Aktuelle Neurologie 2004; 31(7): 353-360
DOI: 10.1055/s-2003-814955
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Molekulargenetische Diagnostik hereditärer motorischer und sensibler Polyneuropathien (HMSN)

Molecular Genetic Diagnosis of Hereditary Motor and Sensory Polyneuropathies (HMSN)G.  Kuhlenbäumer1, 2 , P.  Young1 , F.  Stögbauer1
  • 1Klinik und Poliklinik für Neurologie, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • 2Institut für Arterioskleroseforschung an der Universität Münster
Wir danken besonders den zahlreichen Patienten mit hereditären Neuropathien und ihren Angehörigen, die in unseren Forschungsprojekten mitgewirkt haben, sowie Herrn Prof. Dr. E. B. Ringelstein für seine stetige Förderung und Bereitstellung hervorragender Arbeitsmöglichkeiten. Die Arbeitsgruppe Neurogenetik wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG KU1194/1-1 und 2-1), der „Kommission Innovative Medizinische Forschungsförderung” der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (KU110004, YO1201, YO 120314) und der Heinrich-Hertz-Stiftung (B42 Nr. 15/03) unterstützt
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Publication Date:
27 August 2004 (online)

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Zusammenfassung

Monogenetische, d. h. durch eine Mutation in einem einzigen Gen verursachte Krankheiten sind auf dem Fachgebiet der Neurologie nicht nur besonders zahlreich, sondern auch besonders häufig. Die hereditären motorischen und sensiblen Neuropathien (HMSN), häufig auch als Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (CMT) bezeichnet, gehören mit einer Prävalenz von ungefähr 1/2500 - 1/5000 zu den häufigsten monogenetischen neurologischen Krankheiten. Durch Untersuchung von nur drei Genen (peripheres Myelin-Protein 22 - Duplikation/Deletion, Gap-Junction-Protein Beta 1, Myelin-Protein Zero) können mehr als 80 % aller HMSN zuverlässig diagnostiziert werden. Wird in keinem dieser Gene eine ursächliche Mutation gefunden, so kann eine molekulargenetische Diagnostik sehr aufwändig und teuer werden, da ursächliche genetische Defekte in mehr als 13 weiteren Genen infrage kommen. Diese sind zum allergrößten Teil sehr selten. In diesen Fällen ist es häufig sinnvoll, die Patienten vor der Durchführung weiterer molekulargenetischer Untersuchungen in einem neuromuskulären Zentrum vorzustellen. Die molekulargenetische Diagnosesicherung ist meist die einzige Möglichkeit, eine hereditäre Polyneuropathie mit Sicherheit zu diagnostizieren. Nur eine zuverlässige Diagnose erlaubt es, den Patienten optimal zu behandeln und zu beraten und ihm unnötige weitere Diagnostik zu ersparen. Eine Stigmatisierung von Patienten durch prädiktive molekulargenetische Diagnostik ist im Einzelfall nicht auszuschließen, weshalb diese Diagnostik einer besonders sorgfältigen Abwägung und Begründung bedarf.

Abstract

Monogenetic diseases, i. e. diseases which are caused by a mutation in a single gene, are not only numerous in Neurology, but also very common. The hereditary motor and sensory polyneuropathies (HMSN), often also designated as Charcot-Marie-Tooth disease (CMT), with an incidence of about 1/2500 - 1/5000 are among the most common monogenetic neurological diseases. The molecular genetic analysis of only three genes (peripheral myelin protein 22 - duplication/deletion, gap junction protein beta 1, myelin protein zero) allows a reliable diagnosis in more than 80 % of all patients with HMSN. If no causative genetic defect can be identified in these genes molecular genetic diagnosis may become very laborious and expensive, because genetic defects in more than 13 other genes have to be considered. Most of these defects are exquisitely rare. In these cases it is often wise to consult a neuromuscular center before proceeding with additional molecular genetic tests. In the majority of HMSN patients molecular genetic testing is the only way to arrive at a reliable diagnosis. Only a reliable diagnosis allows optimal treatment as well as counseling and spares the patient unnecessary further diagnostic procedures. Stigmatization of patients through predictive genetic testing can not be ruled out in rare cases. Therefore presymptomatic genetic testing requires especially careful consideration and justification.

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