Einleitung
Einleitung
Apoptose, auch programmierter Zelltod genannt, ist ein
phylogenetisch hochkonserviertes und zellintrinsisches Selbstmordprogramm, das
von entscheidender Bedeutung für die Aufrechterhaltung der
Gewebehomöostase ist. Es ist heute klar, dass neben der Fähigkeit zu
Angiogenese, Überwindung der Seneszenz und der Möglichkeit zu
Gewebeinvasion und Metastasierung weitere zentrale Bedingungen durch die
Tumorzelle erfüllt sein müssen, damit sich ein Tumor
„erfolgreich” im Organismus ausbreiten kann: So ist –
über die Unempfindlichkeit gegenüber antiproliferativen Signalen und
der Fähigkeit zur Eigenversorgung mit Wachstumssignalen hinaus – in
besonderem Maße die Apoptoseresistenz für die Entstehung von
Tumorerkrankungen der Haut bedeutsam [14]. Durch ein
„Zuwenig” an Apoptose kann die Krebsentstehung und Progression
von Neoplasien der Haut gefördert werden, während ein
„Zuviel” an Apoptose zur Involution von Hauttumoren führt,
wie dies am Beispiel des Keratoakanthoms gezeigt werden kann [4]. Apoptosevorgänge laufen nicht etwa chaotisch ab,
sondern stellen einen hochgradig regulierten zellulären Prozess dar, der
vermutlich ähnlich komplex wie der Zellzyklus reguliert ist
[10]. In der Signaltransduktionskaskade zur
Auslösung von Apoptose ist eine Gruppe von Proteasen, sogenannte Caspasen,
von zentraler Bedeutung [20]. Eine Untergruppe der
Caspasen, die sogenannten Initiator-Caspasen (Caspase-8 und -10) können
über einen rezeptorvermittelten Signalweg (extrinsischer
Apoptose-Signalweg) die Effektor-Caspasen (Caspase-3, -6, -7) aktivieren (siehe
[Abb. 1]). Im Gegensatz dazu steht der
intrinsische Signalweg der Apoptose, der über die Mitochondrien die
Apoptose-Kaskade aktiviert [8]. Der rezeptorvermittelte
Apoptose-Signalweg wird durch Bindung von Todesrezeptor-Liganden an ihre
spezifischen Rezeptoren auf der Zelloberfläche aktiviert. Man kennt heute
acht verschiedene Todesrezeptoren, nämlich TNF-R1, CD95, TRAIL-R1,
TRAIL-R2, DR-3, DR-6, EDAR, sowie den NGF-Rezeptor [22].
Nach Stimulation des Rezeptors mit dem Liganden kommt es zur Ausbildung einer
als „Death-inducing signalling complex” (DISC) bezeichneten
intrazellulären Aktivierungsplattform. Durch die Rekrutierung
verschiedener Adaptermoleküle, wie beispielsweise FADD, wird Caspase-8 zum
DISC rekrutiert. Dies führt zur autokatalytischen Aktivierung dieser
zentralen Initiator-Caspase. Die aktivierte Caspase-8 führt über die
Initiierung der nachgeschalteten Caspase-Kaskade schließlich zum Zelltod
durch proteolytische Spaltung einer Vielzahl zellulärer Substrate, was
anhand der typischen morphologischen und biochemischen Charakteristika
nachgewiesen werden kann [20]. Alternativ kann die
Aktivierung von Caspasen über den intrinsischen Signalweg der Apoptose
ausgelöst werden. Dieser Signalweg kann durch Stressfaktoren, wie
DNA-Schädigung, Chemotherapien, Verlust der Adhäsion (sog. Anoikis),
aber auch durch den Entzug von Wachstumsfaktoren aktiviert werden. Durch diese
Signale werden proapoptotische Moleküle (z. B. Cytochrom-C, HtrA2,
Smac/DIABLO, Endonuclease G) aus dem intermembranösen Raum der
Mitochondrien freigesetzt. Diese Moleküle können einerseits eine
weitere hochmolekulare Aktivierungsplattform der Caspase-9 (Apoptosom)
aktivieren, andererseits können durch diese aus den Mitochondrien
freigesetzten Proteine auch caspaseunabhängige Formen des Zelltodes
aktiviert werden [34].
Abb. 1 Die
Signaltransduktionskaskade der Apoptose. Schematische Darstellung des
derzeitigen Verständnisses der apoptotischen Signaltransduktionskaskade.
Es wird ein intrinsischer von einem extrinsischen Apoptose-Signalweg
unterschieden, die beide die Aktivierung von Effektorcaspasen initiieren.
Effektorcaspasen induzieren durch Proteolyse die Modifikation zahlreicher
Substrate der Zelle, die den typischen apoptotischen Phänotyp der Zelle
ausbilden (weitere Details siehe auch die ausführliche Darstellung im
Text).
Die Entwicklung von Apoptose-Defekten während der
Tumorigenese kutaner Neoplasien
Die Entwicklung von Apoptose-Defekten während der
Tumorigenese kutaner Neoplasien
Die Signaltransduktionskaskade von Apoptose kann in Tumorzellen auf
verschiedenen Ebenen gestört sein. So können beispielsweise Proteine
der Bcl-2-Familie, die von zentraler Bedeutung für die Regulation des
intrinsischen Apoptose-Signalweges verantwortlich sind, aufreguliert werden
[9], wie es beispielsweise beim Basalzellkarzinom der
Haut bekannt ist [26]. Andererseits kann es zur Blockade
dieses Signalweges durch Verlust der sogenannten BH3-Proteine kommen, die als
differenzielle Sensoren zellulären Stresses verstanden werden können.
Dies konnte für verschiedene Tumorentitäten, u. a. beim
malignen Melanom gezeigt werden [30]. Zu weiteren
spezifischen Signalmolekülen der Bcl-2-Familie oder anderer
Apoptose-Signalmoleküle sind insbesondere zur systematischen Expression in
vivo nur wenige Untersuchungen veröffentlicht worden [11].
Apoptoseresistenz beim Plattenepithelkarzinom der Haut
Apoptoseresistenz beim Plattenepithelkarzinom der Haut
Von zentraler Bedeutung bei der Entstehung des
Plattenepithelkarzinoms der Haut ist das Tumorsuppressorprotein p53.
p53-Mutationen und damit die Inaktivierung dieses durch DNA-Schädigung
aktivierten Signalweges können bereits in nur mikroskopisch
UV-geschädigter menschlicher Haut gefunden werden, und bei Patienten mit
fortgeschrittenem Lichtschaden können großflächig konfluierende
Felder p53-mutanter Keratinozyten gefunden werden, die das mikroskopische
Korrelat einer Feldkanzerisierung darstellen könnten [5]. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam, dass in
photogeschädigter Haut das mutierte, meist nicht mehr zur Transkription
von Zielproteinen fähige p53-Protein akkumuliert. In verschiedenen
experimentellen Systemen konnte nachgewiesen werden, dass möglicherweise
dieses mutierte p53 in der Zelle andere Gene bzw. Transkriptome aktivieren
kann, als es p53 in seiner wildtypischen Variante kann („gain of
function”-Mutation) [38]. Die zentrale Bedeutung
des Verlustes der Wildtyp-Funktion p53 konnten auch elegante Mausmodelle
herausstellen, die zeigten, dass durch den Verlust der Funktion von Wildtyp-p53
die onkogeninduzierte Seneszenz verhindert und gleichzeitig die
Apoptoseresistenz in fortgeschrittenen Tumorstadien aufrecht erhalten wird
[36]
[41]. Damit ist heute klar,
dass der p53-Verlust nicht nur in frühen Tumorstadien des
Plattenepithelkarzinoms der Haut, sondern durch die gesamte Tumorprogression
aufrechterhalten werden muss und somit ein potenzielles therapeutisches Ziel
darstellen könnte.
Molekulare Mechanismen der Tumorigenese des
Basalzellkarzinoms
Molekulare Mechanismen der Tumorigenese des
Basalzellkarzinoms
Der häufigste menschliche Tumor, das Basalzellkarzinom, war
über sehr lange Zeit experimentell nur schwer zugänglich, da die
Tumoren weder im Mausmodell induzierbar waren, noch humane Tumoren
zufriedenstellend in Zellkultur überführt werden konnten
[2]. Arbeiten der letzten Dekade haben nunmehr
überzeugend darstellen können, dass es beim Basalzellkarzinom zur
dauerhaften Aktivierung des Sonic-Hedgehog-Signalwegs kommt. Dieser eigentlich
embryonal bedeutsame Signalweg fördert bei Basalzellkarzinomen das
Tumorwachstum [15]. Ein zentrales Suppressor-Protein des
Sonic-Hedgehog-Signalweges, Patched (PTCH), ist beim Basalzellnaevus-Syndrom
(Gorlin-Goltz-Syndrom) heterozygot mutiert [18], und
eine heterozygote Deletion dieses Gens in der Maus erlaubt Untersuchungen zur
UV- oder γ-bestrahlungsinduzierten Entstehung von Basalzellkarzinomen
[1]. Auf dieser wegweisenden Erkenntnis aufbauende
Arbeiten verschiedener Arbeitsgruppen konnten zeigen, dass alternativ das durch
Patched inaktivierte Signalprotein Smoothened (SMO), das durch Patched in der
Keratinozyten-Membran inaktiviert wird, aktivierende Mutationen bei
sporadischen Basalzellkarzinomen tragen kann [16]. So
gilt heute zusammenfassend als sicher, dass ein konstitutiv aktiver
Sonic-Hedgehog-Signalweg, der zur Aktivierung von Transkriptionsfaktoren der
Familie der Gli-Proteine führt [27], beim BCC von
entscheidender Bedeutung ist [2]. Gli-Proteine aktivieren
wiederum nicht nur eine autokrine EGF-Stimulation [3],
sondern regeln auch zentrale antiapoptotische Moleküle wie cFLIP auf, was
für die Apoptoseresistenz von BCC bedeutsam ist [19].
Apoptoseresistenz beim malignen Melanom
Apoptoseresistenz beim malignen Melanom
Beim aggressivsten Tumor der Haut, dem malignen Melanom, das aus
primär neuroektodermalen Melanozyten oder Vorläuferzellen hervorgeht,
konnten auf verschiedenen Ebenen Apoptoseresistenz-Mechanismen identifiziert
werden, die zur hochgradigen Therapieresistenz gegenüber
herkömmlichen Chemo- und γ-Bestrahlungstherapien der metastasierten
Tumorstadien beitragen. So wurde beispielsweise ein kritischer Inhibitor der
Todesrezeptor-vermittelten Apoptose, cFLIP, als in Melanomzellen
hochexprimiertes Molekül identifiziert [17].
Weiterhin konnten Korrelationen zur Expression verschiedener
Bcl-2-Familienmitglieder dargestellt werden, die mit der Prognose des malignen
Melanoms korrelierten [11]. Verschiedene, beim malignen
Melanom kritische Signalwege (p16INK4A, p14ARF, die
zyklinabhängige Kinase 4 [CDK4]), aber auch N-Ras, B-Raf, sowie
Mitogen-aktivierte Protein-Kinase-(MAPK)-regulierte Signale fördern nicht
nur die Proliferation, sondern auch die Seneszenz der Tumorzellen, sodass
insgesamt bei malignen Melanomen proliferative Signalwege aktiviert sind, die
jedoch zur malignen Tumorentstehung nicht hinreichend sind [13]. Diese Signalwege blockieren andererseits durch
Induktion antiapoptotischer Moleküle der Bcl-2-Familie oder Inaktivierung
von BH3-Molekülen wie Bad die apoptotische Signalkaskade
[24], sodass beim malignen Melanom ebenso das
Wechselspiel proliferativer und apoptotischer Signalwege bedeutsam ist.
Mechanismusbasierte Therapieoptionen durch Induktion von Apoptose
bei Hauttumoren
Mechanismusbasierte Therapieoptionen durch Induktion von Apoptose
bei Hauttumoren
Obwohl der Anteil metastasierungsfähiger
Plattenepithelkarzinome der Haut insgesamt gering ist, sind im Falle der
Metastasierung die herkömmlichen chemotherapeutischen Verfahren nicht
ausreichend wirksam. Ebenso sind die Möglichkeiten zur aggressiven und
potenziell nebenwirkungsreichen Polychemotherapie zumeist begrenzt, da aufgrund
der hohen Inzidenz im fortgeschrittenen Lebensalter es sich weitgehend um
Patienten mit erheblichen Komorbiditäten handelt [21]. Die Induktion von Apoptose bei dieser
Tumorentität stellt daher einen innovativen Therapieansatz dar, der die
Prognose im Stadium III oder IV dieser Tumorentität verbessern könnte
[6]. Durch die obligate Mutation von p53 und der
Akkumulation des mutanten Proteins fehlt die transkriptionelle Aufregulation
proapoptotischer Moleküle von BAX bzw. von anderen proapoptotisch
wirksamen BH3-Proteinen (wie z. B. Puma und Noxa), die an der
Auslösung p53-abhängiger Apoptose beteiligt sind. So ist es nicht
verwunderlich, dass die Apoptoseinduktion durch Chemotherapien oder auch
Bestrahlungstherapien unterdrückt ist und daher nur unzureichend wirksam
sein kann. Aufgrund der Anreicherung des mutanten p53 in den Tumorzellen des
Plattenepithelkarzinoms könnte jedoch eine Apoptoseinduktion durch
Reaktivierung von p53 eine innovative Therapiemodalität darstellen
[28]
[39]. So wurden von
verschiedenen Arbeitsguppen Moleküle identifiziert, die in der Lage sind,
die mutanten Formen von p53 in die Wildtypkonfiguration zu
überführen. In präklinischen Modellen konnte erfolgreich
mutantes p53 reaktiviert werden und so p53-abhängige Apoptose in
Tumorzellen induziert werden [7]. Ebenso konnte vor
Kurzem erfolgreich von der Unterdrückung von UV-induzierten Tumoren in
einem Mausmodell durch Anwendung des p53-Reaktivators CP31398 berichtet werden
[32]. Damit könnte die Reaktivierung von p53
einerseits eine erfolgversprechende Therapie zur Vermeidung der Progression
einer Feldkanzerose zu invasiven Tumoren sein, andererseits eine interessante
Option bei inoperablem oder metastasiertem Plattenepithelkarzinom der Haut
darstellen ([Abb. 2], TZ 1).
Ausgehend von der Erkenntnissen, dass der Sonic Hedghog-Signalweg
beim Basalzellkarzinom der Haut konstitutiv aktiviert ist, wurden
kleinmolekulare Substanzen entwickelt, die spezifisch den
Sonic-Hedgehog-Signalweg blockieren können. Als Leitsubstanz konnte das
Cyclopamin beschrieben werden [31]. Aufbauende
Substanzen, wie das CUR61414, Purmorphamin oder GDC-0449, die sich in der
präklinischen bzw. frühen klinischen Prüfung befinden, werden
gegenwärtig für die klinische Anwendung entwickelt
[29]. Interessanterweise konnte Cyclopamin auch in einem
Mausmodell das UV-vermittelte Auftreten von Basalzellkarzinomen in einem
therapeutisch relevanten experimentellen Ansatz hemmen. So konnte durch Gabe
des Antagonisten die rasche Induktion von Apoptose in den Tumorzellen
festgestellt werden, die über die endogene Aktivierung des Todesrezeptors
CD95 vermittelt zu sein scheint [2] (siehe
[Abb. 2]; TZ 2). Weiterhin konnte mit einem oral
verfügbaren Sonic-Hedgehog-Antagonisten (GDC-0449) vor kurzem erfolgreich
eine Phase-I-Studie beim fortgeschrittenen, multifokalen oder metastasierenden
Basalzellkarzinom mit ermutigendem Ergebnis abgeschlossen werden
[37]. So konnte eine klinische Regression bei 8 von 9
behandelten Patienten per Apoptoseinduktion nachgewiesen werden. Schon die nahe
Zukunft lässt also hoffen, dass diese Substanzen Eingang in das
therapeutische Arsenal des onkologisch tätigen Dermatologen finden
werden.
Abb. 2 Therapeutische
potenzielle Ansatzmöglichkeiten zur Durchbrechung der Apoptoseresistenz.
Dargestellt sind potenzielle Zielmoleküle, die direkt oder indirekt in die
apoptotische Signaltransduktionskaskade eingreifen. Einzelheiten der
Aktivierung von Zielmolekülen sind im Text jeweils mit dem Kürzel
„Therapeutisches Ziel” (TZ 1–6) gekennzeichnet
(Einzelheiten siehe auch die ausführliche Darstellung im Text).
Generelle Induktoren von Apoptose-Signalwegen
Generelle Induktoren von Apoptose-Signalwegen
Die aufgeführten Therapieoptionen zu spezifischen Signalwegen
und einzelnen Tumorentitäten stellen nur eine erste, gleichwohl
Tumorentitäts-spezifische Form der Therapie dar, die zur Behandlung von
Hauttumoren eingesetzt werden könnte. Darüber hinaus sind weitere
Substanzen, deren Entwicklung direkt auf dem Verständnis von
Apoptose-Signalwegen beruht, potenziell zur Therapie von Tumorerkrankungen
einsetzbar. Ausgehend von den Befunden zur kritischen Regulation des
mitochondrialen Signalweges der Apoptose durch Bcl-2-Familienmitglieder konnten
in den letzten Jahren Substanzen entwickelt werden, die in der Lage sind,
antiapoptotische BCL-2-Familienmitglieder zu blockieren. So konnte mit ABT-737
[25] erstmals eine spezifisch apoptoseinduzierende
Substanz identifiziert werden, die direkt den mitochondrialen Signalweg der
Apoptose aktiviert. Vor Kurzem konnte mit der oral verfügbaren Substanz
ABT-263 ein auf ABT-737 basierendes Derivat beschrieben werden ([Abb. 2], TZ 3) [33]. Auch beim
Plattenepithelkarzinom der Haut scheint eine selektive Wirksamkeit dieser
Substanz auf Tumorzellen vorzuliegen, während primäre humane
Keratinozyten in vitro resistent gegenüber dem apoptoseinduzierenden
Signal durch ABT-737 sind (P. Geserick und M. Leverkus, unveröffentlichte
Beobachtung). Ob diese Substanzen als Monotherapien oder in Kombinationen mit
beispielsweise Chemotherapeutika erfolgversprechend zum Einsatz gebracht werden
können, bedarf zukünftig weiterer experimenteller und
präklinischer Studien.
„Inhibitor of apoptosis”-Proteine (IAPs) sind eine
Gruppe von Eiweißen, die die Apoptose in der Effektorphase hemmen
können. Diese Moleküle vermitteln insbesondere die Aktivierung von
Effektorcaspasen. Zu den IAP-Proteinen gehören acht Moleküle, und
zwar XIAP, cIAP1, cIAP2, Survivin, NAIP, ILP-2, BRUCE (Apollon) und Livin
(ML-IAP) [35]. Während die antiapoptotische Wirkung
zahlreicher IAP-Moleküle noch unklar ist, erreicht XIAP seine
antiapoptotische Wirkung durch Blockade der aktivierten Caspase-3, -7 und -9.
Weiterhin kann XIAP die Blockade der Aktivierung von Caspase-9 erreichen. IAPs
sind ein wichtiger Resistenzfaktor in verschiedenen malignen Tumoren, da sie
die apoptotische Signalkaskade an zentraler Schaltstelle blockieren. Es ist
nicht verwunderlich, dass sie in vielen Tumorformen vermehrt exprimiert werden
und einen weiteren wichtigen Resistenzfaktor gegenüber konventionellen
Chemotherapien darstellen. Mit verschiedenen Strategien sind in den letzten
Jahren Substanzen entwickelt worden, die direkt die Funktion von XIAP
blockieren können, darunter Antisense-Oligonukleotide sowie
niedermolekulare Inhibitoren. In präklinischen Studien konnte gezeigt
werden, dass kleinmolekulare Smac-Peptide oder Inhibitoren, die die Bindung des
aus den Mitochondrien freigesetzten Smac an XIAP vermitteln und so dieses
Molekül inaktivieren können, nachfolgend eine Aktivierung von
Caspasen in Tumorzellen erreichen. So konnte in verschiedenen Tumorzellen mit
diesen Inhibitoren direkt Apoptose induziert werden oder für andere
Apoptose-Signale wie beispielsweise Chemotherapeutika sensitiviert werden. Da
beispielsweise beim malignen Melanom das IAP-Protein Livin deutlich
überexprimiert wird sowie bei Plattenepithelkarzinomen der Haut
beispielsweise XIAP in Untergruppen der Tumoren hochexprimiert wird (Peter
Geserick und Martin Leverkus, unveröffentlichte Beobachtung), ist davon
auszugehen, dass auch IAP-Antagonisten erfolgversprechende Therapeutika zur
Behandlung von Hauttumoren sein könnten (siehe [Abb. 2], TZ 4).
Durch Aktivierung von Todesrezeptoren können direkt die
zentralen Effektormoleküle der Apoptose, die Effektor-Caspasen-3, -6 und
-7 aktiviert werden. Somit stellen Todesliganden bzw. Todesrezeptor-Agonisten
eine potenzielle interessante Therapieoption von Tumorerkrankungen dar (vgl.
[Abb. 2], TZ 5). Insbesondere beim
Plattenepithelkarzinom der Haut zeigt sich durch differenzielle Expression
eines zentralen Inhibitors, cFLIP, eine selektive Sensitivität
transformierter Keratinozyten, während fortgeschrittene Tumorstadien cFLIP
wiederum aufregulieren (Peter Geserick and Martin Leverkus,
unveröffentlichte Beobachtung) [23]. Im Gegensatz
zu cFLIP sind in vitro die bislang untersuchten Todesrezeptoren (CD95,
TRAIL-Rezeptor [TRAIL-R]-1 sowie TRAIL-R2) homogen auf der
Zelloberfläche exprimiert. Damit könnten Aktivatoren des
extrinsischen Signalweges der Apoptose auch erfolgversprechende Therapeutika
zur Behandlung des Plattenepithelkarzinoms der Haut darstellen. Hierzu werden
jedoch weitere präklinische Untersuchungen zur genauen zelltypspezifischen
und epidemiologischen Untersuchung an größeren Kollektiven von
Primärtumoren und Metastasen erforderlich sein.
Vermutlich durch die hohe Expression des intrazellulären
Inhibitors cFLIP zeigen sich viele Melanomzellen resistent gegenüber einem
Todesrezeptor-vermittelten Apoptose-Signal. Der intrazelluläre Inhibitor
cFLIP wird in seiner Expression auf verschiedenen Ebenen gesteuert und ist
aufgrund seiner intrazellulär kurzen Halbwertszeit ein attraktives
therapeutisches Ziel ([Abb. 2], TZ 6)
[22]. Um zu überprüfen, ob Melanomzellen durch
cFLIP kritisch gegenüber Todesrezeptor-vermittelten Signalen
geschützt sind, konnte mit „knock down”-Experimenten
nachgewiesen werden, dass die isolierte Herunterregulation von cFLIP
ausreichend ist, um Melanomzellen dramatisch für ein proapoptotisches
Signal über Todesrezeptoren zu sensitivieren [12].
Diese Experimente stellen unter Beweis, dass eine Herunterregulation von
Inhibitoren der Apoptose ein erfolgversprechendes Konzept zur Tumortherapie
sein könnte. Durch verschiedene posttranskriptionelle Mechanismen, die
cFLIP regulieren, könnte auch pharmakologisch Zugang zur Aktivierbarkeit
dieses Signalweges gefunden werden. Die Translation im Besonderen von cFLIPs
wird durch „mammalian target of rapamycin” (mTOR) reguliert,
sodass mTOR-Inhibitoren erfolgversprechend zur Herunterregulation von cFLIP
eingesetzt werden könnten. Da cFLIP über NF-κB aufreguliert
wird, könnten auch Proteasomen-Inhibitoren zur Herunterregulation von
cFLIP verwendet werden. Es wurden zahlreiche weitere pharmakologische
Substanzen identifiziert, die gegenüber Todesrezeptor-vermittelter
Apoptose sensitivieren können, u. a.
4-(4-chloro-2-methlyphenoxy)-N-Hydroxybutanamide, auch als
5 809 354 bekannt, das synthetische Tripertenoid
2-Cyano-3,12-Dioxoolean-1,9-bien-28-oic-Säure (CDDO) oder
Histon-Deazethylase-Hemmer wie beispielsweise die Substanz
Suberoylanilid-Hydroxamin-Säure (SAHA). Mehr spezifisch agierende
Therapieansätze, wie der Einsatz von siRNAs gegen cFLIP oder aufbauende
Verfahren [40] könnten zukünftig ebenfalls zur
Therapie des malignen Melanoms erfolgversprechend sein.
Apoptoseresistenz: Problem und Chance bei der Tumortherapie von
Hauttumoren?
Apoptoseresistenz: Problem und Chance bei der Tumortherapie von
Hauttumoren?
In den letzten zwei Dekaden ist das Wissen über tumorspezifisch
aktivierte bzw. inaktivierte Signalwege auch bei Tumoren der Haut dramatisch
angewachsen. Wir werden gegenwärtig Zeuge einer bemerkenswert breiten
Entwicklung von spezifischen Substanzen, die mit hoher Selektivität
einzelne Signalwege von Tumorzellen beeinflussen können. Der rationelle
Einsatz bei Tumorerkrankungen der Haut bedarf daher weiterer,
möglicherweise individualisierter systembiologischer Ansätze, um die
ideale, nebenwirkungsarme und somit „maßgeschneiderte”
Therapie für fortgeschrittene Melanom- oder
Plattenepithelkarzinom-Patienten zu entwickeln. Neben den gegenwärtig
entwickelten Inhibitoren von proliferativen Signalwegen werden dabei
Modulatoren von Apoptose-Signalwegen mit großer Sicherheit eine wichtige
Rolle spielen.
Förderung
Förderung
Die Forschungsarbeiten von M. L. werden durch die Deutsche
Krebshilfe (106 849), die Stiftung Deutsches Hautforschungszentrum sowie
die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Le 953/5-1) unterstützt.