Suchttherapie 2009; 10(1): 17-24
DOI: 10.1055/s-0028-1128135
Schwerpunktthema

© Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Lebenslagen und Gesundheit älterer Drogenabhängiger: Ein Literaturbericht

Life Situations and Health of Older Drug Addicts: A Literature ReportI. Vogt 1
  • 1Institut für Suchtforschung, Fachhochschule Frankfurt am Main
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Publication Date:
16 February 2009 (online)

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Zusammenfassung

In dem Beitrag werden die Ergebnisse mehrere Literaturrecherchen zum Thema „ältere Drogenabhängige, ihre Gesundheit und ihre Lebenssituationen” dargestellt. Die wichtigsten Befunde sind folgende. Soziale Exklusion: Studien zeigen, dass ältere Drogenabhängige (älter als 45 Jahre) stärker stigmatisiert werden als jüngere Drogenabhängige mit der Folge von sozialer Exklusion aus der Gesellschaft im Allgemeinen und der Subkultur der Drogenkonsumenten im Besonderen. Gesundheitliche Risiken: (1) Drogenabhängigkeit kann Alterungsprozesse im Zentralnervensystem und in anderen organischen Systemen beschleunigen. (2) Es gibt Hinweise darauf, dass bei einer chronischen HCV-Infektion die Wahrscheinlichkeit, an einem Diabetes (Typ2) zu erkranken, systematisch ansteigt. (3) Ältere Drogenabhängige haben im Vergleich mit jüngeren Drogenabhängigen ein etwas höheres Risiko, an einer HIV-Infektion zu erkranken. Das trifft auch für Drogenabhängige zu, die in Substitutionsprogrammen sind. Bei HIV-positiven drogenabhängigen Frauen setzt die Menopause wahrscheinlich früher ein als bei HIV-negativen drogenabhängigen Frauen, was zu weiteren gesundheitlichen Beschwerden führen kann. (4) Drogenabhängige leiden in der Regel an Zahnerkrankungen aller Art, die, da sie oft nicht oder sehr spät behandelt werden, die Gesundheit belasten. (5) Ältere Drogenabhängige leiden unter mehr zusätzlichen psychischen Störungen als jüngere – aber nicht an PTSD. Behandlung: Vergleicht man die Ergebnisse von Abstinenzbehandlungen, schneiden ältere Drogenabhängige etwas besser ab als jüngere Drogenabhängige. Zurzeit fehlen gezielte Studien, die die Wirkungen von Substitutionsbehandlungen bei älteren und jüngeren Drogenabhängigen vergleichend untersuchen. Versorgungswünsche und gezielte Hilfen: Ältere Drogenabhängige sind ambivalent hinsichtlich ihrer Versorgung im Alter. In Deutschland beschränkt sich das Angebot für ältere Drogenabhängige zurzeit auf betreute Wohnformen. Diskussionen über andere Angebote haben gerade erst angefangen.

Abstract

The paper presents the results of a literature search on “elderly drug dependents, their health status and their life circumstances”. The main findings are the following. Social exclusion: Studies show that older drug dependents (45 years and older) are more stigmatized than younger ones with the consequence of social exclusion not only from society in general but also from the drug using subculture. Health risks: (1) Drug dependence may accelerte aging processes of the brain and of other organ systems. (2) There are indications that chronic HCV-infections increase systematically the probability to develop diabetes (type 2). (3) Older drug dependents have a somewhat higher risk than younger drug dependents to acquire HIV-infections. This holds as well for drug dependents in substitution programmes. In HIV-positive drug dependent women the onset of menopause may start earlier than in HIV-negative drug dependent women, which may give rise to a number of health problems. (4) Drug dependents have many dental problems which are often taken care of rather late and therefore may cause more health problems. (5) Older drug dependents have higher rates of comorbid mental disorders than younger drug dependents – besides PTSD. Treatment: Older drug dependents in treatment to abstinence have somewhat higher success rates than younger drug dependents. Actually, there is a lack of studies comparing the effectiveness of substitution treatment for older and younger drug dependents. Health care demand and supply: Older drug dependents are ambivalent regarding their health care demands in the future. Actually, in Germany, on the supply side, older drug dependents are offered only supervised housings. Discussion regarding alternative living arrangements have just started.