B&G Bewegungstherapie und Gesundheitssport 2024; 40(02): 55-59
DOI: 10.1055/a-2253-3020
Journal Club

Bewegung und Krebs – Harte Outcomes

Maximilian Köppel
1   Onkologische Sport- und Bewegungstherapie, Abteilung Medizinische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Universitätsklinikum Heidelberg
2   Deutscher Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie e.V. (DVGS)
,
Joachim Wiskemann
1   Onkologische Sport- und Bewegungstherapie, Abteilung Medizinische Onkologie, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Universitätsklinikum Heidelberg
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Einleitung

Seit den ersten randomisiert kontrollierten Bewegungsstudien, die vor etwa 25 Jahren mit onkologischen Patienten durchgeführt wurden, ist die Datenlage enorm angewachsen. Eine vielzitierte Passage aus einem Übersichtsartikel schätzt die Anzahl klinischer Studien auf etwa 700 [1]. Der Artikel wurde vor 5 Jahren publiziert, daher kann angenommen werden, dass die Anzahl der Studien inzwischen fast in den vierstelligen Bereich gestiegen ist. Im Rahmen der S3-Leitlinie „Onkologische Bewegungstherapie“, die unter der Leitung von Prof. Dr. Joachim Wiskemann und Prof. Dr. Freerk Baumann initiiert und geleitet wird, wurden immerhin etwa 300 randomisiert-klinische Studien mit angemessener Stichprobengröße (≥ 20 Teilnehmer pro Studienarm) identifiziert. Allen diesen Studien ist gemeinsam, dass sie überwiegend krebsdiagnose- oder -therapiebedingte Nebenwirkungen/Symptome als primäre Endpunkte definiert haben. Auch andere Leitlinien und Konsensusstatements [2], [3] sowie bewährte Therapiekonzepte [4], [5] rücken die Nebenwirkungsorientierung der onkologischen Bewegungstherapie in den Fokus. Wenige Studien fokussieren sich bislang mit kausaler Intention auf die in onkologisch-klinischen Studien meist im Mittelpunkt stehenden Parameter wie Tumorprogression oder Überleben. Diese „Zurückhaltung“ kann auf mehrere Gründe zurückgeführt werden, die einerseits in der Natur einer bewegungstherapeutischen Intervention im Kontext eines RCTs liegen (einer Verblindung der Intervention ist nicht möglich und eine Verbot an Bewegung in einer etwaigen Kontrollgruppe aus ethischen Gründen nicht zulässig) und andererseits in dem enormen Ressourcenaufwand für solche Studien liegen (hohe Fallzahlen und lange Beobachtungszeiträume vonnöten) bei fehlender Lobbyindustrie im Hintergrund. Dennoch dürfen die wichtigen Parameter zur prognostischen Wirkung von Bewegung nicht unangetastet oder gar zurückgehalten werden gegenüber Klinikern, Kosten- und Entscheidungsträgern sowie Patienten. Natürlich kann dieser kurze Überblick keine umfassende Darstellung der Studienlage bieten. Dennoch soll versucht werden, eine Diskussion anzustoßen, die weitaus mehr Aufmerksamkeit verdient, als sie bisher erhält.



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Article published online:
09 April 2024

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