Dank der Fortschritte der vergangenen 15 Jahre können Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) heute so gut behandelt werden, dass ihnen Schmerzen und schwere Deformationen weitgehend erspart bleiben. Dennoch sprechen nicht alle ausreichend auf die Therapie an. Eine neue Option, die selektive Hemmung der T-Zellen-Kostimulation durch Abatacept (Orencia®), erweitert seit Kurzem das therapeutische Spektrum.
Am Beginn der Entzündungskaskade eingreifen
Am Beginn der Entzündungskaskade eingreifen
Den T-Zellen kommt im Entzündungsgeschehen am Gelenk eine zentrale Funktion zu, erläuterte Prof. Gerd-Rüdiger Burmester, Berlin. Nachdem sie die Autoantigene auf den antigenpräsentierenden Zellen (APC) erkannt haben, geben sie mithilfe ihrer Zytokine den Startschuss für die inflammatorische Kaskade, in deren Verlauf weitere Immunzellen - Monozyten, Makrophagen und B-Zellen - rekrutiert und aktiviert werden.
Das neue Antirheumatikum Abatacept setzt exakt an diesem ersten Schritt des Entzündungsprozesses an: Es inhibiert den Kontakt zwischen antigenpräsentierender Zelle und T-Zelle an den Oberflächenrezeptoren CD80 und 68 und moduliert so die Immunreaktion. Dabei wird die Immunreaktivität nicht komplett unterdrückt, sondern so heruntergeschaltet, dass die pathologischen Prozesse im Gelenk gehemmt werden, erklärte Burmester.
Radiologische RA-Progression verzögert sich
Radiologische RA-Progression verzögert sich
In drei placebokontrollierten Phase-III-Studien wurde der neue T-Zellen-Kostimulationsmodulator inzwischen erprobt, berichtete Dr. Rieke Alten, Berlin. So nahmen an AIM[1] Patienten mit rheumatoider Arthritis teil, die nur inadäquat auf eine Behandlung mit Methotrexat (MTX) ansprachen, an ATTAIN[2] und ASSURE[3] wiederum solche, bei denen die Gabe von Methotrexat plus Biological keinen ausreichenden Erfolg hatte. Dabei wurde in ATTAIN das Biological abgesetzt, in ASSURE Abatacept zusätzlich zu Methotrexat und Biological gegeben. ASSURE diente primär der Prüfung von Sicherheit und Verträglichkeit.
Nach einem Jahr unter Abatacept befanden sich 24 % der Patienten in AIM in Vollremission. In ATTAIN waren dies nach sechs Monaten 10 % der RA-Patienten - allerdings war ihr Status zu Studienbeginn hier deutlich schlechter als der der AIM-Population, wie Alten betonte. Bei 45 % (AIM) und 18 % (ATTAIN) der Patienten wurde nur eine geringfügige Krankheitsrestaktivität beobachtet. Die Effektivität der Therapie nahm über die Zeit noch zu, ergaben Verlängerungen beider Studien. Die radiologische Progression der rheumatoiden Arthritis wurde verzögert.
Abatacept in Kürze
Abatacept in Kürze
Abatacept besteht aus einem humanen IgG-Fragment und dem zytotoxischen T-Lymphozyten-assoziierten Antigen 4 (CTLA-4), das mit CD80/68 interagiert. Es wird alle vier Wochen in körpergewichtsabhängiger Dosierung (10 mg/kgKG) in einer 30-minütigen Kurzinfusion appliziert. Zugelassen ist der T-Zellen-Modulator zur Behandlung der mäßigen bis schweren rheumatoiden Arthritis in Kombination mit Methotrexat, wenn so genannte DMARDs ("disease modifying antirheumatic drugs") und Biologicals keinen ausreichenden Effekt gebracht haben oder nicht vertragen wurden.
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Nebenwirkungen - mit Ausnahme von Infektionen - auf Placeboniveau
Nebenwirkungen - mit Ausnahme von Infektionen - auf Placeboniveau
Das Sicherheitsprofil des neuen Wirkstoffs scheint sehr gut zu sein. Schwere unerwünschte Wirkungen und Todesfälle traten in den Studien nicht häufiger auf als unter Placebo. Schwere Infektionen wurden mit 18 versus 1 % allerdings häufiger beobachtet, doch deutlich seltener als unter TNF -Inhibitoren.
Quelle: Einführungspressekonferenz "Dauerhafter Therapieerfolg bei RA", veranstaltet von der Bristol-Myers Squibb GmbH, München