Eine wachsende Anzahl an tierexperimentellen und klinischen Studien zeigt, dass
das intestinale Mikrobiom einen wichtigen Einfluss auf die Entstehung und den
Verlauf einer Lebererkrankung hat. Unklar ist jedoch weiterhin, ob die
Modulation des Mikrobioms durch Gabe von Pro- und Präbiotika (Synbiotika) diesen
Verlauf positiv beeinflussen kann. Die vorliegende Analyse ist eine der wenigen
bisher publizierten randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten
Studien zu diesem Thema. Da die Anzahl der Studienpatienten (n+=+215) sehr hoch
und das Studienprotokoll sehr detailliert und umfassend ist, sind die Ergebnisse
aussagekräftig: Eine sechswöchige orale Gabe der probiotischen Kombination VSL#3
führte bei Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation zu einer
Verbesserung des Ernährungszustandes, gemessen an validierten Parametern wie
u. a. dem subjective global assessment (SGA). Auch auf die Leberfunktion
(Albumin, Bilirubin, Child-Pugh-Score, Aszitesmenge, hepatische Enzephalopathie)
wirkte sich die Therapie positiv aus. Es wäre interessant zu erfahren, ob
zwischen beiden Gruppen ein Unterschied hinsichtlich der Inzidenz von
bakteriellen Infektionen bestand, da Probiotika in einigen Studien die Rate an
Infektionen senken konnten [1]. Infektionen
wie die spontan bakterielle Peritonitis führen wiederum zu einer
Verschlechterung der Leberfunktion und der Prognose der Patienten vor
Lebertransplantation [2]. Schade ist
weiterhin, dass die Autoren Patienten mit cholestatischen Erkrankungen
ausgeschlossen haben, weil gerade diese Gruppe häufig Infektionen entwickelt. Im
Vergleich zu anderen Untersuchungen fällt auf, dass 90+% der Patienten männlich
waren und insgesamt nur ein Patient eine schwere Mangelernährung (SGA Grad C)
vor Therapiebeginn aufwies.