Neuroradiologie Scan 2026; 16(01): 22
DOI: 10.1055/a-2742-6526
Aktuell
Zerebrovaskulär

Diskonnektierung von Nervenbahnen bei schlaganfallbedingter Aphasie

Viele Patienten leiden nach einem Schlaganfall unter einer Aphasie. Diese ist häufig vergesellschaftet mit nicht verbalen kognitiven Einschränkungen wie Gedächtnisstörungen oder Aufmerksamkeitsdefiziten. Ursache dafür ist wahrscheinlich eine Kombination aus den lokalen Effekten des Schlaganfalls und der Diskonnektierung entfernter, strukturell gesunder Hirnregionen in der weißen Substanz, die nicht direkt von der Ischämie betroffen sind.

Fazit

Das Ausmaß der schlaganfallbedingten Diskonnektierungen allein eignet sich nicht für die Prädiktion des nonverbalen kognitiven Outcomes. Eine kritische Rolle bei den kognitiven Störungen bei Schlaganfallpatienten mit Aphasie spielen vielmehr die Hyperintensitäten der weißen Substanz. Dabei sind nicht die WMH selbst Ursache der Defizite, sondern die durch sie bedingten Unterbrechungen der Nervenbahnen. Als besonders vulnerabel hierfür erwies sich das nonverbale semantische Gedächtnis, wahrscheinlich weil die semantische Informationsverarbeitung auf einem weitverzweigten Netzwerk beruht, das durch die diffus verteilten WMH an verschiedenen Stellen diskonnektiert wird.



Publication History

Article published online:
17 December 2025

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