Pneumologie 2008; 62(5): 254
DOI: 10.1055/s-2008-1075136
Pneumo-Fokus

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Asthma bronchiale - Beeinflusst Stillen die Entwicklung von Asthma?

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Publication Date:
07 May 2008 (online)

 
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P. J. Mandhane et al. haben in der vorliegenden Studie untersucht, welche Zusammenhänge zwischen den Faktoren Stillen, Geschlecht der Kinder, Geschlecht der Eltern und Atopieanamnese der Eltern bestehen. Dadurch wollten sie herausfinden, ob Stillen eine mögliche Ursache für die Entstehung von Asthma bronchiale bei Kindern ist. J Allergy Clin Immunol 2007; 119: 1359-1366

Eine vorangegangene longitudinale Geburtskohortenstudie in Neuseeland ergab, dass gestillte Kinder ein 2,4-fach erhöhtes Risiko hatten, ein Asthma bronchiale zu entwickeln. In einer Folgestudie untersuchten die Wissenschaftler an derselben Kohorte, welche Zusammenhänge zwischen Stillen, väterlicher und mütterlicher Atopieanamnese und Geschlecht des Kindes bestehen. Die Studie ergab, dass der Einfluss von Stillen stark von dem Geschlecht des Kindes und einer mütterlichen bzw. väterlichen Atopieanamnese abhängen. Gestillte Mädchen mit positiver Atopieanamnese der Eltern hatten ein 10-fach höheres Risiko als nicht gestillte Mädchen an Asthma zu erkranken. Gestillte Mädchen mit positiver mütterlicher Atopieanamnese hatten sogar ein 15-fach höheres Risiko. Im Gegensatz dazu hatten gestillte Mädchen mit positiver väterlicher Atopieanamnese ein nur 3-fach erhöhtes Risiko.

Gestillte Jungen mit positiver Atopieanamnese der Eltern hatten ein 1,6-fach höheres Risiko an Asthma zu erkranken. Gestillte Jungen mit positiver väterlicher Atopieanamnese hatten ein 3,6-fach höheres Risiko. Gestillte Jungen mit positiver mütterlicher Atopieanamnese zeigten kein signifikant erhöhtes Risiko.

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Bewertung

Der Einfluss von Stillen auf die Entwicklung von Asthma bronchiale scheint geschlechtsspezifisch zu sein. Während gestillte Mädchen vor allem von einer mütterlichen Atopie beeinflusst werden, scheinen Väter ihre allergische Veranlagung bevorzugt an Jungen weiterzugeben. Die verantwortlichen Faktoren sind unklar, es werden hormonelle und/oder genetische Einflussfaktoren diskutiert.

Referiert und bewertet von Dr. Dominik Hartl, München