Francisco de Goya hat uns mit seinen Aquatinta-Radierungen aus dem Jahr 1799, den
Caprichos („Einfällen“), in Blatt 43 eine
besonders eindringliche Mahnung hinterlassen. Das mit dem Titel „Der
Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ (span.: El sueño
de la razón produce monstruos) versehene Blatt zeigt den schlafenden
Maler, hinter welchem nächtliche Ungeheuer aufsteigen, nicht
unähnlich einem Schwarm an Fledermäusen. Schützend
beschirmen ihn gleichzeitig zwei Eulen, von denen die eine ihm eine Feder reicht,
als wolle sie ihn zum wachen Tätigwerden drängen. Die Kunstkritik
ordnet das Bild zunächst in den aufklärerischen Rahmen seiner Zeit
ein, gleichsam als Programm gegen die monströsen Fantasien von Unvernunft
und Laster, Ignoranz und Arroganz. 1810–1814 folgt eine zweite Sammlung an
Aquatinta-Radierungen, betitelt „Die Schrecken des Krieges“,
eine ungeschminkte Illustration der (un)menschlichen Gräuel im Kontext der
politischen und sozialen Zustände seiner Zeit –
gewissermaßen eine Kommentierung und Illustration der Folgen einer
schlafenden Vernunft.