KJP up2date 2026; 03(01): 81-98
DOI: 10.1055/a-2647-5967
Symptome und Syndrome

Schizophrene Psychosen im Kindes- und Jugendalter: Früherkennung und Behandlung

Authors

  • Frauke Schultze-Lutter

  • Eginhard Koch

  • Benno Graf Schimmelmann

  • Franz Resch

Psychotische Störungen aus dem schizophrenen Formenkreis stellen schwerwiegende Erkrankungen dar, die bei Betroffenen den Umweltbezug und die Beziehung zu sich selbst tiefgreifend verändern. Psychosen vor dem Erwachsenenalter sind selten und werden oft erst spät behandelt – mit teils gravierenden Auswirkungen auf kindliche Entwicklungsprozesse. Der Beitrag zeigt, wie die Früherkennung gelingen kann.

Kernaussagen
  • Früh beginnende Psychosen (vor dem 18. Lebensjahr) weisen eine Reihe von ungünstigen Entwicklungskriterien auf, u.a. ist die Dauer der unbehandelten Psychose (DUP) und unbehandelten Erkrankung (DUI) gegenüber dem Erwachsenenalter verlängert.

  • Die Diagnose der frühen Schizophrenien wird in erster Linie aufgrund der psychopathologischen Symptomatik gestellt. Genetische, somatische und psychosoziale Faktoren gelten als kausal für die Entstehung und Auslösung der Psychosen.

  • Die Modellvorstellung zur Integration der vielfältigen Befunde ist das Vulnerabilitäts-Stress-Modell bzw. das „Multiple-Hit-Modell“. Es besagt, dass Menschen mit einer vorbestehenden Krankheitsbereitschaft (Vulnerabilität) dann an einer Schizophrenie erkranken, wenn zusätzliche ungünstige Umwelteinflüsse und Stressoren hinzutreten.

  • Die Therapie von schizophrenen Psychosen des Kindes- und Jugendalters richtet sich nicht nur nach der Symptomatik, sondern muss auch die alterstypischen Entwicklungsaufgaben im Blick haben.

  • Neben der Psychopharmakotherapie spielen Psychotherapie sowie sozial- und milieutherapeutische Maßnahmen eine Rolle, wobei sich stützende individuelle Interventionen auf dem Boden der Verhaltenstherapie und psychoedukative Familieninterventionen als wirksam erwiesen haben.

  • Der Früherkennung eines klinisch erhöhten Risikostadiums für die Entwicklung einer psychotischen Erstepisode wird besonderes Augenmerk geschenkt.

  • Grundsätzlich muss betont werden, dass diagnostische Maßnahmen und daraus resultierende Interventionen nur bei Patient*innen mit subjektivem Leidensdruck und behandlungsbedürftigen Symptomen im Sinne einer indizierten Prävention erfolgen sollten.



Publication History

Article published online:
22 January 2026

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