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DOI: 10.1055/s-0042-1749579
Gesprächsführung bei körperlichen Ultraschalluntersuchungen – eine Bedarfserhebung für ergänzende Lehrangebote im Rahmen der Sonographie-Ausbildung von Medizinstudierenden an der Universitätsmedizin Mainz
Authors
Fragestellung Die Arzt-Patientenkommunikation ist für den Behandlungsprozess von großer Bedeutung, beeinflusst sie doch zu einem erheblichen Maße den Erstkontakt, das Verhältnis zwischen Arzt und Patient und den für die Behandlung und deren Erfolg notwendigen Informationsaustausch. Dies gilt insbesondere auch für den Bereich der Sonographieuntersuchung, die für den Patienten häufig als Ausnahmesituation beschrieben wird. Hier gilt es im besonderen Maße Missverständnisse und Unsicherheiten zu vermeiden, für eine angemessene Untersuchungsatmosphäre zu sorgen und die physischen (Berührungen, Schmerzen) und psychischen Komponenten (Intimität, Scham, Tabus, Ängste) unter Beachtung interkultureller, geschlechts- und altersspezifischer Unterschiede zu beachten.
Da sich die medizinische Aus-, Fort und Weiterbildung im Bereich der Untersuchung weitestgehend auf die korrekte manuelle Durchführung der Untersuchung und die Entwicklung der dafür erforderlichen Fertigkeiten und Fähigkeiten zur Befundung konzentriert, soll der Frage nachgegangen werden, ob die bisherige Ausbildungspraxis in Bezug auf die ärztliche Gesprächsführung bei Ultraschalluntersuchungen als ausreichend empfunden wird und verbessert werden kann.
Methodik Zur Problemidentifizierung und ersten Bedarfsanalyse zur genannten Fragestellung wurde ein Fragebogen konzipiert, um die spezifische Relevanz der ärztlichen Gesprächsführung bei sonographischen Untersuchungen für Lehrveranstaltungen zu evaluieren. Dazu wurde im März 2022 damit begonnen, Teilnehmende und Lehrende bei verschiedenen sonographischen Aus-, Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen zu befragen. Von den insgesamt 12 Fragen wurden sieben zur Einschätzung (7-stufige Likert-Skala) u.a. von Relevanz, dem bisherigen Ausbildungsstand zur Gesprächsführung bei (Ultraschall-) Untersuchungen und der eigenen Kompetenzeinschätzung gestellt, fünf weitere Fragenstellungen wurden nominalskaliert mit den Antwortmöglichkeiten ja/nein konstruiert, u.a. zum Wunsch weitere Informationen oder Übungsmöglichkeiten zur Patientenkommunikation zu erhalten.
Ergebnisse An einer ersten Befragung nahmen insgesamt 89 Ärzt*innen mit unterschiedlichem Ausbildungs- und Erfahrungshintergrund teil. Die Teilnehmenden gaben im Mittel an, dass sie das Thema Patientenkommunikation im Rahmen von (Ultraschall-) Untersuchungen für relevant halten (MW= 5.77; SD=1.39 (7= sehr relevant; 1= nicht relevant)). Es zeigte sich, dass die TN sich in der klinischen Ausbildung nur gelegentlich theoretisch (MW=3.62; SD= 1.99) und praktisch (MW=4.42; SD= 1.83) mit der Patientenkommunikation im Rahmen von Untersuchungen beschäftigen. Die Teilnahme an Fortbildungen und Trainings zu diesem Thema erfolgte sehr selten (MW=2.12; SD=1.72) und 86,6% der Teilnehmenden sind Angebote diesbezüglich nicht bekannt.
Zwar wenden die Teilnehmenden häufig bewusst Strategien zur optimalen Patientenkommunikation an (MW=5.00; SD=1.61), unbesehen dessen erleben sie aber auch Situationen, in denen sie sich unwohl bzw. überfordert gefühlt haben (MW=4.24; SD=1.67). Die Kompetenzen dazu werden als durchschnittlich eingeschätzt (MW=4.31; SD=1.35), den Wunsch nach weitergehenden Informationen und Übungsmöglichkeiten wurden von 70,7% bzw. 65,9 5% der Teilnehmenden geäußert.
Schlussfolgerung Es konnte gezeigt werden, dass es einen Bedarf an ergänzenden Ausbildungsinformationen und spezifischen praktischen Übungsangeboten zur Steigerung der Kompetenzen im Bereich der ärztlichen Gesprächsführung im Kontext von Untersuchungen gibt. Aktuell wird die Befragung bei weiteren Lehrveranstaltungen fortgeführt, um genauere Aussagen zum Bedarf und zur Konkretisierung des Lehrangebots treffen zu können.
Publication History
Article published online:
20 June 2022
© 2022. Thieme. All rights reserved.
Georg Thieme Verlag
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