Zusammenfassung
Wir berichten über eine 39-jährige Patientin, die im Rahmen eines Suizidversuchs ein
trizyklisches Antidepressivum (Trimipramin – kumulativ 2,4 g) in hochtoxischer Dosierung
eingenommen hatte. Die zentralnervöse Wirkung manifestierte sich in einem rasch einsetzenden
Bewusstseinsverlust, sodass die Patientin vom kurze Zeit später eintreffenden Rettungsdienst
bereits tief bewusstlos vorgefunden wurde (GCS 3). Die tief komatöse Bewusstseinslage
machte die endotrachealer Intubation erforderlich. Die zusätzliche kardiale Toxizität
des trizyklischen Antidepressivums demaskierte sich elektrokardiografisch in einer
prolongierten QT-Zeit (QTc 0,5 s). In Anbetracht der lebensbedrohlichen Situation
wurde eine spezifische Therapie noch unmittelbar vor Ort eingeleitet. Diese bestand
aus dem Versuch der Giftelimination mittels über eine Magensonde applizierter Aktivkohle
sowie der spezifischen Therapie der kardiotoxischen Effekte mit Natriumbikarbonat.
Unter diesem therapeutischen Ansatz konnte die Patientin in stabilisiertem Zustand
der weiteren intensivmedizinischen Therapie zugeführt werden. Die Patientin konnte
nach kurzer Zeit komplikationslos extubiert werden und wurde bereits 2 Tage nach Ingestion
in die weitere psychiatrische Therapie übergeben. Die schweren zentralnervösen und
kardiotoxischen Effekte bei Intoxikationen mit trizyklischen Antidepressiva erfordern
eine möglichst zeitnahe Giftelimination und spezifische Therapie, die idealerweise
bereits durch den Rettungsdienst erfolgen sollte. Die toxische Wirkungsweise dieser
Substanzklasse sowie die pharmakologischen Grundlagen der möglichen Interventionen
werden diskutiert.
Abstract
We report on a 39-year-old woman found unresponsive after ingestion of a highly toxic
dose of a tricyclycic antidepressant (Trimipramine 2400 mg) in the context of a suicide
attempt. The central-nervous-toxicity resulted in a deep coma (GCS 3), requiring endotracheal
intubation on scene. Cardiotoxic side-effects revealed in a prolonged QTc-interval,
suggesting severe cardiac toxicity. Considering acute life-threatening cardiac effects,
specific treatment was started on scene by EMS. In terms of rapid detoxification,
activated charcoal was given via a nasogastric tube. Sodium bicarbonate i. v., in
order to treat the acute carditoxic effects, was given as well. After initial stabilisation,
the patient was admitted to an ICU. After two days the patient was transferred to
a psychiatric unit in a stabilised, satisfying cardiorespiratoric state, without any
evidence of significant neurological sequelae. Severe toxicity of antidepressants
requires a rapid onset of specific therapeutic interventions, ideally delivered by
EMS.
Schlüsselwörter
Intoxikation - trizyklische Antidepressiva - QT-Zeitverlängerung - Natriumbikarbonat
- Aktivkohle
Keywords
intoxication - tricyclic antidepressant - QT-interval-prolongation - Sodium-bicarbonate
- activated charcoal