Onkologische Welt 2026; 17(01): 01
DOI: 10.1055/a-2725-1219
Editorial

Studien, die uns 2026 interessieren sollten

Authors

  • Alexander Kretzschmar

    München

Wir sind daran gewöhnt, dass die Abstände bis zur Proklamation eines neuen Therapiestandards immer kürzer werden. Wobei manche Sprunginnovation nur eine Schrittinnovation ist, die stärker in der wissenschaftlichen Arena gehypt wird. Andererseits verfügen wir heute über eine vielfach größere Auswahl therapeutischer Zielstrukturen zur Verfügung als früher. Die erste Zulassung eines monoklonalen Antikörpers (Muromonab-CD3) erfolgte 1986. Danach dauerte es bis 2021, als der 100. Antikörper von der FDA zugelassen wurde. Bereits 2025 waren es mehr als 130 Antikörper. Dies umfasst alle medizinischen Indikationen, aber die Onkologie ist heute einer der wichtigsten Treiber der Pharmaforschung. Eine rasante Zunahme verzeichnet auch die zielgerichtete Therapie mit Kinaseinhibitoren. Hier erfolgte in 2025 immerhin die 100. FDA-Zulassung.

Die Zeitschrift „Nature Medicine“ präsentierte jetzt ihre Liste der heißesten Kandidaten für das Jahr 2026 [1]. Es ist also kein Zufall, dass 2 der größten Hoffnungsträger für 2026 ein Kinaseinhibitor und eine Immuntherapie mit Anleihen aus der Antikörperforschung sind. Der Multi-RAS-Kinaseinhibitor Daraxonrasib (RMC-6236) blockiert beim Pankreaskarzinom nicht nur die seltene G12C-Mutation wie frühere KRAS-Inhibitoren, sondern mit G12D, G12R und G12V mehrere wesentlich häufigere Mutationen und hat den Status einer „Breakthrough Therapy“. Die Toxizitäten, soweit bekannt, werden als handhabbar bezeichnet. Falls das Konzept hält, was es verspricht, könnten erstmals fast alle Patient*innen mit fortgeschrittenem Pankreaskarzinom mit einer oralen zielgerichteten Therapie behandelt werden.

Die hohe Kunst der Immuntherapie zeigt sich bei Bria-IMT, einer zellbasierten Immuntherapie mit FDA Fast-Track-Status. Sie wird derzeit in der Phase-III-Studie BRIA-ABC (NCT06072612) beim metastasierten oder lokal rezidivierenden Mammakarzinoms untersucht [2]. Im Gegensatz zu CAR-T oder autologen Zelltherapien ist Bria-IMT sofort verfügbar (Off-the-Shelf). Bria-IMT verfolgt einen doppelten Ansatz. Indirekte Aktivierung: Die modifizierten Tumorzellen produzieren Antigene für eine tumorspezifische Immunantwort. Direkte Stimulation: Die Bria-IMT-Zellen wirken selbst wie Immunzellen und stimulieren T-Zellen zusätzlich. GM-CSF verstärkt die Immunantwort [3], [4].

Die Kombination mit einem Checkpoint-Inhibitor soll die tumorinduzierte Immunsuppression überwinden und die Effektivität steigern [2]. Phase-I/II-Studien und die laufende Phase-III-Studie zeigen ein günstiges Sicherheitsprofil [4].

Demnächst mehr davon in der Onkologischen Welt.



Publication History

Article published online:
13 February 2026

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