Gastroenterologie up2date 2019; 15(04): 399-413
DOI: 10.1055/a-0612-1289
Darm/Anorektum
Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York

Chronische infektiöse Diarrhö

Philipp Reuken
,
Andreas Stallmach
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Publication Date:
02 December 2019 (online)

Die chronische Diarrhö, definiert durch mehr als 3 Stuhlentleerungen täglich mit reduzierter Konsistenz über mehr als 4 Wochen, ist ein relativ häufiges Symptom. Eine der vielen Ursachen sind chronische Infektionen – auch wenn sie relativ selten vorkommen, sind sie auszuschließen. Dieser Beitrag widmet sich der Diagnostik und Therapie chronischer infektiöser Diarrhöen mit dem Fokus auf Infektionen bei Fernreiserückkehrern und Personen mit Immundefizienz.

Kernaussagen
  • Chronische Diarrhöen werden mehrheitlich durch funktionelle Störungen verursacht. Strukturelle Erkrankungen und chronische Infektionen treten viel seltener auf.

  • Die überwiegend als Importinfektion auftretende Giardiasis ist mit einer Inzidenz von etwa 4/100 000 in Deutschland die häufigste infektiöse Ursache einer chronischen Diarrhö.

  • Weltweit treten jährlich ca. 50 Millionen neue Fälle einer Amöbiasis auf. Diese ist jedoch in Deutschland mit nur wenigen Erkrankungsfällen pro Jahr eine seltene Erkrankung.

  • Eine Risikogruppe sind immundefiziente Patienten im Rahmen einer Therapie von Autoimmun- oder Tumorerkrankungen bzw. Patienten mit erworbenen Immundefekten wie der HIV-Infektion. Bei ihnen muss bei chronischen Diarrhöen an eine CMV-Kolitis sowie an Infektionen mit Kryptosporidien und Mikrosporidien gedacht werden.

  • Die Diagnostik bei Verdacht auf eine chronische infektiöse Diarrhö ist insgesamt komplex und basiert auf einer sorgfältigen Anamnese und körperlichen Untersuchung sowie Laboruntersuchungen.

  • Klassische diagnostische Laboruntersuchungen zum Ausschluss infektiöser Ursachen beinhalten kulturabhängige Verfahren zum Nachweis von Bakterien und kulturunabhängige Verfahren zum Nachweis bakterieller Pathogene, Viren und Protozoen.

  • Die spezifische antimikrobielle Therapie basiert auf den mikrobiologischen Befunden. Pragmatische antimikrobielle Ansätze sind vor dem Hintergrund der Vielzahl der möglichen Erreger nicht sinnvoll.