Zusammenfassung
Bei einer unklaren, übermäßigen Exposition durch ionisierende Strahlung am Menschen bietet
die biologische Dosimetrie die Möglichkeit, diese retrospektiv nachzuweisen und gegebenenfalls
zu quantifizieren. Besonders hilfreich ist dies in Fällen, in denen keine physikalische
Dosisrekonstruktion möglich ist oder widersprüchliche Ergebnisse vorliegen.
Grundlage für die biologische Dosimetrie sind zelluläre Reaktionen, DNA-Schäden und Fehlreparaturen nach einer Exposition gegenüber ionisierender Strahlung. Die in der biologischen Dosimetrie eingesetzten Methoden weisen diese Veränderungen nach und setzen sie anhand von Dosis-Effekt-Kurven ins Verhältnis zur Expositionsdosis. Die Analyse von dizentrischen Chromosomen hat sich als zuverlässigste und empfindlichste Methode für den Nachweis einer Exposition mit ionisierender Strahlung erwiesen, weil sie eine niedrige spontane Häufigkeit aufweist und für ionisierende Strahlung charakteristisch ist. Die Nachweisgrenze für eine homogene Ganzkörperbestrahlung liegt bei 0,1 Gy bei der Auswertung von 500–1000 Zellen für locker ionisierende γ-Strahlung. Die Analyse erfolgt im Speziallabor nach international standardisierten Verfahren.
Die biologische Dosimetrie kommt als unabhängige Methode oder zur Ergänzung der physikalischen Dosimetrie zum Einsatz. Da bei der biologischen Dosimetrie die Wirkung der Dosis im Blut erfasst wird, können wertvolle Erkenntnisse zur Strahlenexposition geliefert werden und die medizinische Versorgung von Betroffenen unterstützt werden.
Abstract
In case of unclear, excessive exposure from ionising radiation in humans, biological
dosimetry offers the possibility of detecting this retrospectively and quantifying it if
necessary. This is particularly helpful in cases where no physical dose reconstruction is
possible or contradictory results are available.
The principles of biological dosimetry are cellular responses, DNA damage and misrepair
following exposure to ionising radiation. The methods used in biological dosimetry detect
these changes and relate them to the exposure dose using dose-effect curves. Analysis of
dicentric chromosomes has proven to be the most reliable and sensitive method for detecting
exposure to ionising radiation due to its low spontaneous frequency and its characteristic of
ionising radiation. The detection limit for homogeneous whole-body irradiation is 0.1 Gy when
evaluating 500–1000 cells for sparsely ionising γ-radiation. The analysis is carried out in a
specialised laboratory according to internationally standardised procedures.
Biological dosimetry can be used as an independent method or to complement physical
dosimetry. Since biological dosimetry records the effect of the dose in the blood, it can
provide valuable information about radiation exposure and support the medical care of affected
individuals.
Schlüsselwörter
biologische Dosimetrie - Strahlenunfall - erhöhte Exposition - dizentrische Chromosomen - Strahlenschutz - ionisierende Strahlung
Keywords
biological dosimetry - radiation accident - overexposure - dicentric chromosome - radiation protection - ionising radiation