Zusammenfassung
Karies, Gingivitis und Parodontitis sind die häufigsten Erkrankungen der Mundhöhle und werden zu den häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit gezählt. Obwohl die heutigen Präventionsmethoden (meist Plaquekontrolle und Fluoridierung) zu einem Rückgang der Kariesprävalenz geführt haben, zeigen Erwachsene im mittleren Alter immer noch an rund jedem dritten Zahn eine Karieserfahrung. Zudem leidet rund die Hälfte der deutschen Erwachsenen an moderater bis schwerer Parodontitis. Während die Bedeutung des Zuckers für die Entstehung einer Karies weitläufig bekannt ist, mehren sich die Belege, dass Zuckerkonsum auch Gingivitis und Parodontitis fördern kann. Im Gegensatz zur Karies (bei der azidophile, saccharolytische Bakterien durch den Kohlenhydratmetabolismus Säuren sezernieren und den pH-Wert lokal senken), werden die mit Gingivitis und Parodontitis assoziierten, proteolytischen Keime vor allem durch Entzündungsreaktionen gefördert. Somit scheint neben der lokalen Wirkung auch die metabolische Wirkung des Zuckers die oralen Erkrankungen zu fördern. Dementsprechend sollte neben der klassischen Empfehlung zur Mundhygiene auch die Zuckerentwöhnung in der zahnärztlichen Praxis thematisiert werden, womit auch die allgemeine Gesundheit gefördert wird. Solche Verhaltensänderung können mit evidenzbasierten Kommunikationsmethoden wie dem Motivational Interviewing durch das zahnärztliche Team unterstützt werden. Aus Public-Health-Perspektive zeigen Modellrechnungen, dass eine Besteuerung von zuckergesüßten Getränken zur Reduktion von Karies und Therapiekosten führen könnte. Vor diesem Hintergrund sind Politik, Zahnärzteschaft und Krankenkassen gefragt, wie die Maßnahmen zur Zuckerreduktion geeignet unterstützt werden können.
Abstract
Caries, gingivitis and periodontitis are the most common diseases of the oral cavity and considered to be the most frequently chronic diseases worldwide. Even though todays methods of prevention (mostly oral hygiene and fluoridation) led to a reduction of caries prevalence, adults in middle age still present tooth decay at about every third tooth. Furthermore, about the half of the German adult population suffer from moderate to severe periodontitis. While the important role of sugar for caries development is widely known, there is growing evidence that consumption of sugar even promotes gingivitis and periodontitis. Contrary to caries (which is caused by the secretion of acids by acidophilic and saccharolytic bacteria during the carbohydrate metabolism, which locally lowers pH-values), the proteolytic bacteria associated with periodontal disease are promoted by inflammation. Hence, sugar has both a direct local effect and a secondary metabolic (inflammatory) effect on oral diseases. Accordingly, the dental team should also address sugar cessation beside the promotion of oral hygiene, which would also promote general health. These health behavior changes can be supported by evidence-based communication methods such as Motivational Interviewing. From a public health perspective, model-based calculations show that taxing of sugar-sweetened beverages can reduce caries and dental treatment costs. Against this background, politics, dental associations, and health insurances are required how to effectively support measures to reduce sugar consumption.
Schlüsselwörter
Karies - Parodontitis - Gingivitis - Zucker
Keywords
caries - periodontitis - gingivitis - sugar