Risk M.
et al.
COVID-19 vaccine effectiveness against omicron (B.1.1.529) variant infection and
hospitalisation in patients taking immunosuppressive medications: a
retrospective cohort study.
Lancet Rheumatol 2022;
4 (11) e775-e784
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werteten mithilfe verschiedener
Datenbanken Gesundheitsdaten von 168414 erwachsenen US-Bürgerinnen und
-Bürgern aus dem Bundesstaat Michigan aus. Als Studienzeitraum
wählten sie dabei Dezember 2021 bis März 2022, also den Zeitraum mit
Omikron-Dominanz. Sie prüften, wie gut die beiden mRNA-Vakzinen mit
Immunsuppressiva behandelte Menschen vor einer Infektion mit der Omikron-Variante
bzw. vor einer COVID-19-bedingten Hospitalisation schützen. Die
Immunsuppressiva umfassten dabei konventionelle synthetische DMARDs
(disease-modifying antirheumatic drugs), biologische DMARDs sowie
Glukokortikoide.
Ergebnisse
Das Studienkollektiv umfasste 162805 immunkompetente Personen, darunter 128375
geimpfte und 34430 ungeimpfte, sowie 5609 (3%) immunsupprimierte Personen,
darunter 4863 geimpfte und 746 ungeimpfte. 58% der Studienteilnehmenden
waren Frauen und 77% waren europäischer Abstammung. Die
immunsupprimierten Menschen infizierten sich unabhängig vom Impfstatus
signifikant häufiger mit SARS-CoV-2 als die immunkompetenten und die
COVID-19-Hospitalisationsrate der nicht geimpften immunsupprimierten Personen war
signifikant höher als die der ungeimpften aber immunkompetenten Personen.
Bei den mit Immunsuppressiva behandelten Patientinnen und Patienten zeigte sich:
Nach 3 Dosen der BNT162b2- bzw. der mRNA-1273-Vakzine betrug die Schutzwirkung
gegenüber der Virusinfektion 50 bzw. 60% (jeweils p<0,0001).
Bei den immunkompetenten Personen belief sich die Effektivität der beiden
Impfstoffe auf 35 bzw. 57% (jeweils p<0,0001). Die mRNA-Vakzinen
schützten zudem vor COVID-19-bedingten Krankenhausaufenthalten:
Diesbezüglich errechnete sich für die immunsupprimierten Personen
nach 3 Dosen eine Impfeffektivität von 87% und für die
immunkompetenten Personen von 92% (jeweils p<0,0001). Bei
Berücksichtigung verschiedener Patientenfaktoren inklusive des Impfstatus
zeigte sich: Immunsuppressiv wirkende DMARDs (Hazard Ratio 1,39; 95% KI
1,13–1,72), Glukokortikoide (Hazard Ratio 1,48; 95% KI
1,21–1,80) sowie eine Kombination von Immunsuppressiva aus verschiedenen
Kategorien (Hazard Ratio 1,58; 95% KI 1,21–2,06), nicht aber
immunmodulatorisch wirkende DMARDs, prädisponierten im Vergleich zur
Nichteinnahme für eine SARS-CoV-2-Infektion. Immunsuppressiv wirkende DMARDs
(Hazard Ratio 2,32; 95% KI 1,23–4,38) und Glukokortikoide (Hazard
Ratio 2,93; 95% KI 1,77–4,86) stellten ferner signifikante
Risikofaktoren für eine COVID-19-bedingte Hospitalisation dar. Eine
Knochenmark- oder Organtransplantation begünstigte sowohl eine
SARS-CoV-2-Infektion als auch eine COVID-19-bedingte Hospitalisation.
Die beiden mRNA-Impfstoffe, so das Fazit der Forschenden, schützen
immunsupprimierte Menschen relativ gut vor einer Infektion mit der
Omikron-SARS-CoV-2-Variante und in hohem Maß vor einem
COVID-19-bedingten Klinikaufenthalt. Da mit Immunsuppressiva behandelte Personen
im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung allerdings ein deutlich
erhöhtes Risiko für schwere Infektionsverläufe haben,
müssen sie immer über einen aktualisierten Impfstatus
verfügen und priorisiert geimpft werden, fordern sie.
Dr. med. Judith Lorenz, Künzell