Zusammenfassung
Alexithymie ist ein multidimensionales Konstrukt der Persönlichkeit,
welches durch ein nach außen hin orientiertes Denken sowie
Schwierigkeiten bei der Gefühlsbeschreibung und -identifizierung einer
anderen Person gekennzeichnet ist. Obwohl sie bei psychiatrischen Patienten gut
beschrieben ist, wurde ihr Vorkommen und die Pathophysiologie im Zusammenhang
mit der Multiplen Sklerose (MS) erst neuerdings untersucht. In dieser narrativen
Übersichtsarbeit sollen Prävalenzen, Ursachen, neurobiologische
und klinische Befunde dargestellt werden. Die Prävalenz der Alexithymie
in MS reicht von 10 bis 53%. Es scheint Assoziationen mit
Angststörungen, Depressionen, Fatigue und einigen kognitiven Aspekten zu
geben. Die Beziehung zu klinischen und klassischen kognitiven
Variablen/Kriterien ist bislang wenig untersucht. Schlussendlich stellt
eine Arbeit einen pathophysiologischen Bezug dar und diskutiert eine aberrante
interhemisphärische Übertragung. Zusammenfassend zeigt die
Alexithymie bei MS eine negative Auswirkung auf die Lebensqualität,
deshalb stellt das Screening nach ihr einen wichtigen Punkt im
Krankheitsmanagement dar. Ihre Beziehung zu klinischen, emotionalen und
kognitiven Kofaktoren bedarf weiterer Untersuchungen. Größer
angelegte Studien inklusive bildgebender Verfahren sind dringend notwendig, um
ein besseres Verständnis für die neuronalen Mechanismen der
Alexithymie bei MS zu gewinnen.
Abstract
Alexithymia is a multidimensional construct of personality implicating
difficulties in identifying and describing another’s feelings, and
externally oriented thinking. It is broadly reported in psychiatric patients but
has gained little attention regarding its occurrence and pathophysiology in
multiple sclerosis (MS). This narrative review aims to address prevalence,
etiology, neurobiological, and clinical findings of alexithymia. The prevalence
of alexithymia in MS ranges from 10 to 53%. There seems to be an
association with anxiety, depression, fatigue, and some aspects of social
cognition, while the relationship with clinical and classical cognitive
variables was rarely evaluated. Only a few studies referred to its
pathophysiology assuming an aberrant interhemispheric transfer or regional
cerebral abnormalities. The prevalence of alexithymia in MS and the potential
negative impact on quality of life and interpersonal communication could
severely impact clinical MS management and a screnning for these factors should
be mandatory. Thus, further evaluation is needed concerning its relationship
with clinical, emotional, and cognitive confounders. Large-scale studies
employing neuroimaging techniques are needed for a better understanding of the
neural underpinnings of this MS feature.
Schlüsselwörter
Alexithymie - Multiple Sklerose - Emotionsverarbeitung - Emotionswahrnehmung
Key words
alexithymia - multiple sclerosis - emotional processing - emotional awareness