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DOI: 10.1055/s-2005-872044
© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York
HIV-Therapie - Effektiv allein reicht nicht, auch die Compliance muss stimmen!
Publication History
Publication Date:
28 July 2005 (online)
- Seit rund zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt
- Alte und neue Formulierung sind bioäquivalent
- Sowohl first line als auch bei fortgeschrittener Erkrankung
- Nebenwirkungen heute deutlich geringer
- Literatur

Medikamente, die in der AIDS-Therapie eingesetzt werden, müssen nicht nur hoch wirksam sein: Nur bei gleichzeitiger Patientenfreundlichkeit ist die Compliance und damit ein optimaler Erfolg gewährleistet. Der Proteaseinhibitor (PI) Saquinavir (Invirase®) ist seit Ende Mai 2005 in einer neuen Formulierung zugelassen, welche diese Forderung erfüllt: Anstelle von bisher je fünf 200-mg-Kapseln morgens und abends müssen die Patienten nun nur noch je zwei 500-mg-Filmtabletten morgens und abends - in Kombination mit je einer 100-mg-Kapsel Ritonavir - einnehmen.
#Seit rund zehn Jahren kontinuierlich weiterentwickelt
Saquinavir (SQV) wurde Mitte der 1990er Jahre als erster Proteaseinhibitor zur Behandlung von HIV-Infektionen eingesetzt. Durch seine kontinuierliche Weiterentwicklung konnte die Therapie mit dem Wirkstoff den Anforderungen in der klinischen Praxis bis heute immer besser angepasst werden, erläuterte Prof. S. Staszewski, Frankfurt/Main.
Wegweisend war insbesondere die Erkenntnis, dass gemeinsam mit Saquinavir verabreichte subtherapeutische Konzentrationen des Proteaseinhibitors Ritonavir (RTV) als "Booster" wirken: Die zusätzliche Gabe von 100 mg Ritoanvir zu der Saquinavirtherapie (1000 mg) zweimal täglich ermöglicht höhere Wirkstoffkonzentrationen im Blut. Mit der zuletzt eingesetzten SQV-Formulierung, einer 200-mg-Hartkapsel, konnte schließlich "eine hohe Effektivität bei guter Verträglichkeit" erreicht werden, so Staszewski. Die nun neu zugelassene Formulierung als 500-mg-Filmtablette komme zusätzlich "dem Bedürfnis der Patienten nach einer einfachen Therapie sehr entgegen".
#Alte und neue Formulierung sind bioäquivalent
Die Bioäquivalenz der neuen und der alten Formulierung hat kürzlich eine randomisierte Multizenterstudie bestätigt ([1]). 94 symptomfreie Teilnehmer erhielten zunächst über 14 Tage zweimal täglich 100 mg Ritonavir, dann Einzeldosen von täglich 1000 mg Saquinavir plus weiterhin zweimal täglich 100 mg Ritonavir. Saquinavir wurde randomisiert als fünfmal 200-mg-Hartkapsel oder zweimal 500-mg-Filmtablette verabreicht, wobei durch zweimaligen Cross-over jeder Teilnehmer im Wechsel beide Formulierungen erhielt.
Die für beide Formulierungen erstellten durchschnittlichen pharmakokinetischen Profile waren sehr ähnlich (Abb. [1]), wobei die so genannte "area under the curve" (AUC) sowie die maximale Konzentration im Serum für die Filmtablette etwas höher lagen.

Sowohl first line als auch bei fortgeschrittener Erkrankung
Staszewski befürwortet den Einsatz von Proteaseinhibitoren in der Initialtherapie, zum einen aufgrund ihrer hohen Wirksamkeit, zum anderen aber auch, weil gegen die Vertreter dieser Substanzklasse nur wenige Primärresistenzen existieren und außerdem bei geboosterten Proteaseinhibitoren eine hohe genetische Barriere für die Entwicklung neuer Resistenzen besteht. "Bevor ein Virusstamm gegen einen geboosterten Proteaseinhibitor resistent wird, müssen viele Mutationen akkumulieren", betonte auch Prof. M. Kurowski, Berlin.
Doch auch bei fortgeschrittener Erkrankung, etwa wenn Patienten bereits resistente Viren oder Toxizitäten gegenüber Nukleosidanaloga aufweisen, bietet sich Saquinavir an, "da es wenig induzierende Wirkung auf das Cytochrom-P450-System hat, über welches die Proteaseinhibitoren metabolisiert werden, und synergistisch mit anderen Proteaseinhibitoren wirkt", so Staszewski. Saquinavir kann beispielsweise mit Lopinavir, Atazanavir und Fosamprenavir kombiniert werden, jeweils mit Ritonavir als Booster.
#Nebenwirkungen heute deutlich geringer
Bezüglich ihrer Wirkung auf die Serum-Lipidwerte gebe es deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Proteaseinhibitoren, meinte Staszewski. So zeige Saquinavir im Vergleich zu Indinavir oder Lopinavir ein wesentlich günstigeres Profil, insbesondere im Bezug auf die Triglyzeridwerte.
Auch die zu Beginn der Erfahrungen mit Saquinavir aufgrund der hohen Dosierungen sehr ausgeprägten, vor allem gastrointestinalen Nebenwirkungen, fielen heute deutlich geringer aus. "Wir haben nun eine kompakte Saquinavir-Zubereitungsform, die sowohl gastrointestinal als auch bezüglich der Serum-Lipidwerte gut verträglich ist", fasste Kurowski zusammen.
Verena Wittmann, Stuttgart
Quelle: Invirase 500 - Launch Pressekonferenz: "Neue Formulierung - weniger Tabletten - optimale Wirkung", veranstaltet von der Hoffmann-La Roche AG, Grenzach-Wyhlen
#Literatur
Literatur

