Psychiatr Prax 2026; 53(01): 5-7
DOI: 10.1055/a-2740-4288
Editorial

Supported Education: Ein neuer Weg zur Bildungs- und Erwerbsteilhabe junger Menschen mit psychischen Erkrankungen

Supported Education: A new path to educational and employment participation for young people with mental illness

Authors

  • Dorothea Jäckel

    1   Kliniken für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik mit FRITZ am Urban & soulspace, Vivantes Klinikum Am Urban und Vivantes Klinikum im Friedrichshain, Berlin
    2   Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, CCM, Charité Universitätsmedizin Berlin, corporate member of Freie Universität Berlin and Humboldt-Universität zu Berlin

Übergänge als Risiko: Versorgungslücken für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen zwischen Schule, Ausbildung und Beruf

Rund 75% aller psychischen Erkrankungen beginnen vor dem 24. Lebensjahr [1] – in einer Lebensphase, in der wesentliche Entwicklungsaufgaben zu bewältigen sind. Diese Übergänge sind sensible Phasen, in denen sich psychische Stabilität, Bildungschancen und zukünftige Erwerbsteilhabe wechselseitig beeinflussen. Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen sind in besonderem Maß gefährdet, den Anschluss an Ausbildung und Arbeitsmarkt zu verlieren und in den sogenannten NEET-Status (Not in Employment, Education or Training) zu gelangen. Dieser ist mit erheblichen negativen Folgen für psychische Gesundheit, Einkommenssituation und soziale Integration der Betroffenen [2] sowie hohen Kosten für die Gesellschaft [3] verbunden. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) weist in seinem kürzlich erschienenen Bericht „Die ökonomische Bedeutung der psychischen Gesundheit von Schülerinnen und Schülern“ auf die hohe Relevanz wirksamer Hilfsangebote hin [4]. In Deutschland ist die geforderte wirksame Unterstützung für junge Menschen mit psychischen Erkrankungen jedoch durch strukturelle Bedingungen limitiert. Rehabilitationsausbildungen bieten zwar geschützte Lernfelder, bleiben jedoch strukturell vom allgemeinen Bildungs- und Arbeitsmarkt getrennt. Die Ausbildungsangebote sind auf eine überschaubare Anzahl von Berufsfeldern beschränkt und limitieren die Wahlfreiheit; Arbeitserfahrungen in Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarkts erfolgen allenfalls punktuell über Praktika auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Auch für Studierende mit psychischen Erkrankungen existieren außerhalb der chronisch überlasteten psychologischen Beratungsstellen der Studierendenwerke [5] kaum langfristige Unterstützungsangebote, die integriert das Absolvieren des Studiums und Behandlung adressieren.



Publication History

Article published online:
21 January 2026

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