II. MR-gesteuerte perkutane Gewebeentnahme
Indikationen
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MR-Befunde der Kategorie MRM-BIRADS IV oder V (ggf. MRM-BIRADS III, z.B. bei Wunsch der Patientin), die weder klinisch noch mit anderen bildgebenden Verfahren (Mx, US) eindeutig nachweisbar sind.
Equipment
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MR-System 1.0T oder höher
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Offene Oberflächenspule mit Zugang zur Brust
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MR-kompatible Zielvorrichtung
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MR-kompatible Punktionsvorrichtung:
Vorgehensweise
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KM-gestützte MR-Mammografie mit positionierter Zielvorrichtung zur Reproduzierbarkeit des durch eine perkutane Biopsie abzuklärenden Befundes.
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Bei fehlender oder zweifelhafter Reproduzierbarkeit des durch perkutane Biopsie abzuklärenden Befundes: Beendigung der Intervention. MRM-Kontrolle innerhalb der nächsten 6 Monate.
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Bei eindeutiger Reproduzierbarkeit des Befundes: Berechnung geeigneter Punktionskoordinaten (x-, y- und z-Achse). Markierung der errechneten Punktionsstelle (z.B. ölhaltiger Marker) und MR-Kontrolle (ohne KM) der korrekten Position der gewählten Punktionsstelle.
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Bei inkorrekter Position des Markers: erneute Berechnung geeigneter Koordinaten und Korrektur des Markers. Bei korrekter Markerplatzierung kutane Desinfektion der Punktionsstelle, adäquate Lokalanasthesie und ggf. Stichinzision. Einführen der MR-kompatiblen Koaxialnadel (z.B. mit metallischem Mandrin) unter Berücksichtigung der Herdtiefe (z-Achse). Positionierung der Koaxialnadelspitze vor dem abzuklärenden Befund (Distanz abhängig vom gewählten Vakuumbiopsie-System, üblicherweise 15-25 mm).
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Entfernung des metallischen Mandrins, Einführung eines MR-kompatiblen Mandrins und MR-Kontrolle (ohne KM) der korrekten Position der Koaxialnadel. Bei Fehlplatzierung Korrektur und erneute Kontrolle, bei korrekter Positionierung der Koaxialnadelspitze/Mandrinspitze Entfernung des MR-kompatiblen Mandrins und Einfuhren der Vakuumbiopsienadel.
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Konsekutive Entnahme von Gewebezylindern mit dem Vakuumbiopsiesystem unter Rotation der Entnahme-Öffnung (Notch). Empfohlene Anzahl der zu entnehmenden Biopsate: ≥ 12 (entsprechend einer kompletten Rotation von 1 Uhr bis 12 Uhr gemäß Ziffernblatt). Gegebenenfalls zwischenzeitliche Kontrolle der repräsentativen Lage des Resektionsbettes zur Modifikation der weiteren Entnahmestellen.
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Postinterventionelle MR-Kontrolle (ggf. KM-gestützt, z.B. bei Herdbefunden) zur abschließenden Dokumentation der repräsentativen Gewebeentnahme (Befund kleiner, Befund nicht mehr nachweisbar, Lage des Resektionsbettes repräsentativ). Ggf. Entnahme weiterer Gewebezylinder.
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Optional Freisetzung eines Markierungs-Coils im Resektionsbett über liegende Koaxialnadel. MR-Dokumentation (ohne KM) der intramammären Coillage.
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Entfernung der Koaxialnadel. Kompression und Kühlung des Stichkanals. Druckverband.
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Optional ergänzende 2-Ebenen-Mammografie im cc- und ml-Strahlengang zur topografischen Zuordnung der Resektionshöhle oder zur Dokumentation der Lage des Coils für den Fall eines notwendigen operativen Eingriffes.
Befundbeschreibung
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Reproduzierbarkeit des Befundes (ja, nein)
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Lage des Befundes (Quadrant, Uhrzeit, Distanz ab Kutis)
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Kaliber der Vakuumnadel (z.B. 11G, 9G)
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Anzahl der primär (und ggf. sekundär) entnommenen Gewebezylinder
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Auftreten relevanter Komplikationen
Befunddokumentation
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MR-Bild mit Befunddokumentation (Bildsubtraktion)
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MR-Bild mit Dokumentation der Koaxialnadellage (pre-fire)
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MR-Bild mit Dokumentation des Resektionsbettes oder der Vakuumnadellage nach Gewebeentnahme
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Optional: Kontroll-KM-MRT
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Optional: Röntgenmammografie (cc, ml)
Qualitätskriterium
Prozedere
Bei histologischem Befund der Kategorie
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B1 oder B2: Kontroll-MRT nach 6 Monaten (ggf. auch frühzeitiger)
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B3 oder B4: interdisziplinäre Besprechung der weiteren Vorgehensweise (z.B. MRT-Kontrolle, erneute Stanzbiopsie, OP)
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B5a oder B5b: Einleitung adäquater therapeutischer Maßnahmen
Prof. Dr. med. Uwe Fischer, Göttingen
Konsensus des Vorstandes der AG Mammadiagnostik der Deutschen Röntgengesellschaft (Prof. R. Schulz-Wendtland, Prof. M. Müller-Schimpfle, Prof. U. Bick, Prof. U. Fischer, Prof. C. Kuhl) und der Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft