Die Behandlung der vorderen Kreuzbandruptur bei Patienten im Wachstumsalter wird kontrovers
diskutiert. Konventionelle Rekonstruktionstechniken aus der Erwachsenenchirurgie können
bei Kindern zu iatrogenen Wachstumsstörungen führen. Ziel der Studie war es, die Ergebnisse
der Fugen kreuzenden Rekonstruktionstechnik beim pubertierenden Jugendlichen mit offenen
Wachstumsfugen zu untersuchen. Transphyseal anterior cruciate ligament reconstruction in skeletally immature pubescent
adolescents. J Bone Joint Surg Am 2007; 89: 2632-2639
Studiendesign
Zwischen 1996 und 2004 wurden an 61 Knien von 59 Patienten mit einem Durchschnittsalter
von 14,7 Jahren (Range 11,6 bis 16,9) in Fugen kreuzender Op-Technik vordere Kreuzbandplastiken
durchgeführt. Diese bestanden aus autologen 4-fach Hamstring-Transplantaten, die metaphysär
verankert wurden. Das Pubertätsstadium der Jugendlichen mit offenen Epiphysenfugen
war Level 3 nach Tanner.
Klinisches Ergebnis, Transplantatüberleben, radiologisches Outcome und mögliche Wachstumsstörungen
wurden nach durchschnittlich 3,6 Jahren evaluiert.
Abb. 1 a Rechtes Kniegelenk in Beugestellung. Ansicht von vorne nach Entfernung der
Gelenkkapsel und der Patella. b Die hier dargestellte Ruptur des vorderen Kreuzbandes
ist etwa 10-mal häufiger als die des hinteren. Häufigster Verletzungsmechanismus ist
ein Innenrotationstrauma (Bild: Prometheus. Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem.
Grafik: M. Voll. Stuttgart: Thieme; 2004).
Ergebnisse
2 Patienten (3 %) benötigten bei Transplantatversagen Revisionseingriffe. Bei den
restlichen Kniegelenken betrug der "International Knee Documentation Committee" Subjective
Knee Score 89,5 + 10,2 Punkte, der durchschnittliche "Lysholm" Knee Score 91,2 + 10,7
Punkte. Der Lachman-Test zeigte 51mal stabile und 8mal annähernd stabile Verhältnisse.
Kein Knie zeigte eine höhergradige klinische Instabilität. Das weitere durchschnittliche
Körperwachstum nach der Operation betrug 8,2 cm (1,2 - 25,4). Radiologisch zeigten
sich keine knöchernen Deformitäten der Beine. Klinisch fanden sich keine messbaren
Längenunterschiede an den Beinen.
Die Autoren schlussfolgern, dass die konventionelle Op-Technik, die beim pubertierenden
Heranwachsenden die noch offenen Fugen kreuzt, hervorragende funktionelle Ergebnisse
liefert mit geringer Revisionsrate. Das Risiko einer iatrogenen Wachstumsstörung ist
minimal.
Dr. Markus Beck
Chirurgische Klinik und Poliklinik der Universität Rostock
Abt. für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie
Email: markus.beck@med.uni-rostock.de