Zusammenfassung
Hintergrund Eine flächendeckende hausärztliche Versorgung
wird durch die soziodemografische Entwicklung der Bevölkerung sowie
durch Nachwuchsprobleme in der Allgemeinmedizin gefährdet. Positive
Erfahrungen Medizinstudierender während absolvierter Praktika in den
akademischen Lehrpraxen wecken das Interesse am Beruf des allgemeinmedizinischen
Hausarztes. Bislang gab es jedoch keine hinlänglichen Untersuchungen,
welche Lehrpraxen-Charakteristika von Bedeutung sein können, um
Medizinstudierende für den Beruf als Hausarzt zu begeistern.
Methoden Es wurden vier Fokusgruppen mit insgesamt 22 Studierenden
durchgeführt. Die Gruppendiskussionen wurden aufgezeichnet,
anschließend transkribiert und danach mittels qualitativer
Inhaltsanalyse softwareunterstützt ausgewertet.
Ergebnisse Variablen, die die wahrgenommene Attraktivität des
Berufs des Hausarztes steigerten waren Anleitung und Betreuung durch den
Lehrpraxen-Inhaber sowie dessen Feedback-Verhalten, eine offene und respektvolle
Haltung des Lehrarztes gegenüber den Studierenden, die
Möglichkeit zum selbstständigen Arbeiten, das breite
Krankheitsspektrum und der abwechslungsreiche Arbeitsalltag, langjährige
Arzt-Patienten-Beziehungen sowie eine ausgewogene Work-Life Balance. Variablen,
die die wahrgenommene Attraktivität des Berufs Hausarztes reduzierten
waren das wirtschaftliche Risiko der Praxisgründung und
Selbstständigkeit, das Überweisen von Patienten zu Spezialisten
bei „interessanten Befunden“ sowie eine nicht ausgewogene
Work-Life Balance.
Schlussfolgerung Die praktische Ausbildung Medizinstudierender in
Lehrpraxen hat das Potenzial, die Attraktivität des Berufes Hausarzt zu
steigern und damit die Wahrscheinlichkeit, dass Studierende sich später
für den Tätigkeitsbereich „Hausarzt“
entscheiden. Dazu bedarf es motivierter Lehrpraxen-Inhaber, die Studierenden
einen positiven Einblick in den Praxisalltag vermitteln.
Abstract
Background Comprehensive general medical care is endangered by the
socio-demographic development of the population as well as by recruitment
problems in general medicine. Medical students’ interest in general
medicine increases if they experience their internships positively. However, the
characteristics of teaching practice important to medical students have not been
systematically investigated.
Methods We conducted four focus groups with a total of 22 students. The
group discussions were recorded, transcribed, and evaluated by means of
qualitative content analysis.
Results Students who rated their internship positively also expressed
greater interest in becoming a family doctor. Variables that mattered to
students were: Instruction and supervision by the owner’s teaching
practice and feedback behavior, being treated with respect, opportunity to work
independently, the broad spectrum of diseases and the varied daily work when
working as a family doctor, long-standing doctor-patient relationships, and good
work-life balance. Variables that decreased students’ interest in
becoming a family doctor were the economic risk of starting a business, and
being self-employed, referring patients to specialists for “interesting
findings” and a poor work-life balance.
Conclusion The practical training of medical students in teaching
practices has the potential to increase students’ interest in working as
a family doctor. This requires motivated teaching practice owners, who give
students a positive insight into everyday practice.
Schlüsselwörter
Allgemeinmedizin - Medizinische Ausbildung - qualitative Forschung - Fokusgruppen
Key words
general practice - medical education - qualitative research - focus groups