Kiadaliri A.
et al.
Trajectory of excess healthcare
consultations, medication use, and work
disability in newly diagnosed knee osteoarthritis:
a matched longitudinal register-based study.
Osteoarthritis Cartilage 2021;
29: 357-364
Mithilfe verschiedener administrativer sowie Gesundheitsdatenbanken identifizierten
die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler 16888 Einwohner der
südschwedischen Region Skåne, welche zwischen 2009 und 2014 im Alter
zwischen 40 und 80 Jahren die Diagnose „Kniegelenkarthrose“ erhalten
hatten. Das Referenzkollektiv bildeten ebenso viele bezüglich des Alters,
des Geschlechts sowie des Wohnbezirks vergleichbare Personen ohne
Arthroseproblematik. Die Forscherinnen und Forscher prüften, wie
häufig jeder einzelne Arthrosekranke und jede Kontrollperson innerhalb von 5
Jahren nach dem Diagnosedatum ambulante oder stationäre medizinische Hilfe
(z. B. ärztliche oder physiotherapeutische Konsultationen) in
Anspruch genommen hatten und schätzten anhand von Verschreibungsregistern
die Medikamenteneinnahme ab. Zusätzlich berechneten sie die beruflichen
Fehlzeiten (Arbeitsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeitsrente). Bei ihrer
Analyse berücksichtigten die Forscherinnen und Forscher sowohl die
soziodemografischen Charakteristika der Personen als auch deren
Komorbiditäten sowie deren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen vor dem
Diagnosedatum.
Ergebnisse
Die Studienpatientinnen und -patienten waren im Schnitt 64 Jahre alt. Während
der ersten 5 Jahre nach der Diagnose „Kniegelenkarthrose“
verursachten die Kontrollen 31,1 Konsultationen im Gesundheitswesen, die
Arthrosekranken dagegen 52,9, was einer zusätzlichen Inanspruchnahme um 16,8
pro Person entsprach. Rund 73% dieser Konsultationen betrafen die
primärärztliche Versorgung. Die Kniegelenkarthrose führte
ferner zu 0,7 zusätzlichen stationären Tagen, zu 420 DDD (defined
daily dose) verschriebener Medikamente, zu 132 Euro höheren
Medikamentenausgaben sowie zu 21,8 zusätzlichen
Netto-Arbeitsunfähigkeitstagen. Die meisten Zusatzbelastungen ereigneten
sich innerhalb des ersten Jahres nach der Diagnosestellung. Die weiblichen
Arthrosekranken, so die Berechnungen des Forscherteams, verursachten im Vergleich zu
den männlichen Patienten im Wesentlichen sowohl eine stärkere
Gesamtressourcenbelastung als auch eine stärkere zusätzliche
Ressourcenbelastung.
Unabhängig von der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen vor der
Arthrosediagnose, den Komorbiditäten sowie soziodemografischen
Parametern, so die Autorinnen und Autoren, verursachen Personen mit einer
Kniegelenkarthrose innerhalb der ersten 5 Jahre nach der Diagnose im Vergleich
zu gesunden Personen deutlich stärkere Ressourcenbelastungen im
Gesundheitssystem und im beruflichen Sektor. Das Ziel müsse daher sein,
Arthroseerkrankungen zu verhindern bzw. effektivere Therapien zu entwickeln.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell