Zusammenfassung
Die Intraokularlinse (IOL) als Medikamententräger stellt ein therapeutisches Konzept
mit großem Entwicklungspotenzial dar. Häufige Folgen der Kataraktchirurgie, wie der
Nachstar oder schwerwiegende Komplikationen wie ein starker intraokularer Reizzustand
oder die Endophthalmitis, könnten durch die Implantation einer pharmakologisch modifizierten
Kunstlinse im Idealfall mitbehandelt bzw. in ihrer Ausprägung geschwächt werden, ohne
weitere therapeutische Maßnahmen einzuleiten. Eine pharmakologische IOL-Modifikation
kann an der Oberfläche erfolgen („IOL-coating“) oder als direkte Beladung des optischen
Materials mit einem Arzneimittel („IOL-soaking“). Eine weitere Möglichkeit besteht
in der Befestigung eines Medikamententrägers an der Haptik („IOL-haptic-modification“).
Bei dieser Variante würde das Material der IOL-Optik unbeeinflusst bleiben. Zahlreiche
therapeutische Ziele und Einsatzmöglichkeiten einer pharmakologisch modifizierten
IOL sind denkbar. Deshalb müssen unterschiedliche pharmakologische Wirkstoffklassen
zunächst in vitro und in vivo auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit untersucht werden.
Welche Wirkstoffe tatsächlich für eine IOL-Modifikation geeignet und wirksam sind,
ist Gegenstand präklinischer und klinischer Studien. In diesem Artikel geben wir eine
Übersicht über die bisherigen wissenschaftlichen Entwicklungen und befassen uns mit
zukünftigen Einsatzmöglichkeiten einer pharmakologisch modifizierten Intraokularlinse
in der Kataraktchirurgie, wie z. B. mit einer mit Erufosin beladenen IOL zur pharmakologischen
Nachstarprophylaxe, einer mit Heparin beladenen IOL zur Linderung des intraokularen
Reizzustands nach Kataraktoperation oder mit einer mit Cefuroxim beladenen IOL zur
Endophthalmitisprophylaxe.
Abstract
Development of an intraocular lens (IOL) as a drug delivery device has been pursued
for many years and is a promising concept in modern cataract surgery. Common postoperative
conditions such as posterior capsule opacification (PCO), intraocular inflammation
or the rare but severe complications of cataract surgery like endophthalmitis are
potential therapeutic targets for a drug-eluting IOL. There are three techniques of
pharmacological IOL modification: Firstly, surface modification of the IOL (“coating”);
secondly, IOL optic modification (“soaking”) and lastly, loading the IOL haptics with
a slow release system. The last option does not interfere with the IOL optics at all.
Therefore, a broad spectrum of pharmacological agents needs to be assessed in preclinical
and clinical studies to determine which agent/IOL combination is safe and efficient.
For pharmacological PCO prophylaxis, erufosine-loaded IOLs are of great clinical interest.
Heparin-coated IOLs might become clinically relevant for attenuation of intraocular
inflammation after cataract surgery and cefuroxime-loaded IOLs for endophthalmitis
prophylaxis.
Schlüsselwörter
Katarakt - intraokulare Entzündungen - Pharmakologie - Intraokularlinse - Medikamententräger
- Kataraktchirurgie - Nachstar - Reizzustand - Endophthalmitis
Key words
cataract - pharmacology - intraocular lens - drug delivery - cataract surgery - posterior
capsule opacification - intraocular inflammation - endophthalmitis