Zusammenfassung
Die Energiebilanz dient häufig zur Erklärung der Entstehung von
Übergewicht sowie als Basis für konservative
Therapiemaßnahmen. Dies impliziert, dass Übergewicht durch eine
zu hohe Energieaufnahme und/oder einen Mangel an Bewegung
erklärt ist und somit eine Verringerung der Energiezufuhr oder eine
Erhöhung des Energieverbrauchs zu einem Energiedefizit und damit zu
einer Gewichtsabnahme führen. Dieses vereinfachende Paradigma
lässt jedoch die Regulation der Energiebilanz außer Acht und
verkennt damit die eigentlichen Ursachen und Therapieoptionen von
Übergewicht. Die Kontrolle der Energiebilanz ist ein dynamischer
Prozess, bei dem Veränderungen in einer Komponente der Energiebilanz
eine Kompensation in anderen Komponenten des Systems zur Folge haben.
Darüber hinaus haben Kalorien aus verschiedenen
Makronährstoffquellen oder zu unterschiedlichen Tageszeiten verzehrt
metabolische Auswirkungen, die über ihren Wert als Brennstoff
hinausgehen, zu einer Änderung der Partitionierung der Energie im
Stoffwechsel führen und damit den Appetit steigern. Die Energiebilanz
dient nicht einer Lösung des Adipositasproblems. Diese ergeben sich aus
dem Verständnis der Determinanten und Interaktion von Lebensstilfaktoren
wie Zuckerkonsum, Snacking-Behavior und körperlicher
Aktivität im Hinblick auf adipogene
Stoffwechselveränderungen.
Abstract
The energy balance paradigm is commonly used to explain the development of
overweight and serves as a basis for conservative therapeutic measures. It is
implied that obesity is explained by an excessive energy intake and/or a
lack of exercise, and that a reduction in energy intake or an increase in energy
consumption leads to an energy deficit and thus to weight loss. This simplistic
paradigm, however, ignores the control of energy balance and thus fails to
address the actual causes and treatment options for obesity. Control of energy
balance is a dynamic process in which changes in one component of energy balance
can trigger compensation in other components of the system. Furthermore,
calories from different macronutrient sources or consumed at different times of
the day have metabolic effects that go beyond their value as fuel and lead to a
change in the partitioning of energy in the metabolism, thereby increasing
appetite. The energy balance paradigm cannot provide solutions of the obesity
issue which arise from understanding the determinants and interaction of
lifestyle factors such as sugar consumption, snacking behavior, and physical
activity with respect to adipogenic metabolic changes.
Schlüsselwörter
Energiebilanz - Partitionierung von Energie - Energieverbrauch - energy constraint model - Adaptive Thermogenese
Key words
Regulation of energy balance - energy partitioning - obesity