Zusammenfassung
Die APC-Resistenz ist derzeit der häufigste hereditäre Defekt, der mit einem hohen
Risiko für Thromboembolien assoziiert ist. Bei diesem Defekt handelt es sich in 97%
der Fälle um eine Mutation im Faktor-V-Gen (nt 1.691 G→A), wodurch im Protein der
Faktor V Arg 506 durch Gln ersetzt ist. Diese Variante wird auch als Faktor V Leiden
bezeichnet. Der heterozygote Defekt ist mit einem 5- bis 10mal, der homozygote Defekt
mit einem 50- bis 100mal höheren Thromboserisiko verbunden. Aufgrund seiner hohen
Prävalenz (Normalbevölkerung ca. 5%) sollte die Bestimmung des Faktor V Leiden an
erster Stelle der Parameter zur Diagnostik einer hereditären Thrombophilie stehen.
Als Suchtest für die Faktor-V-Mutation hat sich die Bestimmung der APTT in An- und
Abwesenheit von aktiviertem Protein C nach vorheriger Mischung der Probe mit einem
Faktor-V-Mangelplasma bewährt. Der Test kann auch im Plasma von Patienten unter oraler
Antikoagulation durchgeführt werden. Der störende Einfluß von Heparin wird nicht völlig
eliminiert. Bis zu einer Verlängerung der APTT auf 60–70 sec (ohne Mischung mit Faktor-V-Mangelplasma)
führt der Test zu zuverlässigen Ergebnissen.
Liegt die APTT ohne APC mehr als 50% oberhalb des Normbereichs, kann ein Faktor-V-Leiden-Defekt
verdeckt werden, da die APTT in Anwesenheit von APC ebenfalls verlängert ist. Mögliche
Ursachen hierfür sind Faktor-V-Mangel der Probe oder Vorliegen von Lupus-Antikoagulans.
Umgekehrt kann eine APC-Resistenz durch Plättchen in der Probe, insbesondere nach
Einfrieren, vorgetäuscht werden. Dieser Artefakt kann durch zweifache Zentrifugation
der Probe vor dem Einfrieren vermieden werden. Die Auswertung der erhaltenen Gerinnungszeiten
erfolgt entweder über die Ratio der APTT mit und ohne APC-Zusatz oder idealer-weise
unter Bezug auf einen Referenzplasmapool als normierte APC-Ratio oder in % APC-Sensitivität.
Letztere läßt sich unter Verwendung von Kalibratoren mittels einer Referenzkurve ermitteln.
Besonders bei jüngeren Patienten mit APC-Resistenz sollte die Absicherung der Diagnose
durch den Nachweis der Faktor-V-Mutation erfolgen. Auch bei grenzwertigen Befunden
für die APC-Resistenz und zur Unterscheidung zwischen heterozygoten und homozygoten
Defektträgern ist die Mutationsanalyse unumgänglich.
Schlüsselwörter
APC-Resistenz - Thrombophilie - Faktor-V-Mutation - Faktor V Leiden