Zusammenfassung
Einleitung Die Komplikation einer Banderosion in die Urethra nach Anlage einer retropubischen (TVT) oder transobturatorischen (TOT) spannungsfreien suburethralen Vaginalschlinge oder die iatrogen akzidentiell verursachte transurethrale Bandlage können eine urethrovaginale bzw. vesikovaginale Fistelbildung zur Folge haben. Zielsetzung der Untersuchung ist die Auswertung des Managements solcher seltenen Komplikationen.
Patienten und Methode Retrospektive Analyse von 14 Patientinnen, die aufgrund einer urethralen Läsion bzw. urethrovaginaler Fistelbildung im Zustand nach TVT-/TOT-Anlage zwischen Juni 2011 und Februar 2018 in der Universitäts-Frauenklinik Tübingen behandelt wurden.
Ergebnisse Als operative Therapie erfolgte in 57,1% (n = 8) der vaginale Fistelverschluss mittels Martius-Flap des Labium majus und in 21,4% (n = 3) mittels eines vaginalen Schwenkhautlappens. In 21,4% (n = 3) erfolgte ausschließlich die vaginale Nahtrekonstruktion der Urethra nach Exzision des transurethral verlaufenden Bandes bzw. der Banderosion. 50% (n = 7) der Patientinnen waren postoperativ anhaltend kontinent ohne weiteren Therapiebedarf. Bei 28,6% (n = 4) bestand eine anhaltende Belastungsharninkontinenz, bei 21,4% (n = 3) eine Mischharninkontinenz. Bei 6 der 7 persistierend inkontinenten Patientinnen erfolgte die Neuanlage einer spannungsfreien suburethralen retropubischen Schlinge (TVT) im Mittel 8,8 Monate (5 – 13 Monate) postoperativ, die bei allen Patientinnen komplikationslos verlief und eine zufriedenstellende Kontinenz erreichte. Die 3 Patientinnen mit Mischharninkontinenz und persistierender Drangkomponente erhielten ergänzend eine anticholinerge Medikation. Es traten keine Langzeitkomplikationen, insbesondere keine Fistelrezidive, im untersuchten Zeitraum auf.
Schlussfolgerung Die seltene, aber relevante Komplikationen einer urethralen Erosion, transurethralen Bandlage oder urethrovaginaler Fistelbildung im Zustand nach TVT-/TOT-Anlage kann erfolgreich vaginal operativ gemanagt werden. Eine postoperativ persistierende Harninkontinenz mit der Notwendigkeit einer zweizeitigen erneuten TVT-Anlage nach ausreichender Wundheilung muss präoperativ aufgeklärt werden.
Schlüsselwörter urethrovaginale Fistel - TVT-Erosion - Urethraläsion - Martius-Flap