Zusammenfassung
Die steigende Prävalenz von Adipositas und Typ-2-Diabetes stellt unsere
Gesellschaft vor wachsende medizinische und finanzielle Herausforderungen. Mit
etwa 18 Millionen stark übergewichtigen Erwachsenen und ca. 9 Millionen Menschen
mit Typ-2-Diabetes befindet sich Deutschland in der Spitzengruppe Europas. Ein
wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist der zunehmende Konsum von
industriell gesüßten Getränken und gezuckerten Speisen. Zucker ist mittlerweile
der dominierende Bestandteil stark verarbeiteter Fertigprodukte. Der jährliche
Pro-Kopf-Verbrauch wird auf mehr als 40 kg geschätzt. Vor diesem Hintergrund hat
die Debatte über eine Besteuerung zuckerhaltiger Getränke und Fertigprodukte an
Fahrt aufgenommen. Nach Ansicht von Experten ließe sich eine Zuckersteuer in
Deutschland problemlos über das System der besonderen Verbrauchersteuern
umsetzen. Um eine gesundheitliche Wirkung zu erzielen, sollte die Zuckersteuer
alle eingesetzten Mono- und Disaccharide berücksichtigen, unabhängig davon, aus
welcher Quelle sie stammen. In diesem Beitrag wird ein konkreter Vorschlag für
die Ausgestaltung einer Zuckersteuer unterbreitet. Als Bemessungsgrundlage wird
der prozentuale Zuckergehalt herangezogen und drei Steuerklassen zugeordnet. Die
Steuersätze werden so bemessen, dass sie eine Lenkungswirkung entfalten. Um
einkommensschwache Bevölkerungsschichten zu entlasten entfällt im Gegenzug die
Mehrwertsteuer auf frische und naturbelassene Grundnahrungsmittel. Eine
regelmäßig durchgeführte Evaluation stellt die Wirksamkeit der Zuckersteuer
sicher.
Abstract
The increasing prevalence of obesity and type 2 diabetes faces our society with
growing medical and financial challenges. With approximately 18 million severely
overweight adults and around 9 million people with type 2 diabetes, Germany is
among the leading countries in Europe. A significant reason for this trend is
the rising consumption of industrially sweetened beverages and sugary foods.
Sugar has become the dominant component in ultra processed convenience foods.
The annual per capita consumption is estimated at more than 40 kg. Against this
backdrop, the debate on taxing sweetened drinks and sugary processed foods has
gained momentum. According to experts, a sugar tax could easily be implemented
in Germany through the system of specific consumer taxes. To achieve a health
impact, the sugar tax should consider all mono- and disaccharides, regardless of
their source. This article presents a practical approach for the design of a
sugar tax. The basis for assessment is the percentage of sugar content,
categorized into three tax classes. The tax rates must be high enough to exert a
steering effect. To unburden low-income population groups, the value-added tax
on fresh and natural foods is waived in return. Regular evaluation ensures the
effectiveness of the sugar tax.
Schlüsselwörter Zuckersteuer - Adipositas - Typ-2-Diabetes - besondere Verbrauchersteuer - Verhältnisprävention
Keywords Sugar tax - Obesity - Type-2-Diabetes - Specific Consumer Tax - Food-Environment - Policies