Zusammenfassung
Derzeit wird selbst unter Einsatz der besten Antiepileptika bei der Erstbehandlung von Epilepsien nur etwa die Hälfte aller neuerkrankten Patienten anfallsfrei. Der Einsatz optimaler diagnostischer und therapeutischer Strategien erzielt bei weiteren 10 bis 20% signifikante Therapieerfolge. Daher wird im Folgenden ein Evidenz-basierter und produktneutraler Vorschlag zum praktischen Vorgehen gemacht, wenn ein Epilepsiemedikament der ersten Wahl bei einem vorher unbehandelten Patienten nicht zu ausreichender Anfallskontrolle geführt hat. Ist die Diagnose eines fokalen Epilepsiesyndroms gesichert, wird eine Kombinationstherapie mit Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Pregabalin, Topiramat oder Zonisamid empfohlen. Handelt es sich um eine idiopathische generalisierte Epilepsie, wird nach Versagen von Valproinsäure Lamotrigin und Topiramat in Betracht kommen. Viele der modernen Antiepileptika sind zur Kombinationstherapie sehr gut geeignet, weil sie mit anderen Medikamenten inklusive Antiepileptika, oralen Kontrazeptiva oder körpereigenen Hormonen keine oder weniger Interaktionen eingehen und zum Teil weitere Vorteile bieten wie Gewichtsneutralität oder positive Stimmungsmodulation. Daraus ergibt sich die medizinische Notwendigkeit, vor jeder Umstellung sorgfältig zu prüfen, ob ein modernes Antiepileptikum gegenüber einer bekannten Substanz zu bevorzugen ist. Die Auswahl zwischen den verschiedenen Antiepileptika sollte unter Berücksichtigung der Verträglichkeit erfolgen. Vor allem bei Patienten mit unerwünschten Nebenwirkungen der vorherigen Behandlung, sollten geeignete neue, weniger oder nicht enzyminduzierende Antiepileptika bevorzugt werden.
Summary
Currently, the best medical treatment of epilepsy results in seizure freedom in 50% of newly treated individuals. If the first antiepileptic drug (AED) has failed to control the seizures, diagnostic and therapeutic re-evaluation involving a change in medication will achieve seizure freedom in further 10 to 20%. Here we offer evidence-based and product-neutral expert recommendations of how to proceed after the first AED has not led to seizure freedom. If the diagnosis of partial epilepsy is certain,a combination of the first AED with lamotrigine, levetiracetam, oxcarbazepine, pregabalin, topiramate or zonisamide is recommended. In individuals with idiopathic generalized epilepsy, lamotrigine and topiramate are available if valproic acid has failed. Many of the modern AEDs are particularly well suited for add-on treatment because they are not involved in interactions with other drugs such as AEDs, oral contraceptives or with hormones. Other advantages of some modern AEDs include absence of weight gain or mood stabilizing effects. These data request a careful evaluation to determine ifa modern, interaction-free AED should be preferred over an older AEDs for future treatment, particularly when the individual has side effects with the current treatment. The choice among the new AEDs will be made after careful consideration of all other individual relevant factors including side effects.
Schlüsselwörter Gabapentin - Lamotrigin - Levetiracetam - Oxcarbazepin - Pregabalin - Topiramat - Zonisamid - Epilepsietherapie - Antiepileptika - Umstellung
Keywords Gabapentin - lamotrigine - oxcarbazepine - topiramate - recommendations - epilepsy treatment - antiepileptic drugs - initial epilepsy treatment