung des Schmerzes" zu verhindern, was für den Patienten eine bessere Lebensqualität und Mobilität bedeutet.
Bislang werden - gemäß dem Stufenschema der "Word Health Organisation" (WHO) vorwiegend nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Opioide eingesetzt ([10]). Doch nur bei der Hälfte der Patienten bewirkt eine analgetische Medikation Schmerzfreiheit ([4]). "Würde hier zusätzlich die Radionuklidtherapie - zum Beispiel mit Samarium-153-EDTMP (Quadramet®) - zum Einsatz kommen, könnten bis zu 90% der Patienten weit gehend schmerzfrei sein", meinte Dr. N. Czech, Kiel.
#Effektiv und gut verträglich
Voraussetzung für eine solche Schmerztherapie mit Samarium-153-EDTMP sind multiple, schmerzhafte Knochenmetastasen. Die Lebenserwartung des Patienten sollte mehr als drei Monate betragen. Als zusätzliche Parameter sind ein Karnofsky-Index von mehr als 40% sowie eine ausreichende Nieren- und Knochenmarkfunktion (Thrombozyten > 60000, Leukozyten > 2400) definiert.
Intravenös injiziert, reichert sich das Samarium-153-EDTMP gezielt und intensiv in Bereichen mit erhöhtem Osteoblastenstoffwechsel an, wie er durch Metastasen angeregt wird. Aufgrund der selektiven Wirkung und der kurzen Halbwertszeit ist nur eine schwache bis mäßige reversible Knochenmarkdepression nachzuweisen. Das Nebenwirkungsprofil bleibt überschaubar, häufigste unerwünschte Wirkungen sind eine Myelosuppression, gelegentlich treten Flare-Phänomene auf ([5]).
"Die schmerzlindernde Wirkung der Therapie wurde in mehreren Multizenterstudien bei rund 78% der Patienten gezeigt. 25% der Patienten waren sogar schmerzfrei. Dabei tritt die signifikante Schmerzreduktion bereits nach einer Woche ein, die Wirkdauer beträgt vier Monate und länger. Dies führt in vielen Fällen erfreulicherweise dazu, dass andere Schmerzmedikamente nicht mehr eingesetzt werden müssen bzw. deutlich reduziert werden können", fasste Czech die Studienergebnisse ([7], [8]) kurz zusammen, die auch Tian et al. in ihrer Untersuchung erneut bestätigten (s. Kasten).
#Auch ökonomisch sinnvoll
Laut aktuellen Daten aus einer Studie zu den ökonomischen Aspekten einer Therapie mit Samarium-153-EDTMP ([2]) ist die Radionuklidtherapie in Kombination mit einer konventionellen Schmerztherapie pro Responder deutlich günstiger als eine konventionelle Schmerztherapie mit Komedikation, berichtete Dr. F.-U. Fricke, Nürnberg. Insofern sei die Radionuklidtherapie auch aus ökonomischer Sicht zu empfehlen, denn sie verbessere das Kosten-Nutzen-Verhältnis in der schmerztherapeutischen Versorgung.
#Auch Patienten mit Bronchialkarzinom profitieren
Egal welchen Ursprung Knochenmetastasen haben, für die Betroffenen sind sie zum Teil mit unerträglichen Schmerzen verbunden, die sie im Extremfall sogar in den Selbstmord treiben können. Besonders häufig entwickeln Patienten mit Mamma- oder Prostatakarzinom Knochenmetastasen - im fortgeschrittenen Stadium (Stadium IV) immerhin 50 respektive 90% ([6])! Von den Patienten mit Bronchialkarzinom sind dagegen "nur" rund ein Drittel betroffen, nichtsdestoweniger benötigen diese natürlich ebenfalls eine adäquate Schmerztherapie. Rund 25% der Patienten waren schmerzfrei! Tian et al. ([9]) schlossen in ihrer Studie eine relativ große Gruppe von Patienten ein, deren Knochenmetastasen auf ein Bronchialkarzinom zurückzuführen waren (n = 41). Die übrigen 64 Patienten litten an Mamma-, Ösophagus-, Prostata-, Nieren- und Blasen- oder gastrointestinalen Karzinomen. 83,8% aller Patienten sprachen auf die Samarium-Radionuklidtherapie an. Im Allgemeinen bestand die Schmerzreduktion über einen Zeitraum von drei bis 16 Wochen (median: knapp neun Wochen), wobei der Therapieeffekt im Schnitt etwa neun Tage nach der Behandlung einsetzte. Etwa ein Viertel der Patienten war teilweise sogar völlig schmerzfrei. Signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Tumorentitäten waren dabei nicht zu beobachten. 63 der 72 Patienten, die vor der Radionuklidbehandlung diverse Analgetika einnahmen, konnten nach der Therapie den Verbrauch um mindestens ein Drittel reduzieren. 25 Patienten setzten die Schmerzmedikation sogar komplett ab als die Samarium-Radionuklidtherapie ihre maximale Wirkung erreichte. |
Quelle: Symposium "Quadramet® - Klinische Erfahrungen und Ökonomische Aspekte", veranstaltet von der Schering Deutschland GmbH, Berlin, im Rahmen der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Nuklearmedizin
#Literatur
-
1 Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Arzneiverordnung in der Praxis - Tumorschmerzen, 2000.
-
2 DGN, Rostock, 2004, abstract.
- 3 Ensing FB. et al.. Schmerz. 2002; 16 255-262
- 4 Loeser JD. et al. (eds). Bonica's Management of Pain (2nd edition). Baltimore, MD: Lippincott Williams & Wilkins. 1990;
- 5 Resche I. et al.. Eur J Cancer. 1997; 33 1538-1591
-
6
Schicka H.
Brandau W.
Nuklearmedizin. Stuttgart: Schattauer.
1997;
- 7 Schöneich G. et al.. Urologe A. 1998; 37 162-166
- 8 Serafini AN. et al.. J Clin Oncol. 1998; 16 1574-1581
- 9 Tian J. et al.. Eur J Nucl Med. 1999; 26 2-7
-
10 World Health Organization (WHO). Cancer pain relief: With a guide to opioid availability (2nd edition). WHO, Genf, 1996.
Literatur
-
1 Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Arzneiverordnung in der Praxis - Tumorschmerzen, 2000.
-
2 DGN, Rostock, 2004, abstract.
- 3 Ensing FB. et al.. Schmerz. 2002; 16 255-262
- 4 Loeser JD. et al. (eds). Bonica's Management of Pain (2nd edition). Baltimore, MD: Lippincott Williams & Wilkins. 1990;
- 5 Resche I. et al.. Eur J Cancer. 1997; 33 1538-1591
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6
Schicka H.
Brandau W.
Nuklearmedizin. Stuttgart: Schattauer.
1997;
- 7 Schöneich G. et al.. Urologe A. 1998; 37 162-166
- 8 Serafini AN. et al.. J Clin Oncol. 1998; 16 1574-1581
- 9 Tian J. et al.. Eur J Nucl Med. 1999; 26 2-7
-
10 World Health Organization (WHO). Cancer pain relief: With a guide to opioid availability (2nd edition). WHO, Genf, 1996.
