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DOI: 10.1055/a-1183-5438
Positionspapier der Deutschen Gesellschaft für Interventionsradiologie (DeGIR) zur Prostataarterienembolisation
Artikel in mehreren Sprachen: English | deutsch

Zusammenfassung
Hintergrund Mit der Prostataarterienembolisation (PAE) steht seit einigen Jahren ein klinisch etabliertes minimalinvasives endovaskuläres Verfahren zur Behandlung des benignen Prostatasyndroms (BPS) zur Verfügung.
Methoden In diesem von der Lenkungsgruppe Wissenschaft und Forschung der Deutschen Gesellschaft für Interventionelle Radiologie initiierten interdisziplinären Positionspapier wird die Methode der PAE dargestellt und im Kontext der aktuellen Datenlage diskutiert.
Ergebnisse Die PAE ist ein sicheres interventionell-radiologisches Verfahren zur Behandlung des BPS. In Bezug auf die Beschwerdesymptomatik, gemessen mit dem IPSS (International Prostate Symptom Score), hat die PAE im Vergleich zu dem historischen Goldstandard der transurethralen Resektion (TUR) der Prostata einen vergleichbaren Effekt. Im Hinblick auf die subvesikale Desobstruktion ist die PAE der TUR unterlegen, sie behindert allerdings eine spätere chirurgische Therapie nicht. Aufgrund der bereits vorhandenen Evidenz wird die PAE vom britischen National Institute for Health and Care Excellence als Therapiealternative empfohlen. Die Durchführbarkeit in Lokalanästhesie und der Erhalt der Sexualfunktion sind für die Patienten wichtige Argumente für die interventionelle Therapie. Patientenauswahl und Therapiekonzept erfordern eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Urologen und Radiologen.
Schlussfolgerung Effektivität und Sicherheit der PAE zur Behandlung des BPS sind nachgewiesen. In weiteren randomisierten Studien sollten Langzeitergebnisse generiert und die am besten geeigneten Indikationen für die PAE bei BPS definiert werden.
Kernaussagen:
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Die PAE als endovaskuläres Verfahren ist eine patientenfreundliche minimalinvasive alternative Therapieoption des BPS.
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Die PAE kann die Beschwerden des unteren Harntraktes (LUTS), vergleichbar der transurethralen Resektion (TUR), reduzieren. Das desobstruktive bzw. volumenreduzierende Potenzial der PAE ist dem der TUR unterlegen.
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Die wichtigsten Vorteile der PAE sind Durchführbarkeit in Lokalanästhesie (ohne Narkose), kurze Ausfallzeiten des Patienten und Erhalt der sexuellen Funktion, inklusive der antegraden Ejakulation.
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Die PAE ist aufgrund der bisher vorliegenden Evidenz im therapeutischen Algorithmus zwischen der konservativen, medikamentösen Therapie und der TUR zu positionieren. Der Stellenwert der PAE im Kontext anderer minimalinvasiver Verfahren (MIST) bedarf noch weiterer Evaluation, setzt aber einen grundsätzlich offenen Umgang mit der PAE voraus.
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Die PAE wird zumeist auf Zuweisung von Urologen von interventionellen Radiologen durchgeführt und erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Zitierweise
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Kovacs A, Bücker A, Grimm M et al. Position Paper of the German Society for Interventional Radiology (DeGIR) on Prostatic Artery Embolization. Fortschr Röntgenstr 2020; 192: 835 – 846
Key words
prostate - interventional procedures - benign prostate syndrome - lower urinary tract symptoms - prostate artery embolizationPublikationsverlauf
Eingereicht: 09. März 2020
Angenommen: 11. Mai 2020
Artikel online veröffentlicht:
02. Juli 2020
© Georg Thieme Verlag KG
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